Der Einstieg ins Projektmanagement kann überwältigend wirken, doch die größte Herausforderung ist nicht mangelnde Erfahrung, sondern die Fähigkeit, die eigenen Fähigkeiten richtig zu übersetzen.
In dieser Folge spricht die Moderatorin Kelsey Alpaio mit Ogaga Johnson, Gründer und CEO von Verisult, darüber, wie Fachkräfte sich für ihre erste PM-Rolle positionieren können. Ogaga betont die Bedeutung einer strategischen Jobsuche und empfiehlt, sich auf Branchen zu konzentrieren, in denen der eigene Hintergrund einen natürlichen Einstieg bietet. Egal, ob Sie sich beruflich umorientieren oder Ihre PM-Kompetenzen formal ausbauen – diese Folge liefert praxisnahe Schritte für den erfolgreichen Start.
Highlights des Interviews
- Lernen Sie Ogaga Johnson kennen [00:59]
- Ogaga leitet Verisult und fokussiert sich auf die Förderung und Stärkung von Menschen.
- Verisult unterstützt Berufstätige, insbesondere Einwanderer, beim Einstieg und Erfolg in gefragten Berufsfeldern.
- Ziel ist es, dem Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken, indem Menschen für zukunftsträchtige Rollen qualifiziert werden.
- Einige dieser Rollen entwickeln sich gerade, andere sind bereits verfügbar.
- Herausforderungen beim Einstieg in die erste PM-Rolle [01:50]
- Die größte Schwierigkeit beim Einstieg ins Projektmanagement besteht darin, Vorstellungsgespräche zu bekommen.
- Viele haben Probleme, ihren Wert gegenüber Personalverantwortlichen überzeugend zu kommunizieren.
- Die Übertragung bestehender Fähigkeiten und Erfahrungen in die „Sprache“ des Projektmanagements ist eine große Hürde.
- Das ist besonders schwierig für Quereinsteiger ohne offizielle Projektmanagementtitel.
- Wichtige Kompetenzen im Lebenslauf hervorheben [02:56]
- Ermitteln Sie Ihr Alleinstellungsmerkmal basierend auf Ihren bisherigen Erfahrungen und Ihrem Hintergrund.
- Gehen Sie die Jobsuche wie ein eigenes Business an – vermarkten Sie Ihre Fertigkeiten strategisch, anstatt sich beliebig zu bewerben.
- Denken Sie darüber nach, zuerst innerhalb der Branche ins Projektmanagement zu wechseln, in der Sie bereits Erfahrung haben.
- Passen Sie jeden Lebenslauf individuell an, indem Sie ihn gezielt auf die Bedürfnisse des jeweiligen Unternehmens zuschneiden.
- Lernen Sie, Stellenbeschreibungen zu analysieren und den eigenen Mehrwert herauszustellen.
- Vermeiden Sie Bewerbungen auf Stellen, die nicht zu Ihrem derzeitigen Profil passen, um Ablehnungsfrust zu minimieren.
- Gezielte Wahl der richtigen Branchen [06:45]
- Immer mehr gemeinnützige Organisationen suchen nach Projektmanagement-Kompetenzen, auch wenn die Stelle nicht ausdrücklich „Projektmanager“ heißt.
- Diese Positionen bieten oft ein geringeres Gehalt, aber wertvolle Erfahrungen – ein Jahr dort kann dem Erfahrungsschatz von zwei Jahren in anderen Branchen entsprechen.
- Auch Tech-Start-ups sind ein hervorragender Einstiegspunkt, da sie Projektmanager zum Skalieren und Wachsen benötigen.
- Wer den Mehrwert für Gründer oder Führungskräfte in Start-ups sichtbar macht, erhöht die Chance auf eine Anstellung.
- Wichtige Kompetenzen im Projektmanagement [08:25]
- Effektive Kommunikation ist essenziell, da PMs über 90 % ihrer Zeit mit Kommunikation verbringen.
- Ausgeprägtes Stakeholder-Management und soziale Kompetenzen sind entscheidend, um Teams zu beeinflussen und zu verhandeln.
- Grundlegendes Verständnis der Projektabwicklung – von Planung über Umsetzung und Fortschrittscontrolling – ist unerlässlich.
- Kenntnisse zu verschiedenen Methoden (Wasserfall, Agile, Hybrid) sind hilfreich, aber entscheidend ist die Fähigkeit, Ideen in die Tat umzusetzen.
- KI kann administrative Aufgaben übernehmen, doch menschliche Stärken wie Beziehungspflege und Anpassungsfähigkeit bleiben unersetzlich.
Eine Sache, die KI nicht effektiv leisten kann, ist das Verständnis dafür, wie man mit Menschen kommuniziert. Menschen verändern sich täglich – unsere Stimmungen wechseln, unsere Emotionen schwanken. PMs verbringen über 90 % ihrer Zeit mit Kommunikation, deshalb ist es entscheidend zu wissen, wie man effektiv kommuniziert.
Ogaga Johnson
- Selbstbewusstsein für Ihre PM-Kompetenzen entwickeln [10:57]
- Die meisten Fachkräfte haben Erfahrungen im Projektmanagement, auch ohne offizielle Berufsbezeichnung.
- Die Identifizierung früherer projektbezogener Tätigkeiten hilft dabei, das Selbstbewusstsein für den Übergang aufzubauen.
- Das Impostor-Syndrom ist ein großes Hindernis; ein Umdenken in der eigenen Einstellung ist entscheidend.
- Personalverantwortliche spüren fehlendes Selbstvertrauen – an das eigene Können zu glauben, ist daher essenziell.
- Eine „Brag Sheet“ mit bisherigen Erfolgen zu führen, stärkt das Selbstvertrauen.
- Fakten und Erfolgsgeschichten aus der Vergangenheit helfen gegen Selbstzweifel und verbessern Ihre Interview-Leistung.
- Häufige Fehler und wie man sie vermeidet [14:50]
- Vermeiden Sie die Nutzung von „Schnellbewerbung“; passen Sie jede Bewerbung gezielt an die Anforderungen der Stelle an.
- Allgemeine Lebensläufe verringern die Chancen, aufzufallen; die Anpassung auf zentrale Kompetenzen wie Prozessoptimierung erhöht die Einladungen zu Vorstellungsgesprächen.
- Wer sich ohne Strategie auf Hunderte Stellen bewirbt, kassiert unnötige Absagen und setzt sich psychischem Stress aus.
- Fokus auf Qualität statt Quantität – identifizieren Sie Positionen, die zu Ihren aktuellen Fähigkeiten und Karrierezielen passen.
- Jobsuche braucht Strategie; behandeln Sie Ihre Karriere wie ein Unternehmen, in dem Sie Ihre Kompetenzen verkaufen.
- Ein unternehmerisches Mindset fördert den langfristigen Karriereerfolg.
Ihre Karriere ist Ihr Unternehmen. Es ist ein Unternehmen, weil Sie Ihre Fähigkeiten verkaufen – dafür werden Sie bezahlt. Behandeln Sie sie also wie ein Unternehmen, dann werden Sie merken, wie sich Ihre Denkweise verändert und Sie die Dinge anders angehen.
Ogaga Johnson
- Umgang mit Ablehnung [18:04]
- Absagen sind unvermeidlich; akzeptieren Sie sie als Teil des Prozesses.
- Es ist kein negatives Denken – viele Menschen bewerben sich auf die gleichen Stellen.
- Konzentrieren Sie sich auf das, was Sie kontrollieren können: Ihren Lebenslauf anpassen, Ihren Wert präsentieren und sich gezielt bewerben.
- Sie können Einstellungsentscheidungen nicht beeinflussen, also grübeln Sie nicht darüber.
- Wenn Sie Ihr Bestes gegeben haben und trotzdem eine Absage erhalten, machen Sie weiter und bewerben Sie sich erneut.
- Die ersten Schritte für Ihre PM-Karriere [19:20]
- Machen Sie eine Karriere- oder Kompetenzlücken-Analyse, um Ihre bestehenden Erfahrungen im Projektmanagement zu bewerten.
- Identifizieren Sie relevante Erfahrungen aus Beruf, Ehrenamt oder privaten Projekten.
- Auch ehrenamtliche Tätigkeiten außerhalb des Berufsfelds können Kernkompetenzen wie Einflussnahme und Verhandlung stärken.
- Falls keine Erfahrung vorhanden ist, suchen Sie gezielt Möglichkeiten, diese zu sammeln.
- Bestimmen Sie übertragbare Fähigkeiten, die zum Projektmanagement passen.
- Eine klare Zielsetzung hilft dabei, fokussiert zu bleiben und Ziele effizient zu erreichen.
Lernen Sie unseren Gast kennen
Ogaga Johnson ist eine erfahrene Führungspersönlichkeit in Business und Karriere, Expertin für Projektmanagement und Workforce Development und Gründerin von Verisult – einem Career-Tech- und Talent-Matching-Unternehmen, das Menschen mit passenden Jobs verbindet, Unternehmen bei der Talentsuche unterstützt und Tools zur Vereinfachung von Recruiting und Karriereentwicklung entwickelt. Als Director of Workforce Development bei econext leitet sie Initiativen, um die Arbeitskräfte von Neufundland und Labrador auf die grüne Wirtschaft vorzubereiten.
Als gefragte Sprecherin und Workshop-Moderatorin bietet Ogaga energiegeladene, interaktive Sitzungen zu Workforce Development, Projektmanagement, Leadership, Personal Branding, Produktivität und Teamentwicklung. Ihr mitreißender Stil sorgt dafür, dass das Publikum mit praktischen Erkenntnissen hinausgeht. Außerdem betreibt sie einen beliebten YouTube-Kanal mit über 20.000 Abonnenten und 500.000 Aufrufen, wo sie Einblicke in das Projektmanagement teilt.
Ogaga ist stellvertretende Vorsitzende des WRDC-Vorstands, engagiert sich ehrenamtlich in der Kirche und ist stolze Ehefrau und Mutter, die es liebt, mit ihrer Familie zu reisen.

Absagen wird es geben, denn seien wir ehrlich: Es suchen viele Menschen einen Job – Sie sind nicht allein. Rechnen Sie also mit Absagen. Erinnern Sie sich einfach daran, dass Sie Ihr Bestes gegeben haben.
Ogaga Johnson
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Kelsey Alpaio: Hallo zusammen und willkommen zum Digital Project Manager Podcast. Ich bin Kelsey Alpaio und heute kümmern wir uns um ein großes Thema – wie landet man seine erste Rolle als Projektmanager*in? Vielleicht hast du schon eine Weile inoffiziell Projekte gemanagt und bist jetzt bereit, es offiziell zu machen. Oder du wechselst aus einem anderen Berufsfeld und fragst dich, wie du Personalverantwortliche davon überzeugst, dass du das Zeug dazu hast?
Wir gehen alles durch: welche Fähigkeiten du wirklich brauchst, wie du dich im Lebenslauf und im Vorstellungsgespräch positionierst und welche Herausforderungen dir auf dem Weg begegnen können. Zum Glück haben wir heute einen großartigen Gast, der uns durch all das führt: Ogaga Johnson, Gründerin und Geschäftsführerin von Verisult, einer Trainings- und Beratungsfirma, die Menschen dabei unterstützt, in gefragte Karrieren wie das Projektmanagement einzusteigen.
Ogaga, willkommen in der Sendung!
Ogaga Johnson: Vielen Dank, Kelsey. Ich freue mich, hier zu sein.
Kelsey Alpaio: Erzähle uns doch zuerst ein wenig über dich und was du machst.
Ogaga Johnson: Ja, wie du schon gesagt hast – danke für die Einführung. Ich bin Ogaga Johnson und im Kern von allem, was ich und mein Team bei Verisult tun, geht es um den Aufbau und die Stärkung von Menschen. Eines unser wichtigsten Ziele ist es, berufstätigen Menschen, insbesondere Einwanderern, dabei zu helfen, ihre Karriere zu starten und erfolgreich zu sein. Und zwar nicht irgendeine Karriere, sondern solche in gefragten Bereichen, da diese Berufe momentan einen enormen Bedarf aufweisen.
Also helfen wir dabei, den Arbeitskräftemangel anzugehen, und sorgen dafür, dass wir Menschen ausbilden und befähigen, diese gefragten Rollen zu übernehmen – manche davon stehen schon jetzt zur Verfügung.
Kelsey Alpaio: Super. Lass uns direkt einsteigen. Was ist deiner Meinung nach das Schwierigste daran, die erste Projektmanagement-Rolle oder einen entsprechenden Titel zu bekommen?
Ogaga Johnson: Aus der Arbeit mit tausenden Menschen, die in eine Projektmanagement-Rolle wechseln wollen, etwa in Großbritannien, Kanada und den USA, ist eines der häufigsten Probleme schon das überhaupt zum Vorstellungsgespräch zu kommen. Wenn man sich nicht bei einem*r Personalverantwortlichen vorstellen kann, also seine Fähigkeiten nicht überzeugend kommuniziert, hat man nicht einmal die Chance bis zur Angebotsphase zu kommen.
Dieser Prozess, die eigenen Fähigkeiten und bisherige Erfahrungen so zu kommunizieren, dass sie für Projektmanagement-Rollen relevant erscheinen, ist die größte Hürde, die ich immer wieder sehe – besonders bei Menschen, die noch keinen offiziellen Projektmanagement-Titel hatten.
Ich möchte wechseln – aber genau das ist die Herausforderung. Wie kann ich die bisherigen Tätigkeiten oder Erfahrungen auf die Rolle übertragen, von der ich weiß, dass ich sie kann, aber eben noch keinen offiziellen Titel habe?
Kelsey Alpaio: Welche Fähigkeiten braucht man denn und sollte man im Lebenslauf besonders hervorheben, wenn man sich für die erste Projektmanager*innen-Rolle bewirbt?
Ogaga Johnson: Ich würde sagen, das Erste ist, die eigene Individualität zu verstehen. Wir sind alle einzigartig, haben unterschiedliche Erfahrungen und Hintergründe. Selbst wenn wir das gleiche Studium gemacht haben – niemand nimmt aus dem Unterricht exakt das Gleiche mit. Wir müssen also zunächst wissen, welchen Mehrwert wir ins Projektmanagement bringen können.
Wir haben ein Sprichwort bei uns: "Nicht einfach überall bewerben!" Sei strategisch – was ist mein einzigartiger Wertbeitrag? Im Geschäftsleben, im Marketing gibt es das Konzept des Unique Selling Propositions – das Gleiche gilt für die Karriere. Dort verkaufst du deine Fähigkeiten und Dienstleistungen. Überlege also, was dich von Millionen Bewerber*innen für die gleiche Projektmanagement-Rolle abhebt. Das ist der erste Schritt.
Zum Beispiel: Jemand hat in der Veranstaltungsplanung gearbeitet – das ist im Grunde Projektmanagement. Vielleicht kannst du in eine Projektmanager- oder Projektkoordinator-Rolle im Eventbereich wechseln, sei es bei einer gemeinnützigen Organisation (die viele Events machen) oder in einer Marketingabteilung eines großen Unternehmens.
Schau, wo du branchenspezifische Erfahrung hast und in welchen Bereich dir der Einstieg ins Projektmanagement deshalb leichter fällt – das ist vielleicht nicht direkt die Traumrolle, aber ein guter Start. Immer daran denken: wie du anfängst, ist nicht, wie du endest. Von da aus kannst du dich zum/zur Projektmanagement-Expert*in weiterentwickeln.
Der zweite Punkt: Jede Stelle ist anders. Du kannst nicht mit dem gleichen Lebenslauf jede Stelle bewerben. Das will kein/e Jobsuchende*r hören, aber es ist die Wahrheit. Ich stelle selbst viele Projektmanager*innen ein und schaue: Wessen Lebenslauf belegt, dass sie genau das können, was ich brauche? Diese Leute lade ich zum Gespräch ein. Auch mit besten Noten – wenn der Lebenslauf das nicht belegt, bringt es nichts.
Deshalb musst du deinen Lebenslauf für jede Stelle anpassen. Jobbeschreibungen richtig lesen, analysieren, was das Unternehmen wirklich braucht und dein Profil so darauf ausrichten, dass du genau diese Anforderungen erfüllst.
Zwei Tipps also: Lebenslauf immer auf die jeweilige Stelle zuschneiden und den eigenen Unternehmenswert kennen. Bewerbe dich nur auf Stellen, die wirklich zu dir passen – sonst verschwendest du Zeit und verlierst durch viele Absagen Motivation.
Kelsey Alpaio: Du hast erwähnt, dass es Branchen gibt, in denen der Einstieg ins Projektmanagement leichter ist. Welche Branchen empfiehlst du, wenn man seine erste Rolle sucht?
Ogaga Johnson: Gute Frage! Manche sind keine Branchen-Expert*innen, daher gibt‘s kein klares Spielfeld. Aktuell sehen wir – je nach Land – einen Anstieg im gemeinnützigen Sektor, z. B. in Kanada. Diese Organisationen brauchen Leute mit Projektmanagement-Kompetenzen für unterschiedlichste Projekte. Selbst wenn der Titel nicht offiziell „Projektmanager*in“ lautet, suchen sie nach diesen Fähigkeiten.
Natürlich zahlen gemeinnützige Organisationen häufig weniger als profitorientierte Unternehmen. Aber die Erfahrung, die dort gesammelt wird, kann ein Jahr bei einer NGO locker mit zwei Jahren anderswo aufwiegen.
Auch Tech-Start-ups und aufstrebende Technologieunternehmen bieten Chancen, gerade weil Innovation und Technologie sich so schnell weiterentwickeln und Skalierung gefragt ist. Kannst du einer Gründerin oder einem Führungsteam deinen Wert aufzeigen, bekommst du wahrscheinlich eher eine Chance dich zu beweisen.
Das sind zwei Bereiche, die ich empfehlen würde.
Kelsey Alpaio: Klingt logisch.
Du hast angesprochen, dass du deinen Wert sichtbar machen musst. Aber gibt es auch Kompetenzen, Werkzeuge, Methoden, die grundsätzlich jede*r Bewerber*in fürs Projektmanagement aufweisen sollte; Fähigkeiten, die man unbedingt aufbauen sollte?
Ogaga Johnson: Auf jeden Fall gibt es Kernkompetenzen! Für das Projektmanagement gibt es zum Beispiel das Global Project Management Institute und andere Organisationen, die Standards und Prinzipien festlegen.
Die Basis ist: Zwar übernimmt KI mittlerweile viele technische und alltägliche Aufgaben, aber eines kann KI nicht: Aufgaben und Erwartungen effektiv mit Menschen kommunizieren. Menschen ändern sich täglich – ihre Stimmung, ihre Emotionen. Kommunikation ist das A und O, Projektmanager*innen kommunizieren mehr als 90 % der Zeit.
Kommunikation ist eng mit Stakeholder-Management verbunden. Projektmanagement bedeutet, mit und für Menschen zu arbeiten und sie zu beeinflussen. Baue daher deine Fähigkeit aus, mit Menschen umzugehen: Interpersonelle Kompetenzen, Verhandlungsstärke, Überzeugungskraft – auch wenn du es vielleicht nicht als „Verhandlung“ bezeichnest, verhandelst du ständig mit deinem Team.
Schaffe Beziehungen, Stakeholder-Einbindung, Kommunikationsfähigkeit sind Kernkompetenzen.
Was die Methoden betrifft: Die Grundlagen, wie man ein Projekt plant, durchführt, steuert und wieder auf Kurs bringt, gehören zum Handwerkszeug – egal, ob du Wasserfall, Agil oder Hybrid arbeitest.
Das Fundament ist: Eine Idee sehen und Realität werden lassen – das ist Projektmanagement in Kurzform. Und dazu brauchst du die genannten „People Skills“.
Kelsey Alpaio: Oft sprechen wir über die „zufälligen“ Projektmanager*innen – diejenigen, die zwar Projekte managen, aber keinen offiziellen Titel haben. Wie wichtig ist hierbei das Selbstvertrauen; also sich selbst als Projektmanager*in zu sehen und die eigene Erfahrung anzuerkennen?
Ogaga Johnson: Ich glaube, jede*r hat gewisse Projektmanagement-Skills, wenn sie/er zwei bis drei Jahre gearbeitet hat. Denn jede Organisation startet Projekte – egal, ob durch Veränderungen, Innovation oder Verbesserungen.
Gerade wer in der Covid-Zeit gearbeitet hat, war sicher Teil irgendeines Projektes z. B. um Homeoffice zu ermöglichen. Das war ein Projekt – nach der Umsetzung kamen ggf. nur noch Verbesserungen.
Daher rate ich allen, die Erfahrungen im Projektmanagement ausfindig zu machen: Gab es Tätigkeiten, die Veränderungen oder Ergebnisse gebracht haben und zeitlich begrenzt waren? Das ist Projektarbeit!
Oft merken Menschen dann: „Oh, tatsächlich – da war ich ja beteiligt!“. Sobald du deine Erfahrung erkannt hast, ist der Wechsel weniger einschüchternd und dann kommt das nötige Selbstvertrauen.
Viele zweifeln an sich durch das sogenannte Impostor-Syndrom – „Kann ich mich Projektmanager*in nennen?“ – aber wenn ich es gemacht habe, dann kann ich es! Die größte Herausforderung ist immer die eigene Einstellung. Deshalb arbeite ich mit meinen Teilnehmenden am Mindset: Wer sich seiner Kompetenzen bewusst ist, kann Personalverantwortliche überzeugen. Man muss an sich glauben!
Im Zweifel hilft ein „Brag Sheet“ – also aufschreiben, was man konkret erreicht hat. Fakten helfen gegen das Impostor-Syndrom, denn an Fakten kann man nicht zweifeln – wenn du ein Projekt erfolgreich geleitet hast, ist das ein Fakt!
Halte Geschichten bereit, um im Gespräch immer belegbare Beispiele zu nennen – das steigert das Selbstbewusstsein und das ist extrem wichtig für den Wechsel ins Projektmanagement.
Kelsey Alpaio: Ich mag das: Fakten schlagen immer das Impostor-Syndrom. Es hilft wirklich, Erfolge festzuhalten und sich daran zu orientieren. Was sind die größten Fehler, die Leute beim Versuch ihre erste P/M-Rolle zu bekommen, machen?
Ogaga Johnson: Zwei Dinge fallen mir sofort ein: Erstens „Schnellbewerbungen“. Ich würde diese Funktion am liebsten aus allen Job-Plattformen entfernen. Sie bringt nämlich selten etwas, selbst wenn der Lebenslauf auf einen Bereich (z. B. Gesundheitswesen) zugeschnitten ist: Eine andere Person analysiert die Anzeige genau und erkennt z. B., dass Prozessoptimierung besonders wichtig ist – und passt ihren Lebenslauf daran an. Das bringt mehr als ein generischer Standard-Lebenslauf, denn 90 % der anderen machen es so. Wichtig: nicht schnell draufhalten, sondern gezielt.
Nutze zur Individualisierung gern KI-Tools, aber prüfe und bearbeite die Vorschläge immer selbst.
Der zweite Fehler ist wie oben bereits gesagt fehlendes Verständnis des eigenen Wertes – viele bewerben sich einfach auf alles! Wenn ich online lese „auf 1000+ Jobs beworben, fünf Interviews, ein Angebot“ – das ist schädlich, denn so viele Absagen sind schlecht fürs Selbstwertgefühl und die mentale Gesundheit. Fokus ist essenziell: Bewirb dich auf das, was zu dir passt und setze eine Job-Such-Strategie auf. Deine Karriere ist wie ein eigenes Unternehmen – du verkaufst Know-how, dafür wirst du bezahlt!
Wer seine Karriere wie ein Unternehmen behandelt, ändert die Denke und tut sich leichter, voranzukommen.
Kelsey Alpaio: Du hast bereits angesprochen, dass Ablehnungen dazugehören. Wie sollte man mit Ablehnungen umgehen und sich davon erholen?
Ogaga Johnson: Akzeptiere, dass Ablehnungen dazugehören. Das ist kein Pessimismus, das ist realistisch, denn es gibt viele Mitbewerber*innen. Konzentriere dich auf das, was du kontrollieren kannst – also Bewerbung, Lebenslauf, Wertbeitrag – darauf liegt die Macht. Ob dich jemand zum Gespräch einlädt, liegt nicht mehr in deiner Hand. Akzeptiere die Ablehnung und mache weiter – gib dein Bestes, mehr geht nicht.
Kelsey Alpaio: Gefällt mir.
Eine letzte Frage zum Abschluss: Was kann jemand, der heute in Richtung erste Projektmanager*innen-Rolle starten will, direkt tun – diese oder nächste Woche, um voranzukommen?
Ogaga Johnson: Ich empfehle eine „Karriere-Landkarte“ oder Skill-Gap-Analyse. Kläre, ob du bereits Projektmanagement-Erfahrung hast – auch durch ehrenamtliche Arbeit, denn auch dort kann man extrem viel lernen. Mein eigener Einstieg war z. B. als Jugendkoordinatorin in meiner Kirchengemeinde. Dort mit Freiwilligen Projekte zu organisieren ist oft sogar schwieriger, weil man nicht einfach Anweisungen geben kann. Diese Erfahrungen haben mir viele Kompetenzen vermittelt.
Prüfe also: Welche Erfahrungen aus deinem Leben passen zum Projektmanagement? Falls gar nichts da ist: Suche gezielt nach Möglichkeiten oder Projekten, um Erfahrung zu sammeln. Analysiere außerdem, welche Kompetenzen du aus deinem aktuellen Beruf übertragen kannst.
Karriereplanung und Skill-Analyse – das gibt dir die Richtung. Ohne Richtung kommt man nicht an.
Kelsey Alpaio: Ogaga, vielen Dank für das Gespräch. Das war unglaublich hilfreich.
Ogaga Johnson: Vielen, vielen Dank. Es war mir wirklich eine Freude. Danke für die Fragen und dass ich dabei sein durfte.
Kelsey Alpaio: Das war's für das heutige Retro. Abonniere den Podcast, damit du keine Folge verpasst. Wenn du mit über 1000 anderen Professionals den Austausch suchst, komm zu uns auf thedpm.com/membership. Danke fürs Zuhören!
