Galen Low spricht mit Samantha Schak, Gründerin von PM with Purpose, einer Plattform, die Einzelpersonen und Unternehmen dabei unterstützt, Projektmanager:innen darin zu stärken, ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Nebenbei produziert Samantha einen Mental-Health-Podcast namens “But Have You Considered Therapy?” Hören Sie rein und erfahren Sie, wie man ein psychologisch sicheres Teamumfeld schafft und warum das so wichtig ist.
Interview-Highlights:
- Samantha hat es sich zur Aufgabe gemacht, anderen zu helfen, Scham zu beseitigen und Menschen zu ermutigen, Risiken außerhalb ihrer Komfortzone einzugehen. Als ebenso erfahrene Projektleiterin wie einfallsreiche Improvisationslehrerin fördert sie Diversität und Inklusion in ihren Teams und bei ihren Kunden, indem sie psychologische Sicherheit für alle Beteiligten ihrer Projekte schafft. [1:14]
- Samantha ist Co-Moderatorin eines Podcasts zum Thema mentale Gesundheit mit dem Namen „But, Have You Considered Therapy?“ [1:37]
- Samantha ist im letzten Jahr zur TikTok-Befürworterin geworden. Sie hat TikTok sogar in einige ihrer Markenpräsentationen für Projektmanager:innen eingebaut. Die Plattform inspirierte sie letztlich zur Gründung von PM with Purpose, ihrem Blog für Projektmanager:innen. [4:46]
- Samantha ist ein Serien-Agenturwechsler. Sie begann ihre Karriere im Vertriebs- und Marketingbereich und kam – wie viele andere – eher zufällig zum Projektmanagement, ohne zu ahnen, dass es sich dabei um ein eigenes Fachgebiet handelt. Sie hat an verschiedensten Projekten und mit diversen Kunden gearbeitet und vor einigen Jahren ihre Zertifizierung im Bereich Product Ownership erworben, die sie mittlerweile verstärkt einsetzt – aktuell als Strategin bei der Agentur Dockyard. [6:28]
- Samantha begann ungefähr zur gleichen Zeit, Improvisation zu unterrichten, als sie das Projektmanagement für sich entdeckte. [9:08]
- Struktur schafft Sicherheit – aber auch Flexibilität ist wichtig. Ohne jegliche Struktur weiß man nicht, wohin man eigentlich geht. [11:28]
- Psychologische Sicherheit bedeutet, das eigene authentische Selbst und die eigene Stimme in die Arbeit einbringen zu können, und zu erkennen, was gerade vor einem liegt – sei es das Projekt- und Unternehmensziel oder die eigenen persönlichen Ziele. [12:22]
Die erste Grundlage für ein sicheres Team ist die Sicherheit, die du in dir selbst schaffen musst.
Samantha Schak
- Schwierige Gespräche sind die wirklich harten Gespräche. [21:11]
Niemand wird wirklich irgendetwas ändern, wenn du es nicht ansprichst – und zwar direkt ansprichst.
Samantha Schak
- In den meisten Gesprächen sollte man neugierig auf das Motiv sein, denn das Motiv entspricht selten der Wirkung. [24:08]
- Eine einzelne Handlung definiert eine Person nicht – genauso wenig wie dich selbst. Wenn man jedoch ein Muster erkennt, muss man dieses unterbrechen, denn daraus können sich wirklich toxische Verhaltensweisen entwickeln. [25:20]
- Es wird kompliziert, wenn Machtverhältnisse ins Spiel kommen. Aber wichtig ist, an den eigenen Prinzipien festzuhalten und sich auch immer klarzumachen, dass auch man selbst stets sein Bestes gibt. [26:00]
- Im Team sollte man nicht nur trainieren, wie Feedback gegeben wird, sondern auch, wie man Feedback annimmt. [28:41]
- Kritik ist so wichtig, trotzdem versuchen wir, sie immer zu vermeiden. Dabei ist gerade die Kunst, negatives Feedback zu geben, enorm bedeutend – insbesondere auch im Hinblick auf Diversität und Inklusion. [29:42]
- Menschen zufrieden halten, die Mitarbeiterbindung steigern und gesunde Teams fördern. Fragen Sie die Leute, wie sie Feedback am liebsten erhalten oder wie sie über bestimmte Ereignisse sprechen möchten. [31:51]
- Lob sollte öffentlich ausgesprochen werden – negatives Feedback dagegen lieber im Privaten. Auch diese Verhaltensregeln sollten im Team klar abgesprochen werden. [32:49]
Zu erkennen, dass die Art und Weise, wie wir zusammenarbeiten, tatsächlich viel wichtiger ist als alles, was wir produzieren können.
Samantha Schak
- Kürzlich war Samantha in einer intensiven technischen Konzeptionsphase mit einem ganz neuen Team, das erst seit drei Monaten zusammenarbeitet. [36:39]
- Samantha gestaltet aktuell verschiedene Workshops zu User Story Mapping und zur Priorisierung. [37:19]
Sei neugierig, sei offen und erkenne, dass die richtigen Fragen oft zu ganz neuen Lösungen führen – anstatt einfach nur Aussagen voneinander auseinanderzunehmen.
Samantha Schak
- Samantha liebt Widerspruch. Sie mag es zwar nicht, wenn ihr achtjähriges Kind sich weigert, den Abwasch zu machen, aber sie schätzt es, wenn ihr Team wirklich durchdachte Fragen stellt. [40:24]
- Es gibt ein Buch namens Driven by Difference, das Samantha vor ein paar Jahren zum ersten Mal gelesen hat. Es behandelt die Tatsache, dass Homogenität nie etwas Großartiges hervorbringt. Es ist ein Plädoyer für vielfältige und integrative Teams. [40:39]
- Samantha spricht über MRI – Most Respectful Interpretation. [47:43]
Für Annahmen ist kein Platz – wir müssen sehr klar sein und unsere Botschaften extrem bewusst vermitteln.
Samantha Schak
- Wie jede gute Projektmanagerin wirst du gute Notizen machen, Datenpunkte sammeln und Entscheidungen oder vielleicht Vorschläge zu eher subjektiven Themen haben. Es kann wirklich helfen, diese Gedanken ein wenig strukturiert zu ordnen. [53:37]
- Samantha versuchte, bei einem früheren Unternehmen ein D&I-Pilotprogramm zu starten. [55:36]
Den eigenen Horizont zu erweitern und einer vielfältigen Gruppe von Menschen zu folgen und deren Inhalte zu konsumieren, ist wirklich wichtig.
Samantha Schak
- Im Hinblick auf Budgetierung hat Samantha nie eine Abrechnung für die Durchführung eines Improvisationsworkshops oder Ähnliches speziell für Kundenprojekte oder in ihrem Berufsleben in der Agenturwelt erstellt. Bei jedem Meeting, in das sie geht, bringt sie diese Prinzipien von Inklusion und Sicherheit mit ein. Das ist fest verankert. [1:02:20]
- Samantha empfiehlt, sich bewusst Menschen auf LinkedIn, Twitter, Instagram, TikTok usw. zu suchen, die unterschiedlich sind. Diversifiziere diese Liste, denn so wird sich auch deine Sprache verändern. [1:04:09]
Gästebio:
Samantha Schak ist eine empathiegetriebene Projektleiterin, die Kund:innen dabei hilft, innovative und inklusive Produkte zu entwickeln. Sie ist Gründerin von PM with Purpose, einer Initiative, die Einzelpersonen und Unternehmen unterstützt, ihre Projektmanager:innen dabei zu fördern, ihr volles Potenzial auszuschöpfen. Als Nebenprojekte produziert Samantha einen Podcast über mentale Gesundheit, „But Have You Considered Therapy?“ und hilft dabei, Improvisationskurse für neurodivergente Kinder am The Hideout Theatre in Austin, TX zu unterrichten.

Es gibt einfach Millionen verschiedene Arten zu leben und Millionen verschiedene Arten von Lebenserfahrungen. Du wirst nie alles verstehen und niemals perfekt sein. Du wirst scheitern. Sei einfach sanft, freundlich und hab Spaß dabei.
Samantha Schak
Ressourcen aus dieser Folge:
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Lies das Transkript:
Wir probieren aktuell die Transkription unserer Podcasts mit einem Software-Programm aus. Bitte entschuldige Tippfehler, denn der Bot liegt nicht immer zu 100 % richtig.
Galen Low:
Stell dir folgendes vor: Du bist ein Full-Stack-Entwickler an der Spitze deines Faches. Du meisterst Story Points am laufenden Band. Aber dieses Produkt, an dem du arbeitest, scheint einige Minderheitengruppen auszuschließen – darunter auch eine, zu der du selbst gehörst. Du hast eine Idee, wie das Produkt inklusiver werden könnte, entscheidest dich aber dagegen etwas zu sagen.
Es ist sowieso schon zu spät im Prozess. Und wahrscheinlich wird dir gesagt, dein Job sei es zu programmieren, und nicht, die Produktvision anzuzweifeln. Das Produkt wird veröffentlicht – und siehe da: In den sozialen Medien wird es öffentlich kritisiert, weil Minderheitengruppen ausgeschlossen werden. Wie sicher bist du dir, dass solche Szenarien nicht täglich in deinen Projekten passieren?
Gibt es in deinem Team eine Kultur, in der Menschen sich wohlfühlen, ihre Meinung zu sagen und ihre Perspektiven in die Diskussion einzubringen? Ist deine Organisation inklusiv genug, um alle Barrieren für Innovationen zu beseitigen? Wenn du dir nicht sicher bist, bleib dran – wir sprechen gleich darüber, warum Vielfalt und Inklusion wichtig sind und wie man ein psychologisch sicheres Umfeld schafft – sowohl virtuell als auch in Präsenz – in dem dein Team aufblühen kann.
Vielen Dank, dass du eingeschaltet hast. Mein Name ist Galen Low und ich bin Teil von The Digital Project Manager. Wir sind eine Community digitaler Fachkräfte mit der Mission, uns gegenseitig zu unterstützen, Fähigkeiten auszubauen, Selbstbewusstsein zu steigern und uns zu vernetzen, um Projekte besser umsetzen zu können. Wenn du darüber mehr erfahren möchtest, schau auf thedigitalprojectmanager.com vorbei.
Hallo zusammen. Schön, dass ihr beim DPM Podcast dabei seid.
Mein heutiger Gast ist jemand, der sich dem Helfen verschrieben hat: anderen Menschen Scham zu nehmen und sie zu befähigen, Risiken außerhalb ihrer Komfortzone einzugehen. Zu gleichen Teilen Expertin in Projektdurchführung und kreative Improvisationstrainerin. Sie fördert aktiv Diversität und Inklusion in ihren Teams und für ihre Kundschaft, indem sie psychologische Sicherheit für alle Beteiligten schafft.
Über die Projektdurchführung hinaus unterstützt sie Organisationen auch bei der Ausgestaltung und Implementierung solider Diversity-&-Inclusion-Programme. Sie ist Co-Host eines Podcasts zum Thema mentale Gesundheit namens „But, Have You Considered Therapy?“ und gibt Impro-Kurse für Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen. Und als wäre das nicht genug, ist sie passionierte Bastlerin und eine sehr talentierte Tortendekorateurin.
Heute möchte sie uns zeigen, wie das Annehmen von Fehlern der Schlüssel zur Innovation sein kann – und ihre Top-Tipps, wie man ein psychologisch sicheres Umfeld schafft, egal ob vor Ort oder virtuell.
Begrüßt mit mir Samantha Schak. Hallo, Samantha.
Samantha Schak:
Oh mein Gott. Das war ja mal eine Vorstellung. Vielen, vielen Dank, Galen.
Ich freue mich sehr auf unser Gespräch heute.
Galen Low:
Schön, dass du da bist. Ich wollte dich schon lange zum Gespräch holen – und ich freue mich besonders, dass du jetzt Teil des DPM-Expertenteams bist. Es ist fantastisch, dich dabei zu haben. Ich schätze deine Expertise und deine aktive Stimme in der Diskussion und liebe einfach, was du machst.
Ich bin also voller Vorfreude auf dieses Gespräch.
Samantha Schak:
Ja, ich mich auch! Wir hatten vor ein paar Wochen ein tolles AMA, deshalb freue ich mich darauf, dieses wichtige Thema heute einer größeren Hörerschaft näherzubringen – ein Thema, das wirklich dauerhaft wichtig bleibt. Wir haben im letzten Jahr viele Lektionen gelernt und ich freue mich heute auf den Austausch mit dir.
Galen Low:
Absolut. Und ja, es war wirklich eine interessante Zeit. Auch dort, wo du bist – in Austin – war es turbulent. Ein seltener Schneesturm hat für einiges Chaos gesorgt, mitten in einer Pandemie. Aber es scheint, dass sich die Lage wieder bessert und selbst in Texas einige Lockerungen der Beschränkungen in Sicht sind.
Deshalb frage ich mich: Wie hat sich dein Leben heute im Vergleich zu vor ein paar Wochen verändert?
Samantha Schak:
Gute Frage! Ja, zu meinem Leidwesen gibt es Lockerungen. Austin versucht noch Maskenpflichten aufrechtzuerhalten und die Kapazität zu begrenzen, aber letztlich entscheiden das die „großen Hunde“ im Staat Texas.
Heute ist mein Leben extrem anders. Zu Beginn hatten wir eine ganze Menge Traumata zu bewältigen. Das ganze vergangene Jahr 2021 war an sich schon turbulent – angefangen mit dem Sturm aufs Kapitol, allgemein viel Chaos. Und dann dieses extreme Wetter. Das war schlimmer als alles, was ich aus Chicago kannte – und ich kenne mich mit Schnee aus! Es war wirklich eine sehr, sehr beängstigende Zeit, und es war schwer, die Kinder durchzubringen, für Sicherheit zu sorgen, den Haushalt am Laufen zu halten – und gleichzeitig all die pandemiebedingten Herausforderungen zu stemmen.
In den letzten Wochen bin ich einfach nur erschöpft. Ich versuche, sanft mit mir umzugehen, folge ganz bewusst auf Twitter und Instagram vielen Expert:innen und Berater:innen für mentale Gesundheit, damit ich diese Botschaften bekomme: „Es ist okay, jetzt gerade erschöpft zu sein.“
Und ehrlich gesagt – niemand funktioniert in diesem Jahr bei 100 %, aber im Moment erst recht nicht. Also bin ich bemüht, mir selbst Nachsicht zu üben und sanft zu sein.
Galen Low:
Absolut. Und Ablenkungen? Gibt es Dinge, die dich in diesen turbulenten Zeiten besonders aufheitern?
Samantha Schak:
Oh mein Gott. Ja, meine absolute Lieblingsbeschäftigung ist TikTok! Früher hatte ich Vorurteile dagegen, weil ich Vine mochte, aber mittlerweile bin ich TikTok-Fan durch und durch. Ich habe TikTok sogar in Branding-Präsentationen für Projektmanager eingebettet, weil ich dort so viel Input bekomme.
Tatsächlich hat mich TikTok dazu inspiriert, "PM with a Purpose" zu gründen – meinen Blog für Projektmanager:innen. Aus purer Unterhaltung, Ermächtigung, vielen schwierigen Diskussionen, tollen Stimmen im Bereich Diversity & Inclusion. Definitiv meine Lieblingsablenkung.
Galen Low:
Das gefällt mir! Ich muss mich wirklich mehr damit befassen – habe immer nur das Bild von Tanzvideos im Kopf…
Samantha Schak:
Nein, nein – vertrau einfach dem Algorithmus! Man muss anfangen, Dinge zu liken und Kanälen zu folgen. Und ehrlich, TikTok scheint auch Diagnosen zu stellen. Ich sagte neulich zu meiner Therapeutin: „TikTok glaubt, ich habe ADHS.“
Sie meinte: „Kann sein.“ Und für mich war es wirklich eine gute Ergänzung, um bei vielen Themen weiterzukommen.
Galen Low:
Diagnose per TikTok, das ist die Zukunft…
Samantha Schak:
Ernsthaft, Leute entdecken dort ihre Sexualität, es gibt total viele heiße Themen, die einen zum Nachdenken bringen: „Oh, das gibt mir der Algorithmus also jetzt…“
Ein wirklich mächtiges Tool für neue Einblicke.
Galen Low:
Sehr spannend! Dann lass uns tiefer einsteigen: Gib doch mal einen kleinen Überblick zur "professionellen Version" von dir – was hast du bisher gemacht, wo warst du tätig, wo willst du noch hin?
Samantha Schak:
Ich würde mich aktuell als typische Agentur-Hopperin bezeichnen: Projektmanagerin, mit Start im Sales- und Marketingbereich, irgendwann reingerutscht ins Projektmanagement – wie die meisten, ohne das vorher als eigene Disziplin zu erkennen. Ich habe mit diversen Projekten und Kunden gearbeitet, vor ein paar Jahren die Scrum-Produktowner-Zertifizierung erworben und arbeite aktuell als Strategin bei Dockyard, einer komplett remote arbeitenden Agentur.
Das als grober Rahmen: Ich beschäftige mich beruflich und privat sehr viel mit Unternehmenskultur, Diversity- & Inclusion-Panels, Taskforces in Firmen usw. Dadurch versuche ich, Diversität und Inklusion ins tägliche Arbeiten einzubringen.
Sorry, das war jetzt viel… Ich könnte stundenlang darüber reden!
Galen Low:
Mir gefällt das! Besonders, dass du die Werbeagentur-Vergangenheit mit deinem Einsatz für Diversity verknüpfst – da gehen wir gleich noch tiefer rein. Gibt es bestimmte Projekttypen, die du besonders magst?
Samantha Schak:
Ich liebe größere Discovery-Projekte, bei denen ich viel recherchieren und designen kann. Wo es darum geht, wirklich herauszufinden, was wir eigentlich wollen und warum. Diese Projekte überraschen am meisten – man kommt oft mit einer Lösungsidee hinein und entdeckt unterwegs ganz neue Ansätze und Möglichkeiten. Diesen kreativen Prozess liebe ich, inklusive der Herausforderung, auch unangenehme Wahrheiten an den Kunden zu bringen.
Galen Low: Ich liebe diesen kreativen Prozess, wo einen das Ergebnis oft überrascht!
Samantha Schak:
Genau! Es läuft eigentlich nie genau nach Plan – also sollte man lernen, das zu akzeptieren und sich darin zu üben.
Galen Low:
Absolut. Was mir bei dir auffällt: Du schaffst es, viele deiner Leidenschaften in deinen Beruf und deine Marke einzubauen – Impro, Diversity und Projektmanagement. War das Absicht? Wie hast du das alles verknüpft?
Samantha Schak:
Super Frage. Lange Zeit hatte ich das Gefühl, zwei Welten zu haben, die irgendwie nebeneinander existieren: Zum einen habe ich mit Impro und Impro-Unterricht begonnen, zeitgleich mit meinem Weg ins Projektmanagement. Man würde annehmen, das eine ist super kreativ und unstrukturiert, das andere auf maximale Struktur aus.
Mit der Zeit habe ich gemerkt: Beide Bereiche können viel voneinander lernen, vor allem im Umgang mit Fehlern – auf der Bühne wie im Projekt. Sicherheit erzeugen, damit man Risiken eingehen kann – das ist beim Impro wie beim Projektmanagement essenziell. Langjährige Improgruppen wirken oft wie gescriptet, weil so viel Vertrauen und Sicherheit da ist, dass sie frei improvisieren können.
Und genau das passiert auch im Projektalltag: Teams schaffen gemeinsam Neues, wenn sie sich sicher fühlen. So habe ich begonnen, Impro-Elemente in meine Arbeit einfließen zu lassen, was mich auch beruflich abgehoben und mir geholfen hat, eine persönliche Marke zu entwickeln. Dadurch werde ich oft als Moderatorin oder für Workshops gefragt. Das ist heute mein Alleinstellungsmerkmal.
Galen Low:
Sehr cool. Dieser Spagat zwischen Kontrollfreak als Projektmanagerin und Flexibilität als Improkünstlerin fasziniert mich. Das ist die perfekte Balance aus Teamvertrauen, Kreativität und Zusammenarbeit – total inspirierend!
Samantha Schak:
Struktur gibt Sicherheit – und Flexibilität braucht es ebenso, damit man bei Bedarf den Rahmen verlassen kann. Ganz ohne Struktur fühlt man sich verloren. Es geht um die perfekte Balance.
Galen Low:
Hundertprozentig. Lass uns für die Zuhörer die Basis klären: Du siehst dich als Projektleiterin, die großen Wert darauf legt, ein inklusives Umfeld und psychologische Sicherheit für alle am Projekt Beteiligten zu schaffen – seien es Teammitglieder, Stakeholder oder Kunden. Wie definierst du psychologische Sicherheit und warum ist sie aus deiner Sicht so wichtig?
Samantha Schak:
Eine große Frage! Jemand hatte mich neulich auf Twitter gefragt, was psychologische Sicherheit bedeutet – die Antworten darauf waren vielfältig. Meine Definition, die sich aus vielen Quellen speist: Psychologische Sicherheit heißt, man kann sein authentisches Selbst und seine Stimme ins Arbeitsumfeld einbringen, eigene Ziele und Bedürfnisse klar wahrnehmen und einbringen, ohne dass sie den Zielen von Projekt oder Unternehmen widersprechen. Es geht auch um mentale, physische Bedürfnisse und darum, als Mensch im Arbeitsumfeld akzeptiert zu sein.
Ein psychologisch sicheres Team fördert all das. Doch als Projektmanagerin bekommt man dafür viel Verantwortung – meist ohne große formale Macht. Man arbeitet Einfluss-basiert, muss die Erfahrungen und Traumata einordnen, die jeder mitbringt – beruflich und privat. Am Ende ist das oft gar nicht Teil der offiziellen Stellenbeschreibung, doch wenn man sich verantwortungsvoll verhält, sollte man sich darum kümmern.
Galen Low:
Mir gefällt, dass das eben kein Teil der offiziellen Stellenbeschreibung ist, aber dennoch absolut zentral für eine gute Zusammenarbeit. Und auch der Gedanke, sein ganzes Ich einzubringen – dadurch wird das Ergebnis viel reicher.
Samantha Schak:
Erster Schritt ist: Sich selbst kennen! Was brauche ich? Wie kommuniziere ich am liebsten? Wie arbeite ich? Worin liegt mein persönliches Sicherheitsgefühl? Ich muss mir selbst zuerst Sauerstoff geben, bevor ich andere unterstütze. Das ist die Basis für jedes sichere Team.
Galen Low:
Ist das ein einmaliger Prozess oder ständig im Wandel – für dich und die anderen im Team?
Samantha Schak:
Vollkommen! Der Kern deines Selbst bleibt meist langfristig gleich, Werte und Grunderfahrungen auch, aber Gewohnheiten, Lebensumstände und der Umgang damit ändern sich im Laufe der Zeit. Entwicklungen bedeuten, sich immer wieder neu zu entdecken, aber die Kernidentität bleibt. Wichtig ist es, diese Stärke bei sich und anderen zu erkennen und zu fördern.
Galen Low:
Gab es für dich einen Auslöser, dich bewusst mit Themen wie Diversity, Inclusion und psychologischer Sicherheit zu beschäftigen?
Samantha Schak:
Ja, eine sehr persönliche Geschichte: Ich habe einen Großteil meines Lebens mit Essstörungen gekämpft, schon mit 11 Diät gemacht, Körperbildprobleme, Selbstverletzung – bis ich vor ein paar Jahren „Intuitive Eating“ für mich entdeckt habe. Dabei geht es um Körperwahrnehmung, Freude an Bewegung, Selbstakzeptanz. Bei der Recherche fiel mir auf, wie schädlich etwa der BMI ist und wie viele gesellschaftliche Ideale nicht inklusiv sind – für Leute mit anderer Hautfarbe, für Frauen usw.
Mit der Energie, die ich sonst zur Veränderung meines Körpers aufgewendet hatte, wollte ich dann gesellschaftlich Positives bewirken und widmete mich Themen wie Diversity und Inclusion. Es war ein Lernprozess, der immer noch anhält und zu dem ich durch eigenes Healing gefunden habe.
Galen Low:
Beeindruckend, wie durch diesen Diskurs deutlich wird, wie tief verwurzelte Ungleichgewichte fast überall eine Rolle spielen – ob bei Ernährung oder bei Zusammenarbeit. Häufig gibt es Annahmen, veraltete Arbeitsweisen, die nie hinterfragt werden. Das ist eine sehr inspirierende Entwicklung.
Wie hat sich seit deiner verstärkten Beschäftigung mit Themen wie Diversität und Inclusion sowie dem Einbringen von Impro und Fehlerkultur die Teamarbeit verändert?
Samantha Schak:
Individuell bedeutet Beschäftigung mit Inclusion, dass ich Fehler mache – ich habe viele Aha-Erlebnisse durch Failures in diesem Bereich gehabt. Aber das ist Teil des Weges, daraus kann ich nur lernen, wenn ich dranbleibe. In Teams konnte ich beobachten: Nur wenn wir schwierige Gespräche sofort und offen angehen, entsteht echter Fortschritt. Es hilft, solche Gesprächskultur zu etablieren, auch wenn es Angst macht – aber in diesem Unbehagen liegt das größte Entwicklungspotential.
Galen Low:
Absolut. Man muss den „Zentrumskurs“ neu finden – das fordert Mut und Disziplin in der Kommunikation. Was ist aus deiner Sicht ein gelungenes, erfolgreiches Gespräch, z. B. wenn man anspricht, dass man wegen seiner Identität in einem Meeting übergangen wurde?
Samantha Schak:
Im Wesentlichen: Nachfragen zur Intention, offen neugierig sein, die eigene Wirkung schildern („Das hat bei mir folgendes ausgelöst…“), aber niemals Menschen in Schubladen stecken, sondern bei wiederkehrenden Mustern ansetzen. Es zählt der persönliche Impact, nicht Schuldzuweisungen. Und ganz wichtig: Immer Handlungsoptionen mitgeben und ehrlich bleiben, denn oft spielen Machtdynamiken eine große Rolle.
Galen Low:
Wie gehst du mit Abwehr, Gaslighting oder Ablehnung im Gespräch um?
Samantha Schak:
Wenn jemand meine Wahrnehmung leugnet, sage ich das ganz offen. Die Verleugnung verletzt mehr als die ursprüngliche Handlung. Meist steckt Scham und Verdrängung dahinter. Manchmal muss man Menschen da lassen, wo sie sind, und ihnen Raum geben, die Rückmeldung zu verarbeiten. Nicht immer ist es unsere Aufgabe, die Lösung zu bieten – gerade als Projektmanager müssen wir lernen, dass Menschen ihre eigenen Prozesse haben.
Galen Low:
Am Anfang neuer (und oft cross-funktionaler) Teams: Wie baust du diese Sicherheit auf?
Samantha Schak:
Ich mache ein Team-Startup mit Fragen wie: Was kannst du besonders gut? Welche versteckten Talente hast du? Wie arbeitest du am liebsten? Was sind deine Ziele? Gibt es Dinge, aus vergangenen Projekten, die du vermeiden oder wiederholen möchtest? Offene Gesprächskultur, regelmäßige Retros, Feedback in der Gruppe und individuelle Erfolge feiern, Kritik immer im Einzelgespräch. Das sind feste Rituale. Es geht also darum, wie wir zusammenarbeiten – wichtiger als was wir schaffen.
Galen Low:
Wie handhabst du Privatheit vs. Gruppendynamik für Feedback und Entwicklung?
Samantha Schak:
Individuelle Gespräche zum Einstieg sind wichtig, um das gegenseitige Verständnis zu stärken, später dann regelmäßige Team-Rituale wie Retrospektiven, um Feedback zu institutionalieren und eine Kultur des Lernens im Team zu fördern.
Galen Low:
Wie sieht das speziell im Remote-Setting aus?
Samantha Schak:
Viele persönliche Check-ins – nicht alles als Meeting, auch mal locker per Chat fragen: „Wie hast du dich im Meeting gefühlt?“ Kamera auf freiwilliger Basis, offen für jede Situation. Stand-ups immer mit der Frage „Wie geht es dir?“ Wer als Führungskraft Verletzlichkeit zeigt, bekommt sie meist zurück. Besonders im Remote-Kontext brauchen wir bewusstes, wertschätzendes Nachfragen und offene Gespräche.
Galen Low:
Ganz wichtig für virtuelle Teams ist, durch fortwährende Empathie und bewusste Kommunikationsführung das Team zu stärken – auch, wenn es anstrengend sein kann. Was mir gefällt: Die Check-ins müssen keine festen Meetings sein, sondern können auch locker und situationsbezogen erfolgen.
Samantha Schak:
Absolut. Als Leitgedanke gilt für mich: „MRI – Most Respectful Interpretation“ – immer das positivste Motiv beim Gegenüber unterstellen. Wir wissen nie, was jemandem vielleicht vorher passiert ist. Und: „Erlaube Menschen, dort zu sein, wo sie gerade sind.“ Das gilt auch für Teams, die vielleicht noch nicht bereit für Partystimmung sind – das ist auch ok.
Galen Low:
Gerade für Projektmanager, die meistens Lösungsorentiert sind, ist das manchmal schwer – aber unverzichtbar.
Samantha Schak:
Manchmal brauchen Menschen einfach nur Trost oder ein offenes Ohr – ein Tipp, den ich in der Ehe mitnehme: „Möchtest du einen Lösungsvorschlag oder Trost?“ Das kann man auch ins Berufliche übertragen und so ehrlicher, menschlicher kommunizieren.
Galen Low:
Solche „Human-Optimierungen“ helfen wirklich. Gerade im Remote-Kontext müssen wir absichtlich und direkt kommunizieren, weil wir weniger informelle Gelegenheiten haben.
Samantha Schak:
Definitiv. Sich einen kleinen Gesprächsleitfaden zu schreiben, hilft für herausfordernde Situationen – so kann man gezielt und respektvoll kommunizieren.
Galen Low:
Das lässt sich auf Diversity & Inclusion genauso anwenden. Du hast ein Umfeld geschaffen, wo deine Werte erlebbar sind – aber wie bringst du das in eine breite Unternehmenskultur? Oder ist das „nur“ Samantha-Stil?
Samantha Schak:
Es ist beides: mein Stil und etwas, das ich sichtbar mache. Ich arbeite nur für Firmen, die Diversity & Inclusion als Wert priorisieren und messbar machen – mit Runden, Umfragen, offener Kommunikation, sensibler Rekrutierung, inklusiven Jobanzeigen. Ich will die Last nicht allein tragen – alle sollten Diversity leben. Aber selbst im kleinen Team hat es Auswirkungen auf die Organisation und andere fragen mich oft um Rat. Vieles sickert von unten nach oben durch.
Galen Low:
Selbst wenn D&I Teil der Firmenwerte ist, gibt es immer Kritiker und „System-Ausnutzer“. Wie gehst du mit Widerstand oder fehlender Akzeptanz um?
Samantha Schak:
Ich versuche, individuell anzuknüpfen – und mache transparent, warum wir was tun. Ich nenne Übungen vielleicht „verrückt“ oder „kreativ“, damit man es locker nimmt – aber zugleich liefere ich Daten, warum das Team davon profitiert. Nicht jeder muss alles enthusiastisch finden, aber die Mehrheit lässt sich nach einer Zeit darauf ein.
Galen Low:
Wie misst du D&I im Team?
Samantha Schak:
Weniger quantitativ als qualitativ: Was für Produkte entstehen, wie inklusiv sind sie (z.B. Barrierefreiheit, Personas)? Wie ist die Teamzufriedenheit? Wie erleben die Mitglieder Zugehörigkeit und mentale Gesundheit? Unternehmensebene kann es genauer messen.
Galen Low:
Letzte Frage: Ist das alles nicht teuer? Wie rechtfertigst du den Aufwand für D&I-Maßnahmen wie Workshops gegenüber Kunden?
Samantha Schak:
Ich stelle D&I in jede Interaktion – Meeting, Stand-up, Workshop – als Grundhaltung, nicht als Sonderposten. Es geht um konsequente, authentische Umsetzung, nicht „on top“. Vertrauen entsteht durch Konsistenz.
Galen Low:
Das gefällt mir sehr – es ist integriert, nicht additiv.
Samantha Schak:
Jede:r kann einen eigenen Stil dafür entwickeln, aber ein Tipp: Diversifiziere deine Kanäle und Kontakte auf LinkedIn, Twitter, Instagram etc. – so wird die Sprache, das Verständnis und der Horizont weiter. So kannst du immer wieder dazulernen – und dann das Gelernte im Team umsetzen. Und als Projektmanager: Ihr habt großartige emotionale Intelligenz und Menschenkenntnis, nutzt das – dann profitiert auch das Unternehmen.
Galen Low:
Wichtiger Gegenpol zum eingangs erwähnten Algorithmus – so kann auch Vielfalt ins Sichtfeld gerückt werden.
Samantha Schak:
Breit streuen, viele Erfahrungen aufnehmen, Fehler akzeptieren, sanft zu sich und anderen sein und Spaß haben!
Galen Low:
Genau – mein Highlight heute: Es geht nicht darum, in D&I irgendwann „anzukommen“, sondern kontinuierlich besser zu werden. Vielfalt und Inklusion sind nie abgeschlossen – man kann immer weiter lernen und wachsen. Wichtig ist, heute zu beginnen.
Samantha Schak:
Fang jetzt an! Offen für Feedback, für Fehler, für Dialoge. Es ist ein Prozess.
Galen Low:
Vielen Dank, Sam, für das inspirierende Gespräch. Es ist so wichtig, diese Themen in die tägliche Arbeit zu integrieren. Ich freue mich auf die weitere Zusammenarbeit im DPM-Expertenteam!
Samantha Schak:
Danke dir, Galen. Ich freue mich ebenfalls riesig, Teil dieser Community zu sein, zu lernen und Impulse zu geben. Meldet euch gerne bei Fragen oder für Feedback – ich lerne auch immer gerne hinzu.
Galen Low:
Ich freue mich auf viele weitere Diskussionen!
Welche Strategien setzt du im Team ein, um psychologische Sicherheit zu gewährleisten? Was klappt bei dir gut – was nicht? Teile gerne deine Erfahrungen und Erlebnisse in den Kommentaren!
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