Künstliche Intelligenz entwickelt sich rasant – aber die zugrundeliegenden Herausforderungen sind nicht neu. In dieser Folge spricht Galen mit Eugina Jordan darüber, was der heutige KI-Boom aus vergangenen Transformationen wie 5G lernen kann. Vom Tool-Überangebot bis zu unsicheren Geschäftsmodellen untersuchen sie, warum die Gewinner dieser Welle nicht nur die größten Player sein werden, sondern jene, die KI in echten, nutzbaren Mehrwert für den Alltag der Menschen verwandeln können.
Sie gehen außerdem der Frage nach, was KI eigentlich für kleine und mittlere Unternehmen ermöglicht, warum „normale Menschen“ vielleicht die größten Nutznießer sein könnten und wie die nächste Innovationswelle womöglich schon existiert – nur darauf wartet, dass die Technologie aufholt.
Was Sie lernen werden
- Warum die KI-Transformation früheren Technologiewellen stärker ähnelt, als wir denken
- Wie man sich durch das Tool-Überangebot navigiert, ohne den Anschluss zu verlieren
- Die wahre Hürde bei der KI-Einführung: tragfähige Geschäftsmodelle
- Warum kleine und mittlere Unternehmen sich im KI-Zeitalter einen Wettbewerbsvorteil sichern könnten
- Wie ermöglichende Technologien ganz neue Märkte schaffen (nicht nur Effizienzsteigerungen)
- Welche Arten von Unternehmen in der nächsten Welle wahrscheinlich gewinnen – oder scheitern – werden
Wichtige Erkenntnisse
- Tools nach Arbeitsabläufen und nicht nach Hype filtern
Wenn ein Tool keinen klaren Mehrwert für einen Arbeitsablauf oder ein Ergebnis bietet, ist es nur Lärm. Behandeln Sie KI wie jede andere Investition – sie muss echte Arbeit unterstützen, nicht bloße Neugier befriedigen. - Optimieren für heute, nicht für eine hypothetische Zukunft
Wählen Sie Tools, die den aktuellen Bedarf abdecken und sich kurzfristig anpassen lassen. Zu langfristige Planung führt in einem sich schnell verändernden Umfeld zu Überinvestitionen. - Wechselbereitschaft bei Werkzeugen einüben
Die Einstellung zum „Lebenszeit-Tool“ ist überholt. Flexibilität ist heute eine zentrale Fähigkeit – so wie Stellenwechsel den Verbleib bei einem Arbeitgeber auf Lebenszeit abgelöst haben. - KI-Erfolg braucht echte Umsätze, nicht nur Innovation
Wie bei 5G garantiert riesige Investition noch keine Rendite. Wenn KI-Produkte keinen Kundennutzen schaffen, für den Menschen zu zahlen bereit sind, werden sie sich nicht halten. - Integration ist der wahre Schlüssel für KMU
Das Problem ist nicht der Mangel an Tools – sondern isolierte Lösungen. Erst durch die Vernetzung von Daten und Arbeitsprozessen entsteht wirklicher Mehrwert. - KI sollte Nicht-Technikern Macht verleihen
Der größte Einfluss entsteht, wenn alltägliche Anwender – nicht nur Ingenieure – ohne Komplexität auf Erkenntnisse zugreifen und diese nutzen können. - Die größten Chancen gibt es noch gar nicht
So wie Uber erst mit 4G möglich wurde, warten viele KI-native Geschäftsmodelle noch darauf, dass die Technik reif ist. Die Ideen könnten längst existieren. - Freie Zeit ist nur etwas wert, wenn sie gezielt genutzt wird
Wenn KI operative Lasten abnimmt, profitieren jene, die diese Zeit in Entwicklung, Experimente oder Innovation investieren. - Große Unternehmen sind nicht automatisch die Gewinner
Schulden, schwache Geschäftsmodelle oder falsche Wetten können selbst Marktführer stürzen. „Too big to fail“ ist ein Mythos. - Vision zählt mehr als Tools
Klare Ziele – was Sie schaffen oder lösen wollen – überdauern jede konkrete Technologie.
Kapitel
- 00:00 – KI & Transformationskontext
- 03:07 – Tool-Überangebot
- 06:30 – Auswahl von Tools heute
- 09:43 – KI vs. 5G
- 12:28 – ROI-Herausforderungen
- 17:04 – Ethik & Ökonomie
- 19:29 – Erklärte, vereinheitlichte KI
- 23:58 – KI für Nicht-Techniker
- 27:35 – Wer profitiert von KI
- 30:14 – Alte Ideen neu gedacht
- 32:34 – KI + Robotik der Zukunft
- 36:38 – Zeit & Produktivität
- 38:25 – Vision & Mehrwert
- 38:51 – Was gut laufen könnte
Unser Gast im Gespräch

Eugina Jordan ist CEO und Gründerin von YOUnifiedAI, einem KI-Startup, das sich darauf spezialisiert hat, kleinen und mittelständischen Unternehmen dabei zu helfen, voneinander getrennte Tools und Daten in ein einziges, intelligentes System zu integrieren. Als erfahrene Technologie-Managerin und ehemalige, preisgekrönte Chief Marketing Officer bringt sie mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung in den Bereichen Telekommunikation und Unternehmensinnovation mit und gilt als Pionierin in Bereichen wie Open RAN und KI-gesteuerter Geschäftstransformation. Als Erfinderin mit über 20 Patenten und weltweit gefragte Keynote-Speakerin ist Eugina bekannt dafür, komplexe Technologien in praktische, skalierbare Lösungen zu übersetzen, die echte Auswirkungen und Wachstum schaffen.
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Galen Low: Der aktuelle Drang nach KI-Transformation hat fast jede Branche aufgerüttelt, und es ist wirklich eine große Sache. Aber man vergisst leicht, dass wir schon zuvor tiefgreifende Transformationen durchlebt haben – und dass es wohl auch in Zukunft immer wieder so kommen wird. Für die heutige Episode habe ich jemanden eingeladen, der viele solcher Wandel in der Telekommunikationsbranche begleitet hat – inklusive eines kleinen Störenfrieds namens 5G-Netzwerk, das alles möglich gemacht hat: vom Echtzeit-Tracking Ihrer Uber Eats-Bestellung bis hin zu Ihrer VR-Gaming-Sucht.
Wir werden über alles sprechen – vom Vermeiden des Tool-Overloads, ohne den Anschluss zu verpassen, bis dahin, wie kleinere Unternehmen KI nutzen können, um mit den Großen zu konkurrieren, und warum es Zeit sein könnte, die geniale Idee aus der Schublade zu holen, die man hatte, bevor Vibe Coding ein Trend wurde. Ich hoffe, Ihnen gefällt diese Episode.
Willkommen beim Digital Project Manager Podcast – der Show, die Führungskräften im Projektmanagement hilft, intelligenter zu arbeiten, reibungsloser zu liefern und ihre Teams im KI-Zeitalter mit Selbstbewusstsein zu leiten. Ich bin Galen, und jede Woche tauchen wir ein in praxisnahe Strategien, Trends, erprobte Modelle und gelegentliche Geschichten direkt von der Projekt-Front. Egal, ob Sie riesige Transformationsprojekte steuern, KI-Workflows bändigen oder einfach nur versuchen, das Chaos im Griff zu behalten – Sie sind hier goldrichtig. Legen wir los.
Heute sprechen wir darüber, was KI wirklich freisetzt und warum die wahren Nutznießer der KI es vielleicht noch gar nicht wissen. Wir nehmen KI unter die Lupe, ziehen Parallelen zu Jahrzehnten der Umbrüche in der Telekommunikation und analysieren die Auswirkungen für kleine und mittlere Unternehmen. Außerdem wagen wir ein paar Prognosen, wie KI schon bald das Kräfteverhältnis zwischen kleinen Organisationen und Großkonzernen verändern könnte.
Mein Gast ist heute Eugina Jordan, CEO und Gründerin von YOUnifiedAI. Eugina ist preisgekrönte B2B-CMO, Autorin und Erfinderin, die während der Transformation von 3G über 4G zu 5G in der Welt der Telekommunikation Karriere gemacht hat. In ihren 23 Jahren Berufserfahrung hat sie den Ruf erworben, durch ihre Innovationskraft Unternehmen wachsen und skalieren zu können. Heute hält sie 12 Patente in den Bereichen 5G, OpenRAN und KI und entwickelt derzeit – noch in der Beta-Phase – eine KI-basierte Plattform für kleine und mittlere Unternehmen, die voneinander getrennte Tools und Daten verbindet, um Wachstum ohne den klassischen Verwaltungsaufwand zu ermöglichen.
Eugina, vielen Dank, dass du heute hier bei mir bist.
Eugina Jordan: Danke, dass ich dabei sein darf.
Galen Low: Es ist mir wirklich eine Freude. Ich genieße unser Gespräch bisher sehr, ich lerne dich gern kennen und freue mich, ins Thema einzutauchen. Wir könnten vermutlich in alle Richtungen abschweifen – so war es jedenfalls schon mal – und das darf auch gerne passieren. Aber ganz der Projektmanager in mir habe ich mal grob eine Roadmap für uns festgelegt.
Zum Einstieg möchte ich einfach mit einer ganz großen, unbequemen Frage starten, die sich meine Hörerinnen und Hörer wünschen, von dir beantwortet zu bekommen. Danach machen wir einen Schritt zurück und gehen drei Themen an. Erstens: Was hast du aus deinen Erfahrungen beim Technologiewandel rund um die 5G-Revolution mitgenommen, und wie prägt das deinen Blick auf die aktuelle KI-Transformation?
Danach tauchen wir ein in die Frage, wie die Verknüpfung von Tools und Daten mittels KI gerade kleinen und mittleren Unternehmen zum echten Gamechanger wird. Und schließlich interessiert mich deine Vision von vereinheitlichter KI und deine Hypothesen dazu, wie das Wettbewerbsumfeld bald aussehen könnte.
Und natürlich auch die Frage: Wer wird am Ende am meisten von KI profitieren? Wie klingt das für dich?
Eugina Jordan: Klingt gut. Lass uns loslegen.
Galen Low: Alles klar, dann mal los. Ich dachte, ich fange gleich mit dieser großen, haarigen Frage an – und steig direkt ein: In meiner Community ist ein neues Level der Tool-Überforderung erreicht.
Die Leute sind es gewohnt, viele Werkzeuge zu haben, um Erkenntnisse über ihre Projekte, Abläufe und Unternehmen zu gewinnen. Aber jetzt, mit KI-Tools und Features, Custom GPTs und jeder Menge „Homebrew Vibe coded“-Apps, schwirrt ihnen der Kopf. Sie sind mit ihrem Latein am Ende. Deshalb meine große Frage: Werden wir durch KI am Ende mehr oder weniger Tools haben?
Und riskieren wir nicht, dass wir eine enorm mächtige Technologie nur dazu nutzen, unsere sehr menschliche Obsession für immer mehr Tools noch zu befeuern?
Eugina Jordan: Das ist eine großartige Frage. Ich nehme dich mal mit zurück in die Mitte der 90er, als es so viele neue Websites gab – das war damals auch überfordernd, oder?
Und damals haben wir ebenfalls sortiert und am Ende jene Websites genutzt, die für uns funktionierten. Das Gleiche sehe ich heute im Tool-Bereich. Deshalb baue ich ein Unternehmen, das 20 traditionelle Tools von SaaS ablöst – plus weitere fünf bis zehn KI-Tools. Ich verstehe also die Überforderung vollkommen. Ich habe einen Newsletter, und es gibt ständig Neuigkeiten.
Es ist schon eine Herausforderung, da überhaupt den Überblick zu behalten. Deshalb: Um den Overload zu vermeiden, setze ich die Projektmanager-Brille auf. Man muss sich überlegen, wofür die Tools verwendet werden. Ein Tool nur zu nutzen, weil es gerade „in“ ist, bringt nichts. Jedes KI-Tool muss einen Arbeitsprozess automatisieren.
Sieht man KI-Tools durch diese Brille, bleibt man gelassener.
Galen Low: Die Perspektive gefällt mir – zurück zu den 90ern, da wurde mein jugendliches Trauma rund um GeoCities und Angel Fire wieder lebendig: jeder hat Webseiten gebaut, GIFs animiert, es war faszinierend ...
Nicht falsch verstehen, es war überwältigend. Aber die nützlichsten Dinge sind geblieben, wir haben Systeme und Arbeitsweisen darum entwickelt. Heute würde mein 90er-Ich das Internet als langweilig, aber nützlich empfinden. Das ist, glaube ich, wirklich beruhigend.
Ich weiß nicht, ob meine Hörer oder du das auch kennen – und dann stehen noch irgendwo Stapel HD-DVDs im Regal, nachdem Blu-ray dominiert hat – und heute habe ich nicht einmal mehr etwas zum Abspielen. Will sagen: Manchmal setzen wir auf eine Technologie und entwickeln quasi eine Loyalität für sie – investieren in das Tool für die Ewigkeit.
Dann ändert sich der Markt, und plötzlich ist das alles bedeutungslos. Gibt es einen Weg, das zu vermeiden? Wie unterstützt du Organisationen und Einzelne bei der Entscheidung, in welche Tools sie investieren?
Eugina Jordan: Sehr gute Frage, denn vor Microsoft – wenn wir von den 90ern sprechen, ist das heutige unser roter Faden – gab es viele Ansätze. Vor Facebook gab es MySpace. Es ist also nicht unbedingt das tollste Tool, das gewinnt, sondern das mit der besten Nutzererfahrung und dem größten Nutzen. Denk an die UX von MySpace und Facebook: ein riesiger Unterschied, wie viele Klicks nötig waren ...
Die Tools, die du heute auswählst, werden einige Zeit bleiben, also such das aus, was heute zu deinen Bedürfnissen passt.
Wachse mit dem Tool. Und wenn sich in Zukunft etwas ändert – gut, MySpace gibt es ja immer noch –, dann wechselst du eben. Such Tools nie für die Zukunft aus, die kennt niemand. Wähle für heute, entwickle für heute, plane für heute.
Stelle Prozesse und KPIs auf und denke in einem Zeitrahmen von zwei bis drei Jahren. Es ist vielleicht unkonventionell, aber wenn du immer nur für die Zukunft auswählst ... Richte deinen Fokus lieber auf deine Vision.
Manifestiere, wer du sein willst, nicht die Tools, mit denen du dahin kommst. Wähle die Tools für heute, die auch zur Zukunft passen könnten.
Galen Low: Das gefällt mir. Völlig richtig, niemand hat eine Kristallkugel. Es ist schon spannend: Manche Toolfirmen sagen, du sollst dich an uns binden – du willst nicht neu „plattformen“ – investiere auf lange Sicht. Aber vor allem in unseren Kreisen: Warum nicht einfach lernen, wie man flexibel Tools wechselt? Niemand weiß, was die Zukunft bringt. Klar, wir können uns darauf vorbereiten und den Wechsel erleichtern.
Aber es wäre ein Fehler, zu sagen: Na ja, wir nutzen das Tool halt schon so lange, also bleiben wir auch dabei, obwohl es unsere Ziele nicht mehr unterstützt oder es nicht mehr das nützlichste ist.
Eugina Jordan: Genau – früher blieb man ein Berufsleben lang bei einer Firma, dann gab‘s am Ende ne goldene Uhr, und Ruhestand. Diese Mentalität sollte man bei Tools ablegen.
Galen Low: Das ist ein guter Übergang. Ich möchte gern ein Stück zurücktreten und die Tatsache nutzen, dass du als CMO einer der sich am meisten wandelnden Branchen gearbeitet hast.
Wenn man auf die letzten Jahrzehnte blickt, hat sich dort – Telekommunikation – enorm viel verändert. Würdest du sagen, die aktuellen Herausforderungen rund um KI sind dieselben wie beim Aufbau des 5G-Netzes oder bei selbstoptimierenden Systemen? Oder ist das jetzt ein ganz neuer Mindset?
Eugina Jordan: Gleiche Herausforderungen, anderes Kostüm.
Galen Low: Okay.
Eugina Jordan: Du hast das gut zusammengefasst. Letztendlich läuft es immer auf zwei Säulen hinaus – und das ist uns als 5G-Nutzern gar nicht bewusst: Die Investitionen der letzten zehn Jahre in 5G – die Mobilfunkanbieter haben sie gar nicht richtig realisieren können.
Deshalb wird es vermutlich auch nicht so schnell ein 6G geben – weil sich 5G einfach nicht lohnt. Bei der Generativen KI gilt das Gleiche: Wenn wir aufbauen, müssen wir darauf achten, dass der Umsatz, der Nutzern daraus entsteht, gegeben ist. Es kam heute die Meldung, dass OpenAI bis 2030 430 Milliarden Dollar braucht, nur um weiterzumachen.
Galen Low: Oh wow. Okay.
Eugina Jordan: Natürlich bekommt OpenAI Geld von Nvidia, Microsoft, Amazon. Aber andere Firmen haben diesen Luxus nicht. Deshalb gilt in der Telekom-Branche: Niemand ist zu groß zum Scheitern, wenn er nicht den Kunden dient.
Wenn du kein Geld machst, indem du deinen Kunden hilfst, gehst du unter.
Galen Low: Diese Sichtweise gefällt mir. Wenn ich auf meine ehemalige 5G-Erfahrung blicke: Damals haben wir über Dinge wie Remote-Operationen gesprochen – mit chirurgischer Präzision, als Chirurg an einem Tag in fünf Ländern ... Echtzeitmedizin, autonome Fahrzeuge. Dass es vielleicht kein 6G gibt und die ROI-Frage macht mich nachdenklich: Hat 5G die versprochenen Mehrwerte gar nicht voll realisiert? Ist das der Grund, warum es schwer ist, das Geschäftsmodell zu halten? Oder ist das schlicht normal – und steht das auch KI bevor? Wird KI vielleicht überschätzt und nach der Ernüchterung, dass die großen Visionen Zeit brauchen und in der Realität blockiert werden, reduziert sich die Adoption, die Investitionen sinken und die Technik stagniert wieder? Irgendwo da steckt meine Frage.
Eugina Jordan: Alles gut. Während du gesprochen hast, habe ich auf mein Handy geschaut: Die Mobilfunkanbieter sind in der 5G-Ära (und auch schon 4G) durch das Verkaufen von Endgeräten plus Service gewachsen. Das hat sich gesättigt – wie viele Handys braucht man wirklich?
Das heißt: Umsatzsteigerung geht nur noch über Return on Investment in 5G – und der ist teuer, weil das Spektrum auch teuer ist (Staat streicht Milliarden ein). Aber Nutzer brauchen nicht mehr Verträge, ein Vertrag genügt. Also: Welche Use Cases gibt es? Remote-Chirurgie ist zu komplex.
Manche Anbieter bieten jetzt kabelloses Internet für Zuhause an, darin liegt Wachstum. Vielleicht braucht es erst Physical AI (Roboter), wie Elon Musk heute ankündigte – er stellt seine Fabriken um, um Roboter zu produzieren. Roboter brauchen Konnektivität. Vielleicht entsteht hier ein weiterer 5G-Markt. (Private 5G außen vor, das ist auch so eine Scheinlösung.) Ich spreche von der Vernetzung von physischer KI: Roboter, Kühlschränke, Haushaltsroboter und so weiter. Vielleicht entstehen hier neue Möglichkeiten. Aber: Man bringt erst Produkte auf den Markt, wenn die Kunden dafür zahlen. OpenAI zum Beispiel ...
Galen Low: Wer verdient denn Geld damit?
Eugina Jordan: Google – mit Gemini. Sie haben gute Umsatzströme und geben nur ca. 26% für KI aus und besitzen die Distributionsschicht. Nur wer große Rücklagen hat, kann Modelle entwickeln und Nutzern kostenlos zur Verfügung stellen.
OpenAI – ich zahle 20 Dollar, aber sie verlieren vermutlich Geld an mir.
Galen Low: Die denken sich: Bitte keinen weiteren Prompt, das ist zu teuer ...
Eugina Jordan: Genau. Superuser in South Carolina – bitte kappen! Deshalb muss OpenAI – und viele neue Unternehmen – von den Telekom-Anbietern eines lernen: Flatrate-Tarife – All-you-can-eat – sind nicht nachhaltig.
Galen Low: Spannende Sichtweise. Es ist tatsächlich dasselbe Muster, anderes Erscheinungsbild. Das Geschäftsmodell muss passen. Viel Geld wird mit diffusen Erwartungen investiert, weil KI alles verändern wird, aber am Ende zählt: Kann man es mit sinnvollen Anwendungsfällen verbinden? Vielleicht vermeidet man so auch die jetzige Hardwarefalle, bei der ein neues iPhone das Geschäftsmodell am Laufen hält. Gute Denkanregung – so oder so, egal ob Unternehmer oder nicht.
Eugina Jordan: Genau. Außerdem kommen noch Regulierung und Ethik hinzu ... Es geht nicht nur um Wirtschaftlichkeit: Welches Modell verwendet man? Beispiel xAI Grok-Modell: Jüngst kursierten Bilder von Millionen von Nutzern, die ohne deren Zustimmung ins Lächerliche verzerrt wurden. Als Unternehmer frage ich mich: Will ich mich mit so einem unethischen System verbinden? Es spielt alles eine Rolle. Es gibt so viele Schichten, die man bei der KI-Auswahl berücksichtigen muss. Es gibt eine Website namens „there is an AI for that“ ...
Galen Low: Okay. Ja.
Eugina Jordan: Man findet dort für alles eine KI. Aber man muss selbst recherchieren – beispielsweise auf Reddit – ob sie mit den eigenen Werten vereinbar ist. TikTok zum Beispiel hat jüngst die Nutzerbedingungen geändert, um Daten für das Training von Modellen zu verwenden. Deshalb muss man sich fragen: Passt das für mich? Arbeitet das Unternehmen ethisch? Reddit ist für so etwas ideal, weil dort viele ihre Erfahrungen teilen, auch kritisch ...
Galen Low: Reddit ist ja für die schonungslose Transparenz durch Anonymität bekannt. Mir gefällt dein Ansatz. Es geht nicht nur um Wirtschaftlichkeit.
Wir stimmen mit unserem Geldbeutel ab. Es sind neue ethische Dilemmata zu bewältigen, wie bei jeder technologischen Transformation – aber die Dimension ist heute größer. Ich würde gern noch mehr zu deinem Unternehmen YOUnifiedAI erfahren: Als wir sprachen, meintest du, ihr baut eine KI-native Plattform als Beta, die Einsichten aus bislang isolierten Tools und Datenquellen zusammenführt. Du wirst also demnächst bei „there is an AI for that“ als Plug-in-Lösung gelistet! Kannst du schildern, warum die Verbindung von Tools und Daten mit einer KI-nativen Business-Engine speziell für kleine/mittlere Unternehmen ein Gamechanger ist? Was unterscheidet eure Lösung von anderen, die sich als zentrale Quelle der Wahrheit bezeichnen, und was ermöglicht sie, was vorher unmöglich war?
Eugina Jordan: Sehr gute Frage. Ich komme gerade aus einem Gespräch mit meinem Gründungsingenieur: Wir besprechen Produkteinführung im April, Features, Sales Motion, Demos für Investoren ... Unsere Plattform ist für kleine und mittlere Unternehmer anwendbar, aber auch als KI-Integrationsplattform nutzbar. Nehmen wir meinen Mann – selbst Unternehmer und Beta-Tester, sehr kritisch, nicht technikaffin und entsprechend ungeduldig. Er weiß z.B. nicht, dass eine Idee zwei Monate Entwicklung kosten kann, und man kann eben nicht alles vibe-coden.
Er – wie viele Unternehmer – jongliert täglich mit 12 voneinander getrennten Tools: Morgens ins Finanz-Tool, dann Marketing-Tool, dann noch zwei KI-Tools. Daten sind nicht aktuell, Nachfragen sind nötig, Excel, Notion, Google Doc und so weiter. Totale Überforderung, keine Synchronisierung, weil Google z.B. sein System nicht für Microsoft öffnet. Sechs Tabs parallel offen, dazu zwei KI-Tools – und nichts spricht miteinander.
Mit unserer Plattform – konzipiert für Nicht-Techniker, keine Automatisierung wie bei Zapier oder Make, wo man als Poweruser Regeln selbst baut – sondern für gestresste Entscheider wie meinen Mann. Er verbindet seine getrennten Tools und kann einfach fragen: "Habe ich gestern Geld verdient? Warum nicht?" – Antwort: Weil du diese Rechnung nicht verschickt hast ... Der Lead in HubSpot wurde nie nachverfolgt ... Der Kunde hat Interesse gezeigt (z.B. per Mail), du hast es aber nicht eingetragen. Unsere Plattform berücksichtigt strukturierte Daten und Absichten. Statt sechs Tabs öffnet er unsere Plattform und spricht damit.
Galen Low: Das gefällt mir. Du sagtest es schon: Es gibt Low-Code- und No-Code-Tools, aber in Wahrheit erfordert das von den Nutzern technisches Verständnis – und nicht jeder hat das, manchmal ist genau das ihre Stärke. Es entsteht die Erwartung, dass alle zum Systemdenker werden, aber ganz ehrlich: Du kannst Lebensmittelladenbesitzer sein, Berater, Gärtner – du musst nicht abgehängt werden. Gerade kleine Betriebe fühlen sich oft unter Druck, aber meistens fehlt Zeit oder technisches Knowhow, um KI wirklich nutzen zu können. Ein Tool, das Antworten liefert, ist Gold wert. Firmen könnten zwar etwas bauen, aber die Datenkomplexität, das Verbinden von unwilligen Tools – alles eine Hürde. Hinzu kommt die Notwendigkeit, genaue Use Cases zu haben. Dass ihr diese Zielgruppe adressiert – beeindruckend.
Eugina Jordan: Genau, man muss kein Technik-Profi werden – schließlich hat man ein Geschäft zu führen! Technologie soll normale Menschen stärken, das gilt umso mehr für KI. Computer haben das vorgemacht: Vor 35 Jahren wurden sie zum Hebel für Selbstständige – jetzt ist KI an der Reihe. Die Entwicklung geht jedoch viel schneller. Ich will mit meiner Plattform diese Macht zurückgeben.
Galen Low: Ich schätze das sehr, gerade weil alles so schnell geht. Ich habe gestern diskutiert: „KI-Zeit“ ist einfach etwas ganz anderes, das Tempo ist enorm. Unternehmer, Freiberufler – wir sind ohnehin immer im Hustle-Modus. Deine Beispiele sind sehr nah an der Realität; fast jeder erkennt sich darin wieder (auch ich). Genau so ein Tool brauche ich, das mir gnadenlos auflistet, warum gestern kein Umsatz reinkam, zum Beispiel offene Rechnungen. Viele Firmen laufen sehr schlank, die Leute tragen viele Hüte. Trotzdem kann man selten anhalten, ohne abgehängt zu werden.
KI verstärkt dieses Tempo, das Problem gab es aber schon vorher. Jetzt suggeriert KI aber noch: "Nutze mich, um mit den Großen zu konkurrieren." Dafür müsste man aber erst einmal lernen, wie ... Was ich mag: YOUnifiedAI bildet da eine Brücke. Man muss sich nicht wochenlang ausklinken, um mehr Technikaffinität zu entwickeln – sondern kann parallel loslegen.
Eugina Jordan: Genau. Innovation war noch nie Selbstzweck, sondern gab gewöhnlichen Menschen Superkräfte. Genau das sollte KI auch tun, sonst ist alles umsonst. Wir haben hunderte Tools entwickelt, aber die Technologie überfordert ihre Nutzer. KI kann das ändern, indem sie die Macht zurückgibt. Erst wenn das passiert, kann KI die Welt verändern.
Galen Low: Das gefällt mir richtig gut. Übrigens eine nette Überleitung: Im Vorgespräch hast du den Kühlschrank erwähnt – und wie technische Neuerungen wie diese ganz neue Industrien hervorgebracht haben, von gekühlten Getränken bis zur Logistik. Lass uns da noch tiefer reingehen: Wir sprechen davon, allen Superkräfte zu geben. Viele denken, die großen Gewinner werden OpenAI und Big Tech sein, wir sind nur Nutzer ihrer Technik. Ist das vielleicht zu kurz gedacht? Wer sind die "geheimen" Profiteure der KI, die es heute noch gar nicht wissen?
Eugina Jordan: Viele dieser Unternehmen gibt es heute wahrscheinlich noch gar nicht. Ich nehme das Beispiel Kühlung: Die wahren Gewinner waren Firmen wie Coca-Cola und Pepsi, die ihre Produkte gekühlt an Tankstellen etc. verkaufen konnten. Ein anderes Beispiel: Uber. Die Idee wurde möglich mit 3G, aber erst als 4G verfügbar war, wurde Uber groß. Denn mit 3G dauerte es Minuten, ein Auto zu bestellen – zu langsam. Mit 4G boomte das Modell. Genauso ist KI heute – die Idee für den künftigen "Uber"-KI-Dienst ist vielleicht schon da, aber noch nicht umsetzbar, z.B. wegen Latenz oder Halluzinationen. In zwei, drei Jahren, wenn die Technik reif ist, kommt der Durchbruch.
Galen Low: Ein tolles Innovationsmodell. Aus meiner Filmvergangenheit kenne ich das: Drehbücher kreisen jahrelang, bis die Technologie zur Umsetzung ausreicht, z.B. bei James Cameron. Ganze Movie-Ideen waren da, nur die Technik fehlte. Jetzt ist die ideale Zeit, so verrückte Ideen hervorzuholen – mit KI könnten sie plötzlich möglich werden! Und wie du sagst: Alles bewegt sich im KI-Takt – was heute noch absurd ist, könnte 2030 funktionieren.
Eugina Jordan: Absolut. Man kann einen Prototypen bauen, einen MVP erstellen. Also: Holt eure Ideen raus – vielleicht findet ihr exakt zur passenden Zeit Technologie und Markt!
Galen Low: Mir gefällt das Bild vom Innovationszyklus. Für Firmen in der Hustle-Phase, mit wenig Spielraum: Meist bleibt für Innovationsprojekte oder die Umsetzung verschollener Ideen keine Zeit. Mit einem Tool wie YOUnifiedAI schafft ihr Kapazitäten – und Möglichkeiten, neue Services oder Geschäftsmodelle auszuprobieren, für die sonst nie Zeit wäre. Entscheidend: KI ist eine Basistechnologie, wie früher 5G. Sie gibt Menschen Superkräfte. Heißt das, dass der Wettbewerb in fünf bis zehn Jahren ein anderer wird? Gibt es Branchen, die besonders profitieren? Worauf kann sich jedes Unternehmen vorbereiten?
Eugina Jordan: Gute Frage. Erinnern Sie sich an Anfang 2025, als Salesforce Agenten einführte (Agent Force)? Im Laufe des Jahres zeigte sich: Der Markt war dafür noch nicht bereit. Fünf Jahre später wird es diese Agenten auch als Serviceroboter geben, die uns im Alltag unterstützen. Ich persönlich hätte gern einen Koch! Elon Musk baut seine Fabriken bereits dazu um – weil er sieht, wo der Markt hingeht. Vor zehn Jahren war er ebenfalls Vorreiter (Erster Nvidia-Chip an OpenAI geliefert, als noch niemand OpenAI kannte). Hier treffen generative KI und Robotik aufeinander. Google arbeitet da vermutlich auch im Verborgenen kräftig mit. Entscheidend ist: Innovation wird in Alltagsbereichen passieren – Wäsche, Kochen, Putzen. Firmen, die richtige Probleme lösen UND ein nachhaltiges Geschäftsmodell haben (Stichwort: wenig Schulden), werden überleben. Rückblick: 2007/2008 galten Lehman Brothers als „zu groß, um zu scheitern“ – wo sind sie heute? Überdehnt und weg. Also: Probleme lösen und geschäftliche Stabilität – das macht das Überleben aus.
Galen Low: Interessante Sicht. Das „zu groß zum Scheitern“ ist heute noch präsent – aber du zeigst Beispiele, wo das nicht stimmt. Vielleicht haben die heutigen Giganten überinvestiert, verzockt und der Markt wird sich ohnehin wieder ebnen. Letzte Frage: All die Dinge, die dich heute ausbremsen – was würdest du tun, wenn wir sie wegrationalisieren könnten? Was tun Menschen also mit der geschenkten Zeit – privat oder beruflich? Wir haben schon Lieferdienste, kassenlose Stores ... Und dann? Das bleibt für viele eine offene Frage. Eigene „verrückte“ Ideen könnten schneller Realität werden als gedacht, es ist oft nur eine Frage des Timings.
Eugina Jordan: Absolut. Wie oft wurde Walt Disney abgelehnt? Über 300 Banken!
Galen Low: „Mit diesem Mickey Mouse-Charakter können wir nichts anfangen ...“
Eugina Jordan: Und schau jetzt: ein ganzes Imperium – Filme, Erlebnisse, Magie. Siehst du ...
Galen Low: Ah, ja: Cinderella steht im Regal ...
Eugina Jordan: Genau. Wenn KI, Roboter etc. uns Zeit schenken – verbringen wir sie nicht mit belanglosen Beschäftigungen. Sondern mit unseren Lieben oder damit, Unmögliches umzusetzen – geben wir unseren Ideen eine Chance!
Galen Low: Sehr schönes Beispiel mit Disney!
Und um den Bogen zurückzuspannen: Du hast gesagt, es geht um eine klare Vision und sinnvolle Use Cases für „normale“ Menschen. Disney ist ein Paradebeispiel für Vision: Freude und Begeisterung schaffen. Sie haben sogar einen eigenen Begriff: „Imagineers“ – sie erschaffen (teils mit Robotern) ein Erlebnis für alle. Egal, was die Technik oder Märkte machen: Die Vision bleibt. Daran können viele sich orientieren, das trägt.
Eugina Jordan: Ja. Schaffe etwas, wofür Menschen gern Geld ausgeben.
Galen Low: Perfekt. Eugina, danke für das Gespräch! Möchtest du mir zum Abschluss eine Frage stellen?
Eugina Jordan: Ja, habe ich sogar: Gibt es eine Frage, die du dir wünschst, dass deine Hörer sich stellen – die sich aber die wenigsten stellen?
Galen Low: Tolle Frage. Ich wünschte, es gäbe mehr Gespräche über die optimistische Zukunft von KI. Wir müssen nicht naiv sein, aber mich interessiert: Was könnte gut laufen? Oft gibt es viel Angst und Sorgen, dabei wäre es hilfreich, wenn wir das Positive häufiger bedenken und uns eine Vision schaffen, auf die wir hinarbeiten – nicht nur darauf, die Negativaspekte abzuarbeiten.
Eugina Jordan: Das gefällt mir, denn als Startup-Gründerin mache ich mir oft Sorgen um das Überleben, ich bootstrappe, bin wachsam gegenüber Konkurrenz. Vielleicht sollte ich mir öfter fragen: Was, wenn alles gut läuft? Das könnte auch meinem Team helfen.
Galen Low: Genau, man nennt das ja „Big Hairy Audacious Goal“ – groß, haarig, ehrgeizig, aber richtungsgebend. Ein gewisser Paranoidismus ist nötig, aber wir sollten auch mehr über das Positive nachdenken, das möglich wäre!
Eugina, danke für deine Zeit. Wo findet man mehr über dich?
Eugina Jordan: Interessanterweise bin ich auf TikTok – dort erzähle ich über den Weg als Gründerin und KI, zu finden unter Eugina Startup Founder. Oder auf LinkedIn, ich habe einen KI-Newsletter. Für die zweite Betarunde gibts eine Warteliste auf younifiedai.com. Ich bin überall: YouTube, Facebook, Instagram – ich will da sein, wo meine Zielgruppe ist.
Galen Low: Sehr schön, ich verlinke alles in den Shownotes. Danke für das tolle Gespräch!
Eugina Jordan: Danke für die Einladung.
Galen Low: Das wars für heute beim Digital Project Manager Podcast. Wenn Sie das Gespräch spannend fanden, abonnieren Sie uns. Für noch mehr Praxiseinblicke, Cases und Playbooks einfach ein kostenloses Konto auf thedigitalprojectmanager.com erstellen.
Bis zum nächsten Mal – danke fürs Zuhören.
