Galen Low spricht mit Julia Rajic, Senior Vice President of Operations bei No Fixed Address Inc., über die verschiedenen Karrierewege eines digitalen Projektmanagers, darüber, wie PMO-Führungskräfte das berufliche Wachstum ihrer Teams unterstützen können und ob man als Digital PM den Sprung in die Geschäftsleitung schaffen kann.
Interview-Highlights:
- Julia Rajic ist Spezialistin für Operations und Projektmanagement mit über 14 Jahren Erfahrung in Werbe- und Marketingorganisationen. Ihr Weg führte sie von klassischen Bereichen des Eventmarketings und der Werbung über Web-Projekte, CRM-Implementierungen und integrierte Loyalitätssysteme für Kunden wie Blackberry, McDonald’s, TD Bank und weitere. [0:43]
- Heute ist Julia Senior Vice President of Operations bei No Fixed Address, wo sie die unterschiedlichen Anforderungen eines verteilten, multidisziplinären Teams ins Gleichgewicht bringt, um die Unternehmenseffizienz und -profitabilität zu maximieren. In ihrer Freizeit lebt sie für Reisen, Musicaltheater, Live-Konzerte und Musikfestivals. [1:03]
- Abgesehen von Musikfestivals hat sich Julia entschieden, 2022 als Gelegenheit zum Lernen zu sehen. Sie erweitert die Grenzen dessen, was sie für ihre Branche und persönlich lernen kann, insbesondere in Bezug auf unterschiedliche Wege, Profitabilität und Prozesse zu steuern. [3:21]
- Julia begann ihre Karriere im Marketing als Projektmanagerin und übernahm daneben auch Aufgaben im Account Management. Als Account Managerin war sie gleichzeitig Projektmanagerin und das Tragen vieler Hüte half ihr dabei, herauszufinden, was ihr mehr Spaß machte. Sie war außerdem im Eventmanagement, an digitalen Projekten und vielen anderen Dingen beteiligt. [5:21]
- Julia hat sich für das Projektmanagement entschieden, weil sie gerne tief in die Strukturen und Abläufe eines Teams eintaucht, dieses motiviert und mit dem Team gemeinsam zu einem positiven Ergebnis gelangen möchte. Zu Beginn übernahm sie einzelne Projekte, dann mehrere, bis sie schließlich alle Projekte eines bestimmten Kunden managte. [6:05]
Ich glaube, was mich jeden Tag antreibt, ist die Tatsache, dass wirklich jeder Tag anders ist.
Julia Rajic
- Im Agenturkontext hat Julia ein ganzes Portfolio an Fähigkeiten aufgebaut. No Fixed Address macht traditionelle Werbung, TV/Radio, Broadcast, Digital – aber sie haben auch PR, Medien und ein Content-Team, das alle möglichen Dinge produziert, die in die Welt hinausgehen. Es gibt zahlreiche Disziplinen, von TV-Spots bis zu großen Unternehmenswebseiten. Das Team wächst täglich. Sie sind in Toronto, Montreal und New York vertreten. [8:45]
- Mit dem Wachstum entstehen immer neue Herausforderungen – ob größere Agenturen oder größere Organisationen, es gibt Wachstumsschmerzen. Was gestern funktioniert hat, funktioniert mit hundert neuen Mitarbeitenden nicht mehr zwangsläufig und wird komplexer. Das ist eine der größten Herausforderungen, vor denen Julia heute steht. [9:44]
Mit unserem Wachstum und der zunehmenden Größe gibt es einen Bedarf für jemanden, der reinkommt und hilft, diese Herausforderungen, die mit Wachstum einhergehen, zu lösen.
Julia Rajic
- Wenn Sie als Projektmanager Ihr Projekt im Ganzen betrachten und das große Ganze sehen, könnten Sie als Führungskraft Erfolg haben, indem Sie Ihre Aufgaben und Initiativen ebenfalls als Projekte betrachten. Es gibt viele verschiedene strategische Initiativen, die sich im Rahmen von Projektmanagement strukturieren lassen. [12:39]
- Bei einem Projekt gibt es spezifische Ziele, die am Ende erreicht werden sollen. Als Führungskraft ändern sich Ihre Ziele und KPIs, aber solange Sie diese zu Beginn klar definieren, können Sie in beiden Bereichen erfolgreich sein. [13:59]
- Als Projektmanager müssen Sie Ihr Team motivieren, bis zum Abschluss. Sie müssen Ihre Teammitglieder verstehen lernen, wie sie arbeiten und wie Sie sie erreichen können, damit alle gemeinsam auf das gleiche Ziel hinarbeiten. Diese Kompetenzen brauchen Sie auch als Führungskraft. Man muss in der Lage sein, ein Meeting richtig zu “lesen” und Inhalte oder Präsentationen so zuzuschneiden, dass sie für das jeweilige Publikum relevant sind. [16:43]
- Projektmanager sind von Natur aus organisierte Menschen. Die Fähigkeit, Kompliziertes auf das Wesentliche zu reduzieren – das ist etwas, das Sie als Kompetenz während des beruflichen Aufstiegs immer benötigen werden. [17:38]
Als Projektmanager/in ist es ein wichtiger Erfolgsfaktor, die unterschiedlichen Menschen im Team, ihre Aufgaben und ihre Arbeitsweisen zu verstehen.
Julia Rajic
- Als jemand, der im Agenturumfeld aufgewachsen ist, waren all Julias Projekte und Aufgaben immer stark durch Deadlines geprägt – sei es durch einen Fixtermin zum Launch, eine Kundenanforderung oder andere spezifische Vorgaben. Als Führungskraft hingegen muss man sich selbst Deadlines, Anforderungen und Klarheit setzen. [20:57]
- Einige der Fähigkeiten eines Projektmanagers, für die Julia dankbar ist, sind eine lösungsorientierte Einstellung und ihre Problemlösungsfähigkeiten. Als Projektmanagerin wollte sie immer eine Lösung finden. Wenn sie also bei einem Projekt auf ein Hindernis stieß, welches auch immer das war, hatte sie jederzeit ein, zwei oder drei mögliche Optionen, wie sie dieses Hindernis überwinden könnte. [25:02]
- Für jemanden, der versucht, die Karriereleiter nach oben zu klettern und sich selbst die richtige Sichtbarkeit zu verschaffen, um für eine Beförderung in Betracht gezogen zu werden – insbesondere vom PM zum Senior PM oder vom Digital PM zum Senior Digital PM – besteht der entscheidende Unterschied darin, von der unterstützenden zur leitenden Rolle im Team überzugehen. Also nicht mehr die Anweisungen der Fachexperten entgegenzunehmen, sondern selbst Vorschläge und Richtungen oder Budgets vorzugeben oder anzuregen. [27:47]
- Der Wechsel von der unterstützenden Rolle im Team hin zu einer leitenden und vorantreibenden Funktion ist der Unterschied zwischen jemandem in einer eher junioren Rolle und jemandem in einer senioren Position. [29:09]
- Für einen Senior Project Manager, der den nächsten Karriereschritt plant, werden Soft Skills immer wichtiger. Emotionale Intelligenz, Verhandlungsgeschick, die Fähigkeit, Gespräche gezielt auf das jeweilige Publikum abzustimmen, weil man jetzt Business Cases erstellen muss, um neue Mitarbeitende einzustellen. Man muss den Gesamtüberblick haben, vorausschauen – es geht jetzt nicht mehr nur um das eigene Projekt. Jetzt geht es um Mitarbeiterführung und darum, andere für die eigene Vision zu begeistern. Laut Julia sind in dieser Phase besonders viele weiche Faktoren gefragt. [32:29]
- Julias Mentalität, vom Director-Level ins VP- oder SVP-Level aufzusteigen, besteht darin, in dem, was man lernt, noch tiefer einzusteigen. Die Unterschiede werden mit der Position als Director immer größer – alles wird umfassender, komplexer, der Blickwinkel geht immer weiter auseinander. [36:50]
Hat man erstmal die VP- oder SVP-Position erreicht, muss man wirklich verstehen, wohin sich das Unternehmen bewegt und wie man es dabei unterstützen kann, dorthin zu gelangen.
Julia Rajic
- Stelle sicher, dass dein Team sich wohlfühlt und alle sich unterstützt fühlen, und du führst jetzt die Menschen, die wiederum andere führen – dadurch wird die Struktur größer und komplexer, und man muss die Feinheiten darin verstehen und delegieren können. Für Julia ist klar: Wann man an diesen Punkt kommt, ist für jeden in der Karriere unterschiedlich. [38:56]
Es ist eine Sache, sich den Titel zu wünschen, aber eine andere Sache, auch die Arbeit zu leisten, die damit einhergeht. Wenn man nicht an das glaubt, was man jeden Tag tut, wird es nur noch herausfordernder.
Julia Rajic
- Julias Ratschlag an alle, die sich unter Druck fühlen, die Karriereleiter in eine Führungs- oder Managementposition erklimmen zu müssen: Vertraue deinem Instinkt, folge deinem Bauchgefühl. Du kennst dich selbst am besten. Die einzige Person, die weiß, was für dich richtig ist, bist du selbst. [44:26]
Wachstum bedeutet nicht automatisch, dass man die Karriereleiter erklimmen muss. Wachstum heißt – wie ich zu Beginn gefragt wurde, worauf ich mich freue – …
Julia Rajic
- Als Projektmanager:innen verstehen wir von Natur aus schon viel von unterschiedlichen Rollen. Für Julia war es entscheidend, früh neugierig zu sein, zu begreifen, was andere tun, wie sie es tun, was sie motiviert – all diese Puzzlestücke fügen sich langsam zusammen. Je mehr Kolleg:innen man kennenlernt und Feedback bekommt, desto mehr unterschiedliche Meinungen erhält man. [57:31]
- Kann man es bis ins VP-, SVP- oder C-Suite-Level schaffen? Die Antwort ist: Ja. Du musst einfach neugierig bleiben, ehrlich zu dir selbst sein und herausfinden: Was kann ich gut? Was macht mir Spaß? Für Julia war Erfolg immer eine Kombination aus beidem. [58:09]
Gast-Bio:
Julia Rajic verfügt über mehr als 14 Jahre Erfahrung in den Bereichen Operations und Projektmanagement in Werbe- und Marketingorganisationen. Als ergebnisorientierte und vorausschauende Senior Vice President hat sie große Erfolge darin erzielt, die unterschiedlichen Bedürfnisse multidisziplinärer Teams auszubalancieren und somit die Effizienz und Rentabilität eines Unternehmens zu maximieren.
Sie ist innovativ, anpassungsfähig und einfallsreich – mit außergewöhnlicher unternehmerischer Weitsicht und starken Priorisierungskompetenzen. Sie weiß, wie wichtig es ist, starke Beziehungen zu Kunden, Partnern und internen Teams aufzubauen, und sie ist in der Lage, sich an verschiedene Zielgruppen anzupassen und die Kommunikation entsprechend zu gestalten.
Julia liebt es, komplexe und herausfordernde Situationen lösungsorientiert anzugehen und gibt stets ihr Bestes – während sie andere dazu ermutigt, ebenfalls ihr Bestes zu geben.
Sie hat Erfahrung mit einer Vielzahl von digitalen Projekten, darunter integrierte Loyalitätsprogramme, CRM, Webdesign sowie klassische Event-Marketing- und Werbemaßnahmen.
Außerhalb der Arbeit lebt Julia für Reisen, Musicaltheater, Live-Konzerte und Musikfestivals. Zusätzliche Punkte gibt es, wenn sie zu einem Musikfestival reisen kann.

Als Projektmanager:in muss man das Team bis zum Schluss motivieren, Menschen kennenlernen, verstehen, wie sie arbeiten und wie man sich mit ihnen verbindet, um gemeinsam auf dasselbe Ziel hinzuarbeiten.
Julia Rajic
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Galen Low: Wird deine Karriere als digitaler Projektmanager irgendwann an ihre Grenze stoßen? Oder sind unsere Fähigkeiten genau das, was man braucht, um in einer zunehmend digitalen Welt zur Führungskraft zu werden?
Wenn du dich schon gefragt hast, wohin dich der Karriereweg als digitaler Projektmanager führen kann, bleib dran. Wir werden genau herausarbeiten, welche Fähigkeiten und Denkweisen notwendig sind, um den nächsten Karriereschritt zu machen – egal, ob dieser Schritt nach oben, zur Seite oder auch mal auf der Stelle führt.
Danke, dass du eingeschaltet hast! Mein Name ist Galen Low vom Digital Project Manager. Wir sind eine Gemeinschaft digitaler Fachleute mit der Mission, uns gegenseitig dabei zu helfen, Kompetenzen zu entwickeln, Selbstvertrauen zu gewinnen und uns zu vernetzen, damit wir mit unseren Projekten echten Wert und Wirkung schaffen. Falls du mehr dazu erfahren möchtest, schau vorbei auf thedigitalprojectmanager.com.
Hallo zusammen – schön, dass ihr beim DPM-Podcast dabei seid.
Mein Gast heute ist Expertin für Operations und Projektmanagement mit über 14 Jahren Erfahrung in Werbe- und Marketingorganisationen. Ihr Weg führte sie von klassischen Bereichen des Eventmarketings und der Werbung über Web-Projekte, CRM-Implementierungen und integrierte Loyalitätsprogramme für Kunden wie Blackberry, McDonald's, TD Bank und viele mehr.
Heute ist sie Senior Vice President of Operations bei No Fixed Address, wo sie die unterschiedlichen Anforderungen eines verteilten, interdisziplinären Teams balanciert, um die Effizienz und Profitabilität des Unternehmens zu maximieren.
Abseits der Arbeit lebt sie für Reisen, Musicaltheater, Livekonzerte und Musikfestivals.
Begrüßt bitte Julia Rajic. Hallo, Julia!
Julia Rajic: Hi Galen! Wie geht es dir?
Galen Low: Mir geht’s gut! Schön, dass du in der Sendung bist.
Julia und ich haben in den vergangenen Monaten in unserer Member-Community und darüber hinaus eng zusammengearbeitet, sodass wir wirklich Gelegenheit hatten, uns kennenzulernen. Ich freue mich sehr auf dieses Gespräch heute, weil wir das Thema Karriereweg von Projektmanagern an deinem eigenen Beispiel mal als Linse nutzen, um zu sehen, wohin es im digitalen Umfeld gehen kann.
Wir starten also direkt und gehen gleich auf die spannenden Themen ein. Aber zuerst – ich habe eben in deiner Bio gelesen: Musicaltheater, Livekonzerte, Festivals. Ich dachte: Das ist auch genau mein Ding! Sag mal, hast du trotz Pandemie an einem guten Musikfestival teilnehmen können?
Julia Rajic: Ja, ich hatte Glück! Im Herbst 2021 bin ich nach Florida geflogen und konnte dort ein Festival besuchen. Es war draußen, super Musik, viele Leute. Ich habe das wirklich vermisst. Es tut gut, dass wir hoffentlich am Ende dieser Zeit stehen, und ich freue mich auf all das, was noch kommt. Ich bin richtig gespannt.
Galen Low: Das klingt super! Ich freue mich 2022 schon egoistisch auf mehr persönliche Treffen, auch im Arbeitsumfeld. Musikfestivals, ja. Konzerte sowieso. Und in unserer Branche natürlich auch wieder Konferenzen und Ähnliches.
Die letzten Jahre waren rein virtuell – das war okay, aber es wird schön, endlich wieder Menschen zu treffen, oder? Ich hoffe, das wird 2022 wieder normal! Daumen gedrückt.
Julia Rajic: Ja, das hoffe ich auch.
Galen Low: Ein Wort zu 2022 – Wir stehen ja noch am Anfang des Jahres. Auf was freust du dich am meisten?
Julia Rajic: Abgesehen von Musikfestivals? Ich habe mir fest vorgenommen, 2022 als Gelegenheit zum Lernen zu nutzen: Ich will herausfinden, wie andere Unternehmen Profitabilität und Operations steuern, und daraus lernen. Das macht mich richtig neugierig und ist eine echte Motivation für mich.
Galen Low: Sehr cool! Es hat sich so viel verändert – Operations, Profitabilität – alles ist im Wandel. Und ich finde es großartig, daraus ein Lernjahr zu machen.
Julia Rajic: Und ich glaube, das wird auch nie aufhören. Es geht darum zu lernen, was die Leute heute machen und was sie in der Vergangenheit gelernt haben. Aber das wird nicht der einzige Weg für 2022, 2023, 2024 sein – es bleibt ein sich stetig entwickelnder Lernprozess, und genau das finde ich besonders spannend.
Galen Low: Das gefällt mir. Es sind mehr Zutaten, die man sammelt, statt feste Rezepte. Sehr interessant!
Okay, lass uns einsteigen.
Sprechen wir über den Karriereweg eines Projektmanagers im digitalen Umfeld und darüber, wohin er führen kann – oder wo es vielleicht auch eine gläserne Decke gibt.
Doch erzähle erst einmal: Wie sah dein eigener Karriereweg aus? Was machst du heute und wie bist du dorthin gekommen?
Julia Rajic: Es war definitiv kein geradliniger Weg. Eigentlich ist das nie so. Ich bin ins Marketing eingestiegen, schon damals als eine Art Projektmanagerin – ich habe ein wenig Account Management gemacht, wenn du das typische Agentur-Setup kennst: Es gibt ein Kundenteam und ein Projektmanagementteam.
In meiner ersten Organisation war das zusammengelegt, ich war Account Managerin und Projektmanagerin zugleich. Ich musste viele Hüte tragen – Eventmanagement, digitale Projekte – alles war dabei, und so konnte ich herausfinden, was mir am meisten liegt. Daraus entwickelte sich der Fokus auf Projektmanagement, weil mir das Zusammenspiel im Team und das Vorantreiben von Ergebnissen Spaß gemacht hat. Dann kamen mehr Projekte, irgendwann übernahm ich ganze Accounts, dann Portfolios, und schließlich stellte ich mir die Frage: Wenn ich die Organisation als Projekt sehe – wie kann ich sie zum Laufen bringen? So bin ich, glaube ich, da gelandet, wo ich heute bin.
Galen Low: Was ist heute dein Schwerpunkt? Was sind die Herausforderungen – und was liebst du daran?
Julia Rajic: Es gibt wirklich viele Dinge, die ich liebe. Vor allem, dass kein Tag wie der andere ist! Es gibt immer neue Herausforderungen, kein Tag läuft so ab, wie ich es morgens noch geplant habe – und gerade das liebe ich. Es hält mich wachsam. Im Grunde unterstütze ich das Team bei NFA (No Fixed Address), versuche die Ziele aller zu verstehen und dafür zu sorgen, dass wir besser zusammenarbeiten. Ich sehe es als meine Aufgabe, das Leben aller einfacher zu machen: Wenn du im Client Service bist – wie kann ich dir Arbeit abnehmen? Alles andere wird dann geregelt. Das ist das Ziel.
Galen Low: Oft denken Projektmanager, die Dynamik im Tagesablauf entstehe durch die Projekte – Operations wirkt da manchmal eintöniger. Aber offenbar stimmt das gar nicht, oder? Du arbeitest täglich in einer lebendigen Maschine.
Julia, wie setzt sich euer Team zusammen, und welche Projekttypen betreut ihr?
Julia Rajic: Wir machen ein bisschen von allem! Als Werbeagentur bieten wir alles an – klassische Werbung, TV/Radio, digitales, PR, Media, Content-Produktion. Unsere Disziplinen wachsen ständig, und wir reichen von Fernsehspots bis zu Unternehmenswebseiten. Das Team wächst – wir sind in Toronto, Montreal, New York – und wir versuchen immer, die bestmögliche Arbeit abzuliefern.
Galen Low: Welche Herausforderungen hast du gerade aus Operations-Perspektive?
Julia Rajic: Wachsende Unternehmen haben immer wieder neue Herausforderungen – „Wachstumsschmerzen“ sozusagen. Was gestern funktionierte, ist heute in einer Organisation mit 100 neuen Leuten viel komplizierter. Je größer wir werden, desto mehr Bedarf gibt es an Lösungen für diese neuen Herausforderungen – und da sehe ich die Chance, einen echten Beitrag zu leisten.
Galen Low: Du bist also nicht nur Steuermann, sondern integrierst auch ständig neue Bausteine …
Julia Rajic: Es ist ein großes Team, ich leite das alles nicht allein. Aber es gibt die Aufgabe, dafür zu sorgen, dass alles miteinander abgestimmt wird. Jemand muss neutral bewerten, was für das Unternehmen insgesamt sinnvoll ist. Ich helfe, den Kurs zu bestimmen – aber ich fahre das Schiff nicht allein!
Galen Low: Alles klar. Super.
Okay – dann lass uns einsteigen und den Hörer:innen Orientierung geben: Viele Projektmanager fragen sich irgendwann, ob sie überhaupt eine Perspektive jenseits der Senior-PM-Rolle haben. Einerseits heißt es oft: Projektmanager können Führungskräfte werden, weil sie Ergebnisse liefern und unterschiedlichste Teams zu einem Ziel führen. Andererseits vermittelt das Rollenbild manchmal, als müsse man sich stark verändern, um weiterzukommen, da Projektmanager als rein ausführend und weniger strategisch wahrgenommen werden.
Deshalb gleich die große Frage: Wie unterscheidet sich Projektleitung eigentlich von Geschäftsleitung? Oder unterscheidet es sich überhaupt?
Julia Rajic: Das ist tatsächlich eine große Frage. Was mir geholfen hat, ist, das große Ganze im Blick zu haben. Wer als Projektmanager das „Big Picture“ sieht, kann vieles auf Geschäftsleitung übertragen. Unsere Fähigkeiten als PMs lassen sich oft direkt auf die Leitung eines Unternehmens anwenden – es sind bewegliche Organismen, viele Projekte parallel, alles ist im Fluss. Wenn man Projektmanagement ausweitet, ist der Schritt zur Geschäftsführung gar nicht so groß, wie man denkt.
Galen Low: Sind die Aufgaben wirklich so ähnlich, oder gibt es auch Unterschiede?
Julia Rajic: Der größte Unterschied sind die Ziele und KPIs: In Projekten gibt es klare Endziele, bei Geschäftsführung sind Ziele oft unklar und beweglich. Man muss sie suchen, sie sind oft vieldeutiger. Erfolg ist manchmal ein bewegliches Ziel. Man probiert Dinge aus, optimiert, und es gibt kein festes Ende wie beim Projektabschluss. Es ist viel ambivalenter und ungenauer.
Galen Low: Das ist ein wichtiger Punkt! Im Projektmanagement ist vieles definiert, KPIs sind klar. In der Geschäftsleitung aber ist der Weg oft noch nicht gebaut – man muss das Ziel und den Weg erst zusammen entwikkeln.
Julia Rajic: Genau. Oft steht das Ziel nicht fest, und es braucht das Team, um es genauer zu fassen. Es ist nie ein Ein-Frau-/Ein-Mann-Job, sondern Teamarbeit. Man muss sich auf das Team verlassen.
Galen Low: Lass uns darauf eingehen: Welche Fähigkeiten aus dem Projektmanagement sind besonders hilfreich, um zur Führungskraft zu werden?
Julia Rajic: Ganz klar – People Skills! Als PM muss man Teams motivieren, Bedürfnisse erkennen, Inhalte anpassen, andere mitnehmen. Außerdem: Organisation! PMs sind von Natur aus organisiert und können Komplexes auf das Wesentliche reduzieren – das ist als Führungskraft Gold wert.
Galen Low: Absolut – emotionale Intelligenz, Kommunikation, Organisation. Das sind oft die entscheidenden Unterschiede, die einen guten Leader ausmachen. Und oft sind das gar keine „harten“ Fachfertigkeiten, aber sie sind unglaublich wichtig.
Und – wie du schon sagtest – Vertrauen in die Fähigkeiten des Teams spielt eine große Rolle. Verständnis dafür, wie alle zum Gesamtziel beitragen, ist für Projekte wie für die Weiterentwicklung einer Organisation zentral.
Julia Rajic: Absolut! Als PM lernt man, was die Leute können, was sie brauchen, wann man Unterstützung anfordert, und baut so Vertrauen auf. In der Führung ist das genauso wichtig.
Galen Low: Kommen wir zu deinem eigenen Werdegang: Welche überraschenden Veränderungen hast du wahrgenommen, als du vom Projektmanagement ins Operations-Management und weiter Richtung Executive gewechselt bist?
Julia Rajic: Ganz ehrlich: Als PM war ich es gewohnt, klar getriebene Deadlines zu haben. In der Führung ist vieles weniger getrieben von externen Fristen, vielmehr setzen wir Prioritäten intern. Das musste ich erst lernen: Für sich selbst Prioritäten setzen – das ist eine Kunst.
Und man muss lernen, Fehler zu akzeptieren. Als PM hatte ich klare Erfolgskriterien. In der Geschäftsleitung gibt es Grauzonen – man muss mutig sein, Dinge auszuprobieren und zu akzeptieren, dass man manchmal danebenliegt und schnell reagieren muss.
Galen Low: Auch das Fehler-Toleranz-Modell ist anders, oder? Die sogenannte „Iron Triangle“-Denke verschiebt sich in der Geschäftsleitung deutlich. Dort ist es wichtig, mutig Neues zu wagen.
Julia Rajic: Exakt – super Analogie!
Galen Low: Welche Fähigkeiten aus dem Projektmanagement nutzt du heute in deiner Führungsrolle am meisten?
Julia Rajic: Lösungsorientiertheit! Als PM habe ich immer Wege gesucht, um Hindernisse zu umgehen. Das hilft mir heute beim Entwickeln von Alternativen, wenn im Meeting plötzlich „Wände“ auftauchen. Und auch das Reduzieren komplexer Gespräche auf konkrete Next Steps – das habe ich als PM gelernt und profitiere täglich davon.
Galen Low: Lass uns mal tiefer einsteigen: Wie sieht der Karrierepfad aus, wenn jemand vom Projektmanager über Senior PM bis auf die Leitungsebene klettern möchte? Welche Denkweise ist entscheidend?
Julia Rajic: Ein wichtiger Punkt ist, von der Unterstützung zum Leadership zu wechseln: Wer zum Senior wird, treibt Themen eigenverantwortlich voran, trifft eigene Vorschläge und nimmt Teamarbeit aktiv in die Hand, statt nur Zuarbeiten entgegenzunehmen.
Galen Low: Gilt das auch in der Kundenkommunikation?
Julia Rajic: Absolut! Du solltest proaktiv liefern, was der Kunde braucht, bevor er fragt: Status, Termine, Budgets, Risiken – wer das antizipiert, macht einen viel besseren Job.
Galen Low: Und nächste Karrierestufe – vom Senior zum Director: Worauf sollte man achten?
Julia Rajic: Jetzt kommen die Soft Skills zum Tragen: emotionale Intelligenz, Verhandlungsgeschick. Man braucht einen Überblick, muss Business Cases erstellen, Forecasts liefern, größere Teams oder Portfolios verantworten und deren Wert für das Unternehmen in verschiedenen Formen aufzeigen können.
Galen Low: Genau – „rauszoomen“! Die Agenda wechselt von Projekt-/Kundenfokus auf Unternehmensgesundheit. Das Priorisieren erfolgt dann auf einer anderen Ebene.
Julia Rajic: Ja – unabhängig, ob Agentur oder nicht: Es geht jetzt darum, Teams oder Projekte im übergeordneten Sinne zu managen, Prioritäten für Gesamtgeschäft und Teams auszugleichen und Kooperation zu fördern.
Galen Low: Wie ist der Sprung vom Director zum VP oder SVP?
Julia Rajic: Es wird größer! Die Linse zoomt immer weiter raus. Neu ist vor allem: Man muss die Unternehmensziele vollständig durchdringen, sie leben und den Kurs vorgeben – jetzt leitest du Führungskräfte, die wiederum andere führen. Delegate und baue Vertrauen.
Galen Low: Loslassen ist ein wichtiger Teil des Wachstums. Und – du bist dann nicht mehr „Mittler“, sondern selbst Teil der Vision. Ab da geht es darum, wirklich für die Organisation zu brennen.
Julia Rajic: Ganz wichtig! Du musst 100% hinter den Zielen deines Arbeitgebers stehen, sonst wird es schwer, andere zu motivieren. Ich habe Glück, dass ich das genau so jetzt erlebe.
Galen Low: Das kann enorm antreiben! Das Ziel sollte sein, dass das Herzblut und die Unternehmenswerte zueinander passen, dann können unglaubliche Entwicklungen passieren.
Julia Rajic: Das wünsche ich jedem! Es muss nicht um Titel gehen, sondern darum, dass Überzeugung und Umfeld zusammenpassen.
Galen Low: Dann kommen wir zum Kernthema:
Julia Rajic: War das etwa nicht schon saftig genug? (lacht)
Galen Low: Oh, da kommt noch mehr...
In vielen Unternehmen gilt ja oft: Ambition = Aufstieg. Aber das ist nicht für jeden der richtige Pfad. Was rätst du jemandem, der sich unter Druck gesetzt fühlt, die Karriereleiter hochzuklettern, aber nicht sicher ist, ob das wirklich das Richtige für ihn ist?
Julia Rajic: Vertrau deinem Bauchgefühl! Es ist wichtig, ehrlich zu sich selbst zu sein und Work-Life-Balance, persönliche Ziele, berufliches Umfeld realistisch einzuschätzen. Karriereleiter heißt nicht immer Erfolg. Ich habe selbst erlebt: Man kann sich auch zu Tode arbeiten und das macht auf Dauer nicht glücklich. Nimm dir Zeit, um in dich hineinzuhören und lass dich nicht von anderen beeinflussen.
Galen Low: Das ist ein zentrales Thema. In vielen Unternehmen wird oft gemessen, wie viele Jahre jemand auf einer Position ist – und dann bewertet. Aber manchmal sind die Leute einfach richtig gut auf ihrem Level! Wie schaffst du es als Führungskraft, beiden – Aufsteigern und Experten – Entwicklungsspielraum zu geben?
Julia Rajic: Entwicklung kann ganz unterschiedliche Formen haben – Wachstum ist nicht gleich Beförderung. Es kann sein, einfach im eigenen Tätigkeitsbereich noch tiefer einzusteigen, neue Fähigkeiten zu lernen, Wissen zu vertiefen, neue Perspektiven einzunehmen, ohne direkt eine höhere Position anzustreben. Ich höre sehr genau zu, was mein Team will, und sorge dafür, dass wir gemeinsam an den Zielen und Bedürfnissen arbeiten.
Galen Low: Wachstum heißt nicht automatisch Ambition. Jeder Mensch will sich weiterentwickeln, aber das muss nicht immer der direkte Aufstieg auf der Karriereleiter sein. Es kann auch um Entwicklung und Spezialisierung gehen.
Julia Rajic: Genau.
Galen Low: Kommen wir zum Herzstück: Kann der Weg als Projektmanager in die Chefetage führen? Oder braucht es für die C-Ebene noch andere Kenntnisse außerhalb des Projektmanagements?
Julia Rajic: Ja, das kann gelingen! Neugier ist der Schlüssel. Je mehr man über die Abläufe, Rollen, Motivationen seiner Organisation lernt, desto breiter wird das eigene Bild. Wer ehrlich zu sich selbst ist, auf sich hört, herausfindet, was ihm liegt und Freude macht, kann sich zielgerichtet entwickeln. Es muss nicht der gradlinige Weg sein! Neugier hilft, alle Fragen zu beantworten und die beste Richtung für den eigenen Werdegang zu finden.
Galen Low: Sehr gutes Fazit! Menschen sind „zur Entwicklung verdrahtet“ – aber Wachstum geht in viele Richtungen, nicht nur nach oben. Als Führungskraft braucht es Kreativität, Mut zur Ungewissheit und Überzeugungskraft. Wer das lebt, kann weit kommen – und vielleicht das C-Level erreichen. Aber: Es ist kein Muss, sondern eine von vielen Wegen.
Julia Rajic: Genau! Sehr gute Zusammenfassung – du bist eben ein echter PM!
Prost.
Galen Low: Vielleicht ist das ein guter Punkt für den Abschluss.
Julia, ich fand dieses Gespräch großartig. Ich hoffe, unsere Hörer:innen haben viel mitgenommen. Der Karriereweg ist nicht immer klar, besonders im Bereich digitales Projektmanagement. Aber man kann seinen eigenen Weg gestalten. Julia, vielleicht kommst du ja mal wieder zu uns – das würde mich freuen. Danke dir!
Julia Rajic: Danke, es hat viel Spaß gemacht! Es ist immer schön, sich mit dir auszutauschen. Besonders dieses Thema wollten wir beide schon lange gemeinsam intensiv diskutieren. Ich hoffe, es war hilfreich.
Galen Low: Ganz bestimmt. Danke euch fürs Zuhören, bis zum nächsten Mal!
Was denkst du? Ist es realistisch, als Projektmanager eine Position in der Geschäftsleitung anzustreben? Oder braucht es dafür breitere Erfahrungen und mehr Transformation? Erzähle uns deine Geschichte! Kennst du jemanden, der heute in der C-Etage sitzt und früher Projektmanager war? Teile es in den Kommentaren mit uns.
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Bis zum nächsten Mal und danke fürs Zuhören.
