In einer Marketinglandschaft, die von schlanken Teams, steigenden Erwartungen und einem ständig wachsenden Arsenal an KI-Tools geprägt ist, stellen sich viele Führungskräfte dieselbe Frage: Haben Agenturen heute überhaupt noch eine Rolle? In dieser Folge spricht Galen Low mit Tammy Valentine, Präsidentin der LuckyTamm Marketing Group, über die Entwicklung von Boutique-Agenturen im Zeitalter der KI – und warum menschliche Expertise, Vertrauen und Zusammenarbeit weiterhin entscheidend sind.
Gemeinsam beleuchten sie, wo KI echten Mehrwert bietet, wo sie an ihre Grenzen stößt und wie Marketingverantwortliche stärkere Agenturpartnerschaften aufbauen können, um mit weniger Mitteln mehr zu erreichen. Dabei teilen sie praxisnahe Erkenntnisse zu Experimentierfreude, Markenvertrauen, Onboarding-Prozessen und den Grundlagen, die Marketing-Erfolg auch bei technologischen Veränderungen weiterhin tragen.
Das lernen Sie in dieser Folge
- Warum Boutique-Agenturen trotz Fortschritten bei KI weiterhin wertvoll bleiben
- Wo KI Marketingarbeit beschleunigt – und wo menschliches Urteilsvermögen unerlässlich ist
- Wie schlanke Marketingteams ihre Fähigkeiten erweitern können, ohne zusätzliches Personal einzustellen
- Welche Rolle Vertrauen sowohl in Kundenbeziehungen als auch in Agenturpartnerschaften spielt
- Warum Marketing-Grundlagen in einer sich rasant verändernden digitalen Welt weiterhin unverzichtbar sind
- Worauf Sie bei einer Agenturpartnerschaft achten sollten, die auf langfristigen Erfolg ausgelegt ist
- Wie Experimentierfreude und Anpassungsfähigkeit Teams dabei unterstützen, trotz Branchendisruptionen relevant zu bleiben
Wichtige Erkenntnisse
- KI ist ein Sprungbrett, keine Strategie. KI kann Ideenfindung, Planung und sich wiederholende Aufgaben beschleunigen, benötigt aber weiterhin menschliche Erfahrung und unternehmerischen Kontext, um wirklich relevante Ergebnisse zu erzielen.
- Zeit und Erfahrung sind Wettbewerbsvorteile. Die wertvollsten Beiträge einer Agentur entstehen oft durch Mustererkennung, Urteilsvermögen und jahrelange Praxiserfahrung.
- Vertrauen wird zum Unterscheidungsmerkmal. Da KI-generierte Inhalte immer häufiger werden, benötigen Marken Inhalte, die authentisch, glaubwürdig und auf die Erwartungen der Kundschaft abgestimmt sind.
- Starke Partnerschaften sind kollaborativ. Die besten Agenturbeziehungen sind keine anonymen Dienstleister-Verhältnisse, sondern gemeinschaftliches Problemlösen, bei dem beide Seiten aktiv beitragen.
- Vergessen Sie die Grundlagen nicht. Statt neuen Tools oder Trends hinterherzujagen, sollten die digitalen Grundlagen, die Customer Journey und der Marketing-Mix reibungslos funktionieren.
- Das Gleichgewicht zählt. Tammy betont die Bedeutung eines ausgeglichenen Verhältnisses von Paid, Earned und Owned Media, statt in einen einzigen Kanal überzuinvestieren.
- Experimentierfreude schafft Chancen. Offenheit für neue Formate, Zielgruppen und kreative Ansätze kann unerwartete Wachstumsmöglichkeiten und neue Märkte erschließen.
- Das Ziel ist nicht mehr Aktivität – sondern mehr Wirkung. Sichtbarkeit, Vertrauen, Neukundengewinnung und Geschäftsergebnisse bleiben die wichtigsten Messgrößen.
Kapitel
- 00:00 — Der Stand des Marketings 2026
- 03:11 — Warum Agenturen weiterhin wichtig sind
- 07:11 — Den Wandel antizipieren
- 10:46 — KI-Lähmung vermeiden
- 13:10 — Die Grenzen von KI im Marketing
- 15:38 — Die neue Vertrauens-Ökonomie
- 18:06 — Menschliche vs. automatisierte Arbeit
- 20:21 — Zurück zu den Marketing-Grundlagen
- 23:37 — Wie sich Kundenbedürfnisse verändern
- 28:41 — Bessere Partnerschaften aufbauen
- 34:42 — Eine Erfolgsgeschichte mit Viral Content
- 39:43 — Neue Zielgruppen erreichen
- 41:52 — Durch den Lärm durchbrechen
- 43:18 — Die richtige Agentur wählen
- 47:13 — Die Zukunft von KI und Projektmanager:innen
- 51:12 — Kontakt zu Tammy Valentine
- 51:43 — Abschließende Gedanken
Stellen Sie unseren Gast vor

Tammy Valentine ist Präsidentin der LuckyTamm Marketing Group, einer strategischen Marketingberatung, die Organisationen dabei unterstützt, ihre Marke zu stärken, das Wachstum zu beschleunigen und bedeutungsvolle Kundenbeziehungen aufzubauen. Mit umfassender Erfahrung in den Bereichen Marketingführung, Geschäftsentwicklung und Markenstrategie hat Tammy branchenübergreifend an der Entwicklung wirkungsvoller Kampagnen und integrierter Marketingprogramme gearbeitet, die messbare Ergebnisse erzielen. Bekannt für ihren energiegeladenen Führungsstil und ihren kundenorientierten Ansatz, ist sie leidenschaftlich daran interessiert, Unternehmen dabei zu helfen, Wandel zu meistern, Innovationen zu fördern und nachhaltige Markteinflüsse zu schaffen.
Ressourcen aus dieser Folge:
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Galen Low: Ich muss Ihnen wahrscheinlich nicht sagen, dass die Leitung des Marketings für Ihr Unternehmen im Jahr 2026 eine anspruchsvolle Aufgabe ist. Nicht nur wird erwartet, dass Sie Kunden über alle verfügbaren Kanäle mit jeder verfügbaren Technologie erreichen und binden, sondern Sie haben wahrscheinlich auch ein kleineres Team als im Vorjahr – und vermutlich auch keine offenen Stellen für dieses oder nächstes Geschäftsjahr.
Und Sie bauen vermutlich eine kleine Armee von KI-Agenten auf, die alles erledigen – von der Erstellung von Kampagnen-Texten bis zur Analyse von Zielgruppendaten. Wahrscheinlich führen Sie auch mehr als eine Kampagne quasi nebenbei zwischen Meetings mit dem Führungsteam und Gesprächen mit der Rumpfmannschaft, die Sie noch halten konnten.
Aber die Frage ist: Ist es einfach eine unumstößliche Tatsache, dass das Marketing in eine schlanke, technologiegetriebene DIY-Richtung steuert? Oder ist es in der aktuellen Wirtschaftslage noch sinnvoll, Ihre Marketingfähigkeiten durch Boutique-Agenturpartner zu erweitern, die Ihr Geschäft genauso verstehen wie Sie? Umgekehrt gefragt: Welche Rolle hat eine Boutique-Marketingagentur, wenn KI bereits beginnt, Ihre festen Mitarbeiter zu ersetzen?
Um über dieses Thema zu sprechen, habe ich die Inhaberin einer erfolgreichen Digitalmarketing-Agentur eingeladen, die Stürme der Disruption wie die Pandemie, zahlreiche Google-Algorithmus-Updates und aktuelle Trends rund um KI-generierte Inhalte überstanden hat. Gemeinsam analysieren wir den ROI einer vertrauensvollen Agenturpartnerschaft, beleuchten den sinnvollen Einsatz von KI im digitalen Marketing und tauchen in weniger offensichtliche Erwartungen ein, die Marketingverantwortliche und Geschäftsinhaber an eine Agenturbeziehung stellen sollten.
Viel Spaß mit dieser Episode.
Willkommen beim Digital Project Manager Podcast – der Show, die Führungskräften im Delivery-Umfeld hilft, smarter zu arbeiten, reibungsloser zu liefern und ihre Teams mit Selbstvertrauen ins KI-Zeitalter zu führen. Ich bin Galen und jede Woche besprechen wir praxisnahe Strategien, neue Trends, bewährte Frameworks und gelegentlich eine Kriegsgeschichte von der Projekt-Front. Ob Sie große Transformationsprojekte steuern, KI-Workflows organisieren oder einfach nur das Chaos managen – Sie sind hier genau richtig. Los geht’s!
Heute sprechen wir darüber, wie sich die Rolle von Boutique-Digitalmarketingagenturen seit der KI-Revolution gewandelt hat und was Unternehmen tun müssen, um ihre Agenturbeziehungen optimal zu nutzen. Wir beleuchten, wo KI den größten Mehrwert bietet und wo menschliche Kreativität gefragt ist. Wir stellen echte Fallstudien vor, wie schlankere Marketing-Teams mit weniger Ressourcen mehr erreichen konnten. Und wir geben praxisnahe Empfehlungen für Marketingleiter, die ihre Sicht auf die Zusammenarbeit mit Boutique-Agenturen neu ausrichten möchten.
Heute zu Gast ist Tammy Valentine, Freundin des Kanals und Präsidentin der LuckyTamm Marketing Group. Tammy gründete LuckyTamm 2013, um Kreativität, Strategie und Zusammenarbeit für Unternehmen zu liefern, die ihre Stimme verstärken, Präsenz erhöhen und Vertrauen bei ihren Kunden aufbauen wollen.
Als Full-Service-Digitalagentur mit einem schlanken, spezialisierten Team kann LuckyTamm die Geschwindigkeit und Beständigkeit eines internen Marketing-Teams bieten – und zugleich Querdenker-Einblicke aus Dutzenden Branchen einbringen. Heute findet Tammy mit ihren Teams die perfekte Balance zwischen KI-gestützter Effizienz, kreativer Zusammenarbeit und sichtbaren Ergebnissen für ihre Kunden – social, eMail, Web, AEO und GEO.
Tammy, schön, dass du da bist. Ich freue mich sehr auf unser Gespräch.
Tammy Valentine: Danke, Galen. Ich bin sehr gespannt, hier zu sein.
Galen Low: Es ist großartig, dass du wieder da bist – du warst ja schon mal im Podcast –, und als wir uns eben im Greenroom getroffen haben, ist uns aufgefallen, dass wir nun schon über fünf Jahre zusammenarbeiten. Es ist toll zu sehen, wie dein Team gewachsen ist.
Was mich persönlich immer am meisten beeindruckt, ist, dass du bei jedem Austausch am Puls der Zeit bist. Du kannst dich unglaublich schnell anpassen, bist über Aktuelles im Bilde und hast dein Geschäft schon wieder neu ausgerichtet – immer punktgenau auf das, was relevant ist.
Ich freue mich, mal wieder tief einzutauchen. Es ist eine Weile her, dass du dabei warst. Ich bin neugierig, was es Neues gibt. Und ich weiß – du und ich neigen dazu, mit unseren Themen weit auszuholen, was ehrlich gesagt immer unterhaltsam ist. Aber, nur für alle: Hier ist der Leitfaden, den ich für heute vorbereitet habe.
Zum Einstieg möchte ich dir eine große, grundsätzliche Frage stellen, die meine Zuhörer:innen umtreibt. Danach würde ich das Thema entpacken und über drei Dinge sprechen: Erstens, was du aktuell im wettbewerbsintensiven Marketing-Markt siehst und wie das die Art und Weise verändert hat, wie dein Team für seine Kunden Mehrwert schafft.
Danach leite ich über dazu, wie schlanke Inhouse-Teams ihre Agenturpartner bestmöglich nutzen können, um mit weniger mehr zu erreichen. Vielleicht tauchen wir auch in eine Fallstudie ein. Zum Schluss sehen wir auf die Zukunft: Was sollten Marketingleiter jetzt tun, um sich auf das, was kommt, vorzubereiten?
Wie klingt das für dich?
Tammy Valentine: Klingt super.
Galen Low: Ambitioniert. Legen wir los! Gut. Ich starte direkt mit einer großen, grundsätzlichen Frage. Es gibt gerade das Narrativ, dass KI in Zukunft viel von dem, was Agenturen leisten, ersetzen wird – von Social-Media-Posts über die Erstellung kurzer Videos bis hin zur Entwicklung von Multichannel-Marketingstrategien.
All das kann KI technisch schon leisten. Gleichzeitig sehe ich Inhouse-Marketing-Teams, die schrumpfen – teilweise sind CMOs Ein-Personen-Teams, manchmal ist Marketing gar keine eigene Abteilung mehr, sondern Aufgabe des Führungsteams oder des Senior Managements.
Daher meine Frage: Wofür braucht man 2026 überhaupt noch eine Boutique-Digitalagentur? Was ist ihr Mehrwert?
Tammy Valentine: Sehr gute Frage. In 2026 liefern wir v. a. mehr Marketing-Power mit technischer Kompetenz, sodass Unternehmen von einem kollaborativen Team profitieren können. Wir ergänzen Bereiche, in denen CMOs eventuell keine Expertise haben – und gewinnen, weil sie uns nur zu einem Drittel der Kosten eines festangestellten Teams bekommen.
So können wir mehr schneller tun – mit mehr technischer Kompetenz.
Galen Low: Mir gefällt der Ansatz der Ergänzung. Viele denken, wenn sie eine Agentur holen: "Gut, die nehmen uns auf Retainer, geben die Richtung vor …"
Manchmal bedeutet Full Service: Wir bieten ein fixes Produktpaket, wenig flexibel. Aber mir gefällt die Idee, dass mit einem kleinen Spezialisten-Team die passenden Skills flexibel zusammengestellt werden. Man sieht, wo Unterstützung nötig ist – wirklich als Partner, nicht nur als ausführende Retainer-Agentur im klassischen Modell, wo man zahlt, ob man sie nutzt oder nicht, und die Agentur die Expertenrolle festhält. Stattdessen: Mehr Agilität und Kollaboration.
Und häufig auch günstiger – weil es ein "fractional team" ist. Das ist super. Lass uns mal herauszoomen: Du hast deine Agentur u. a. durch die Pandemie, große Social-Media-Veränderungen, Suchalgorithmus-Updates und nun durch die KI-Welle gesteuert.
Was hält ein Boutique-Angebot relevant? Was macht eine Boutique-Agentur widerstandsfähig, wenn der Boden ständig schwankt?
Tammy Valentine: Es ist sehr dynamisch, aber ein Vorteil unserer Agentur ist unsere "Scrappiness", unser Unternehmergeist. Sonst wird man schnell altbacken und abgehängt. Wir tun unserem Kunden keinen Gefallen, wenn wir nicht antizipieren können oder im digitalen Projektmanagement auf den Planungshorizont schauen.
Wir nutzen KI zur Ideenfindung, aber bei der Umsetzung – je nach Kunde und Branche – haben wir Wege gefunden, Innovation und Effizienz zu verbinden. KI kann nicht das gesamte Projekt allein umsetzen.
Galen Low: Das ist ein echter Unterschied. Und ich denke: Wenn man so "scrappy" ist, findet man vieles im Prozess erst heraus. Wie balanciert ihr das mit festen Prozessen? Wo zieht ihr die Linie zwischen "aus dem Bauch heraus" und langwierigem Prozess-Setup, sodass ihr nicht den Moment verpasst?
Tammy Valentine: Zwei Dinge kann man nicht "engineeren": Zeit und Erfahrung. Wir nutzen beides zusammen mit technischer Kompetenz und unserem Experten-Team. "Hier ziehen wir diesen Hebel, probieren etwas Neues; da haben wir Erfahrungswerte, dann setzen wir Leitplanken." KI hilft bei Ideen, aber manchmal produziert sie z. B. weiterhin bizarre Grafiken, etwa mit fünf Händen.
Dann setzen wir lieber auf unsere Expertise. Zeit und Erfahrung geben Orientierung und Sicherheit.
Galen Low: Mir gefällt die Idee, dass Zeit und Erfahrung nicht zu "bauen" sind. Sie sind die Maßstäbe für euch: Bewegung ist wichtig – "supplanted AI unsere Erfahrung?" Viele Teams sind Experten, verlieren aber plötzlich ihr Selbstvertrauen, weil ein neues Tool alles anders vorschlägt. Aber die KI ist nicht auf die eigenen, gelebten Branchenerfahrungen trainiert.
Dass ihr die Entscheidung habt: Folgen wir weiter KI oder setzen wir bewusst auf Expertise? Eure Mischung ist kein steifes Rezept – es ist eine kluge Kombination aus Erfahrung und Nutzung von Technologie. Und: Der Wert liegt in der Erfahrung, die euer Team in über zehn Jahren gesammelt hat.
Tammy Valentine: Genau. Wir können KI als Sprungbrett fürs Planen nutzen, aber wenn wir uns in der Ideenphase verlieren – "Claude schlägt das vor, Chat das und Gemini jenes, jetzt noch Midjourney" – entsteht "analysis paralysis". Dann muss der Prozess am Laufen bleiben. Wenn wir uns zu lange in der Ideenwelt verlieren, bringt das nichts. Also regelmäßige Checks: Wie weit sind wir? Bewegen wir uns oder drehen wir uns im Kreis? Sonst drohen Budget-Überziehungen. Da helfen Führung und Instinkt, weiter zu kommen.
Galen Low: Ich finde die Stärke des Instinkts spannend. Aber drehen wir es mal um: Was ist die Rolle der Boutique-Agentur in Sachen KI? Oft liest man: Boutique-Agenturen sind jetzt "am Ende" oder alles, was von KI kommt, ist "schlechter Marketing-Brei". Wahrscheinlich liegt die Wahrheit dazwischen. Nutzt KI euch als kleine Agentur, um mit großen Agenturen zu konkurrieren? Wo erzeugt KI vielleicht falsches Selbstvertrauen?
Tammy Valentine: Ein Irrtum ist zu glauben, KI sei kugelsicher. Sie ist nur so gut wie die eingegebenen Daten – sind sie falsch, ist das Ergebnis falsch. Entscheidend ist zu erkennen: Welches Ziel hat der Kunde, wie helfen wir? Die Strategie wird drumherum gebaut. KI "rausspucken" zu lassen, bringt wenig – Kunden merken sofort, wenn etwas nicht passt. Es braucht weiterhin Menschen, die mitdenken und erklären: Warum empfehlen wir das? KI hilft – aber sie weiß oft nicht, wie speziell das Geschäft und der jeweilige Markt ticken. Sie kann in der Ideenphase, bei Konzepten und für Effizienzsteigerung unterstützen, ist aber (noch) keine Allzweck-Lösung im Jahr 2026.
KI ist ein Sprungbrett, aber kein Allheilmittel.
Galen Low: Das gefällt mir – Sprungbrett zur Verstärkung, nicht zum Erzeugen von Substanz aus dem Nichts. Und "man kann es riechen"! Nicht nur Kunden merken, wenn etwas KI-generiert ist, auch deren Endkunden. Die sind heute sensibilisiert: "Ist das echt?" Das ist ein großes Thema. Was kann passieren, wenn Kunden merken, dass die Posts nur für Algorithmen geschrieben sind – und nicht als authentische, hilfreiche Inhalte?
Tammy Valentine: Es ist aktuell ein Vertrauens-Rennen bei KI. Für unsere Kunden heißt das auch, den Bots zu zeigen, was sie tun und was nicht. Wenn man da nicht aufpasst, ziehen die Bots falsche Rückschlüsse. Unsere Aufgabe als Boutique-Agentur ist es, Kunden strategisch zu beraten und die Umsetzung richtig zu steuern, damit die Bots die richtigen Informationen finden. Man muss Content für Menschen und Maschinen erstellen – das galt schon seit der Dotcom-Blase und seitdem "Content King" wurde.
Galen Low: Absolut, das betrifft alle. Und ich finde deinen Standpunkt super: KI ist technologisch gut, aber noch nicht gut genug für alles. Das heißt aber nicht, sie zu ignorieren; es geht ums sinnvolle Nutzen und Helfen. Die Agenten sind inzwischen fähig, aber noch nicht allwissend; als Team unterstützen wir die Technik dabei, besser zu werden und das Richtige zu tun – jetzt noch nicht voll automatisiert, aber mit klarem Fokus.
Das baut auf Vertrauen auf – etwas, das, wie Zeit und Erfahrung, nicht zu "engineeren" ist. Vertrauen kann man aber falsch aufbauen. Wie entscheidet ihr bei LuckyTamm im Prozess, ob etwas automatisiert oder von Menschen erledigt wird – speziell nach der Ideenphase?
Tammy Valentine: Es hängt davon ab, dass das Ergebnis Qualität hat. Wie viel Kontrolle und Überwachung es dazu braucht, ist unsere Aufgabe, um den Markenauftritt zu schützen. Die letzten 15 Jahre waren im Marketing voller Veränderungen: Suchmaschinen, Google Ads, Wandel von Inbound etc. Manchmal muss man einfach beobachten und dann reagieren: "Das funktioniert branchenübergreifend, das kann dir nutzen." Am Ende wollen unsere Kunden Sichtbarkeit und Umsatz. Unsere Aufgabe ist zu prüfen: Hilft KI oder schadet sie? Das Spielfeld hat sich verändert, aber die Grundprinzipien bleiben.
Galen Low: Mir gefällt, dass Qualität immer im Mittelpunkt steht – das versteht eure Agentur auch bei jedem Wandel. Es gibt bei aller Technik fast immer einen "Wettlauf nach unten" – Manipulation von Algorithmen, Suchmaschinen-Updates als Korrektur. Im Zentrum steht trotzdem: Wie liefern wir Qualität, wie helfen wir Endkunden, und nicht, wie füllen wir einfach Keywords oder produzieren massenhaft KI-Artikel nur für Rankings? Es geht darum, Kundenbedürfnisse zu treffen, nicht nur Marktdominanz durch Technik.
Tammy Valentine: Auf jeden Fall! Ich habe neulich mit einem Kunden gesprochen, der meinte: "Wir wollen einfach Views!" Da gehe ich zurück auf die Grundprinzipien des digitalen Marketings: Die Trilogie aus Paid, Earned und Owned Media. Wo alle drei überlappen, ist der Sweet Spot. Als Marketer guide ich meine Kunden genau dahin. Wie sorgen wir für Balance, damit keine Seite des Marketing-Hauses vernachlässigt wird? Oft fehlt es da an den Basics. Sie haben Kunden und ein Angebot. Es gilt: Verbinde die beiden.
Galen Low: Diese Trilogie ist nicht umsonst so beständig. Oft sieht man, dass ein Bereich zu stark und die anderen vernachlässigt wird – mal nur Paid, dann wieder nur Earned, oder Owned. Die Mischung ist auch ein Rezept für Vertrauen. Firmen wollen auf allen relevanten Kanälen sichtbar und glaubwürdig sein; das ist im Kern kein kompliziertes Spiel, auch wenn es komplex wirkt.
Zurück zu den Inhouse-Teams: Sie werden kleiner, die Erwartungen steigen. Sie können nicht einfach aufstocken, weil vorher geprüft wird: "Kann das nicht KI erledigen? Sollten wir damit nicht 10x produktiver werden?" Viele Marketingverantwortliche sind allein und machen viele Dinge nebenbei. Hat das verändert, was eure Kunden von euch brauchen? Ist es kollaborativer oder transaktionaler geworden?
Tammy Valentine: Gute Frage. Mich erinnert das direkt an einen Kunden, der tatsächlich fragte: "Kannst du das nicht einfach Chat eingeben und chat erledigt das?" Ja, aber nach so vielen Jahren Zusammenarbeit wissen wir, was klappt. Warum alles über den Haufen werfen? Kleine Iterationen ja, aber Vertrauen und Instinkt sind wichtiger. Unsere Aufgabe ist es, Kunden durch das Labyrinth von Tools zu führen, nicht blind jeder KI-Anweisung zu folgen. Wir sind der Guide. Einer hat mal gesagt: "Wir haben ‘fremd-geworben’ und versucht, Ads selbst zu schalten – und sind gescheitert." Schön, ehrlich zu sein – dafür sind wir da. Wir kennen die Fallstricke und helfen, den Lärm zu durchbrechen. Denn KI-basierte Tools wollen am Ende auch einfach nur Geld verdienen.
Galen Low: Genau ...
Tammy Valentine: Wir müssen darauf achten: Bringt es uns dem Ziel näher, produziert es nur mehr Lärm oder erleichtert es die Arbeit? Seit KI ist die Beziehung zu unseren Kunden oft noch enger geworden. Und man darf sich nicht von jedem "Shiny Tool" blenden lassen. "Oh, das Tool macht alles für uns!" – Davon halte ich wenig.
Galen Low: Schönes Beispiel! Beide Geschichten stehen stellvertretend für das, was wir beide beobachten: Man hinterfragt plötzlich die eigene langjährige Zusammenarbeit und denkt, KI könnte alles besser machen – und vergisst fast, was einen eigentlich gemeinsam so weit gebracht hat. Oder Kunden merken durch einen Selbstversuch wieder, wie wertvoll die Agentur-Partnerschaft ist.
Und du siehst: Es vertieft oft die Beziehung! Wie ist es bei Neukunden – speziell Marketingleitern, die vielleicht die Agentur wechseln oder erstmals mit einer Boutique-Agentur arbeiten wollen: Was zeichnet eine gute Agenturbeziehung 2026 ab Tag eins aus?
Tammy Valentine: Unser Onboarding ist für viele sehr attraktiv. Im Discovery-Prozess beleuchten wir genau, wie die Marke funktioniert, wer entscheidet, was bisher gemacht wurde. Schlechtes Vorwissen aus anderen Agenturen wird transparent behandelt – das muss am Anfang geklärt sein. Schritt zwei: Wir erwarten, dass unsere Kunden mit uns zusammenarbeiten. Ein Hands-off-Approach passt nicht; das können Sie gerne selbst DIY machen. Für uns heißt Zusammenarbeit: Wir bringen Erfahrung ein, heben das Besondere Ihres Angebots und setzen gemeinsam um. Die besten Ergebnisse gibt es im Gruppeneinsatz, nicht als reine Übergabe.
Vergleichbar mit einem Arztbesuch: Nur wenn der Arzt sich wirklich Zeit nimmt, bekommt man eine individuelle Behandlung. Wir überwachen die digitale Gesundheit des Unternehmens, sorgen dafür, dass alles optimal läuft und ergänzen, wo es Defizite gibt.
Galen Low: Ja. Marketingleiter sind die Ärzte! Das gilt auch fürs Onboarding: Schnell und fokussiert ans Ziel kommen, ohne Zeit zu verlieren. Ihr recherchiert, KI kann mithelfen, aber euer Unterschied ist das persönliche Engagement. Genau das wünsche ich mir als Unternehmer oder Marketingleiter.
Ein entscheidender Unterschied auch zu Freelancer-Teams: Ihr seid ein eingespieltes Team, kein unkoordiniertes Konglomerat. Hier arbeiten eingespielte Spezialisten zusammen, nicht Einzelgänger. Für diese Qualität braucht es echte Partnerschaft, nicht ein "Über-den-Zaun-werfen und abnicken". Am Ende zählen Ergebnisse.
Apropos Ergebnisse: Du hast neulich eine Geschichte zu Social-Media-Videos erzählt, die verschiedene Generationen unterschiedlich angesprochen hat – ein Aha-Moment für den Kunden. Kannst du schildern, wie daraus ein neuer Markt entstand und wie die Zusammenarbeit ablief?
Tammy Valentine: Social Media hat drei Säulen: informieren, bilden, unterhalten. Eine gute Balance ist nötig. Wir hatten einen Kunden, der von einer Video-Kampagne absolut begeistert war – ganz neu für ihn. Im Team diskutierten die Jüngeren, ob wir ein paar Trend-Reels probieren. Die bisherigen Videos hatten wenig Reichweite.
Wir probierten es – und mehrere Videos gingen viral, die Followerzahlen schossen hoch. Daraus ist inzwischen eine richtige Content-Maschine entstanden – weil es beim Kunden und bei uns so gut ankam. Der Kunde ist nun engagiert und als Team gewachsen: "Wann drehen wir das nächste Reel? Wie präsentieren wir uns als die etwas verrückte Familie?" Das macht Freude und ist kreativ. Besonders, weil solche Freiheiten sonst selten sind.
Der Kunde hatte bis dahin kaum digitale Präsenz, kam eher aus dem klassischen Marketing. Mit uns haben sie die digitale Bühne zum Leben erweckt und neue Zielgruppen erschlossen.
Galen Low: Super! Für alle, die LuckyTamm nicht kennen: Euer Team geht zum Kunden, die Videos werden gemeinsam vor Ort gedreht – und diese Markenpersönlichkeit der “quirligen Familie” ist spürbar! Ihr entwickelt die Inhalte zusammen mit euren Kunden – sie haben Einfluss, bringen Ideen ein. Als du die Geschichte erzählt hast, dachte ich sofort: "Wir haben unsere Gen-Z die Reels schneiden lassen." Dann gibt es plötzlich Videos mit minutenlangem Einatmen vor dem Sprechen – und das funktioniert! Als Millennial möchte ich alles poliert und knackig, aber jetzt sehe ich: Etwas Neues auszuprobieren bringt Reichweite, Awareness und zeigt Persönlichkeit. Die Käuferschicht ist ebenfalls im Wandel.
Tammy Valentine: Das ist wieder die Trilogie von Paid, Owned und Earned Media. Owned („eigene Kanäle“) läuft super. Aber die Mischung macht’s! Die "silly" Inhalte bringen Engagement – auch wenn ich als Millennial lieber alles perfekt hätte. Aber wenn es zur Marke passt (und der Kunde offen ist), sind Experimente sinnvoll. Und gerade in manchen Branchen darf es etwas lockerer sein – in anderen (z. B. Recht) nicht. Ziel ist immer der "Thumb Stop": Wer beim Scrollen innehält, hat gewonnen. Das begeistert mich!
Galen Low: Das ist vermutlich euer "geheimes Rezept": am Rand der Komfortzone experimentieren. Erfahrungen nutzen, aber offen bleiben. So bleibt ihr agil – nie von Null starten, aber Neuem Raum geben und testen. Marken, die aus der Masse hervorstechen, wagen es, Grenzen zu verschieben: "Got Milk, Don’t Mess with Texas, Just Do It" – legendär wegen ihrer Klarheit und Mut zur Differenzierung.
Galen Low: Und all das basiert nicht auf "mal schnell in Chat eingegeben und losgeht’s", sondern auf Vertrauen, Branchenkenntnis und dadurch einer Grundlage für erfolgreichen Experimenten. Das Menschliche bleibt das Fundament.
Tammy Valentine: Genau das. Mit dem richtigen Fundament ist später alles wiederholbar. Aber das Fundament muss stimmen, bevor man große Ideen verwirklicht.
Galen Low: Lass uns zum Schluss einen Ausblick wagen: Was würdest du einer Marketingleitung raten, die mit weniger mehr erreichen soll – also: Inhouse aufbauen oder stärker auf Agenturpartner setzen? Worauf sollten sie bei der Auswahl einer Agentur für die Zukunft achten (jenseits von alten Routinen und Standard-Video-Produktionen)?
Tammy Valentine: Ich würde jedem CMO oder Marketingleiter raten: Suchen Sie sich eine Agentur, die Sie, Ihre Branche und Ihr Team wirklich kennenlernen möchte. Wir investieren deshalb viel in die Discovery-Phase und möchten Ziele genau verstehen. Klarheit bei Zielen und KPIs und eine offene, transparente Kommunikation sind ein Muss. Wichtig ist auch, dass die Agentur als "Verlängerung" des Kundenteams funktionieren kann – flexibel, anpassbar, Organisationen und deren Besonderheiten (Wettbewerb, Bürokratie, interne Dynamik) versteht und hilft, Ordnung ins Chaos zu bringen und Ergebnisse zu liefern.
Galen Low: Das Wort „Chamäleon“ gefällt mir! Es geht also nicht nur darum, Endkunden zu erreichen – sondern mitzuhelfen, intern Hürden zu nehmen, sich einzubringen und die richtige Strategie gemeinsam durchzusetzen. So wird die Agentur wirklich zu einem Partner, nicht einfach Dienstleister. Sie lässt die Marketingleiter auch intern glänzen, nicht nur vor Kunden.
Tammy Valentine: Genau! Die Marketingleitungen profitieren enorm: weniger Stress, mehr Output, weniger Kosten. Das ist unser Anspruch – und das Prinzip der dienenden Führung. Es geht darum, dass unser Kunde erfolgreich ist – dann haben wir alle gewonnen.
Galen Low: Das ist schwer zu toppen: weniger Stress, weniger Kosten – das wünschen sich gerade alle. Super! Vielen Dank! Magst du mir zum Abschluss noch eine Frage stellen?
Tammy Valentine: Sehr gerne. Du hast ein großes Netzwerk an digitalen Projektmanager:innen aufgebaut. Wo siehst du KI in den nächsten fünf Jahren und wie wird das Projektmanager:innen weltweit beeinflussen?
Galen Low: Große Frage! Ich sollte jetzt sagen: "KI bringt uns alle auf ein höheres strategisches Niveau, übernimmt die Fleißarbeit, wir treffen die Entscheidungen …" – und ja, das stimmt zu einem Teil. Aber ich glaube, wir werden in den nächsten zwei, drei Jahren auch deutlich sehen, dass KI nicht alle Probleme lösen kann, weil viele Herausforderungen menschlich sind. Meine Hoffnung: KI hilft uns, uns wieder stärker aufs gemeinsame Arbeiten zu konzentrieren – darauf, wie wir als Team funktionieren. Letztlich bleibt es ein Menschenthema.
Ich denke auch, dass sich dadurch die Projektebene neu formiert – jeder soll ein Grundverständnis für Zusammenarbeit und Projektmanagement haben, nicht mehr nur eine Person trägt die Verantwortung. Es wird zu einem Teamsport, die Rollen werden sich verändern. KI zwingt uns, uns auf die Aspekte zu konzentrieren, die Technik nicht lösen kann: nämlich gelingende Zusammenarbeit. Das ist dann echter Fortschritt.
Tammy Valentine: Gute Antwort! Ich bin gespannt, wie sich Entscheidungsfindung – besonders bei den jüngeren Generationen – unter KI-Einfluss verändert. Einerseits kann das Sorgen bereiten, andererseits gibt es viele positive Perspektiven.
Galen Low: Ja, es ist eine Chance für echten Neuanfang. Jede Generation steht vor dem Dilemma, ob man aufbaut oder radikal neu denkt. Mit KI – und all den aktuellen Kontextfaktoren – gibt es neue Wege, Dinge besser zu machen.
Tammy, vielen Dank für deinen Besuch. Es ist immer eine Freude! Ich freue mich, das an die Zuhörerschaft weiterzugeben. Ich hoffe, alle konnten mindestens so viel mitnehmen wie ich. Für unsere Hörer:innen: Wo kann man mehr über dich erfahren?
Tammy Valentine: Unsere Website luckytamm.com – mit zwei m – oder LinkedIn (LuckyTamm Marketing Group). Wir launchen bald eine neue Website. Auf LinkedIn gibt es Updates.
Galen Low: Die Inhouse-Videos von LuckyTamm machen Spaß, ich sehe sie gerne. Ich packe alle Links in die Shownotes. Folgt Tammy, bleibt dran!
Tammy Valentine: Danke, Galen! Wirklich.
Galen Low: Danke dir! Das war es für diese Folge des Digital Project Manager Podcasts. Abonniert uns, wo immer ihr hört. Wer noch mehr Praxis-Tipps, Fallstudien und Playbooks will: Kostenloses Konto auf thedigitalprojectmanager.com. Bis zum nächsten Mal – danke fürs Zuhören!
