Das Tempo des Wandels in der heutigen Arbeitswelt ist nicht nur schnell – es verstärkt sich selbst. In dieser Folge spricht Galen mit den Führungskräften im Bereich Hochschulbildung, Sasha Thackaberry-Voinovich und Charlotte Bencaz, darüber, was es wirklich braucht, um relevant zu bleiben, während sich Rollen, Werkzeuge und Erwartungen in Echtzeit verändern. Vom Rückgang von Einstiegspositionen bis zur Zunahme von KI-unterstützten „Power-Workern“ stellt dieses Gespräch die Vorstellung in Frage, dass Lernen eine einmalige Investition ist – und betrachtet es stattdessen als kontinuierliche, strategische Gewohnheit.
Sie gehen außerdem darauf ein, was im traditionellen Bildungssystem kaputt (und reparierbar) ist, wie man Fähigkeiten aufbaut, ohne sich hoch zu verschulden, und warum das eigentliche Risiko nicht die KI selbst ist – sondern der ungleiche Zugang dazu. Wer sich verändern, weiterentwickeln oder einfach nur Schritt halten will, bekommt mit dieser Folge einen fundierten Einblick in das, was derzeit tatsächlich funktioniert.
Das lernst du in dieser Folge
- Warum traditionelle Abschlüsse für viele Wissensarbeiter:innen immer weniger relevant werden
- Wie KI Einstiegspositionen verändert – und was an deren Stelle tritt
- Wie „Lernen mit der Geschwindigkeit des Wandels“ in der Praxis tatsächlich aussieht
- Der Unterschied zwischen dem Ausprobieren von KI und dem strategischen Einsatz davon
- Warum Anpassungsfähigkeit und Lern-Tempo mehr zählen als statisches Wissen
- Wie Microlearning, Community und Anwendung im echten Leben den Kompetenzerwerb beschleunigen
- Die Risiken ungleichen Bildungszugangs – und was sich ändern muss
Wichtige Erkenntnisse
- Die Zeit des passiven Lernens ist vorbei.
Nur Inhalte zu konsumieren reicht nicht – du musst deine Fähigkeiten anwenden, aufbauen und demonstrieren. Weniger Konsumieren, mehr Kreieren. - KI ist kein Zusatz – sie ist grundlegend.
Es geht nicht darum, ein einziges Tool zu meistern, sondern über Werkzeuge hinweg zu arbeiten und sie effektiv zu orchestrieren. - Dein Vorteil liegt im Lernen, nicht im Wissen.
Statisches Wissen veraltet schnell. Die eigentliche Fähigkeit ist, ein System für ständiges Lernen und Anpassen aufzubauen. - Klein anfangen, aber dranbleiben.
Lernen in kleinen „Häppchen“ (beim Pendeln, Kochen usw.) summiert sich über die Zeit – wie Zinsen auf einem Sparkonto. - Keine zu enge Spezialisierung.
Tiefergehende Expertise bleibt wichtig – aber kombiniert mit angrenzenden Fähigkeiten (unterstützt durch KI) wirst du wesentlich widerstandsfähiger. - Zeigen statt erzählen.
Arbeitgeber:innen wollen Belege sehen. Erstelle Arbeitsproben, Projekte und Beispiele, die tatsächlich zeigen, was du kannst. - Das größte Risiko ist, früh zurückzufallen.
Wir befinden uns an einem „K-förmigen“ Wendepunkt – wer jetzt in Skills investiert, zieht davon, andere geraten ins Hintertreffen. - Bildung muss schneller, günstiger und flexibler werden.
Stackable Credentials, echte Anwendung und sofortige Startmöglichkeiten sind keine „Nice-to-Haves“ mehr – sie werden zum Standard.
Kapitel
- 00:00 – Lernen im Chaos
- 02:24 – Lohnt sich das Studium noch?
- 04:39 – Warum die Hochschulwelt feststeckt
- 07:19 – Abschlüsse neu gedacht
- 10:22 – Was Arbeitgeber:innen wollen
- 12:39 – Lernen durch Gemeinschaft
- 14:55 – Verschwundene Einstiegspositionen
- 18:43 – Skills zeigen statt erzählen
- 19:53 – Wie viel KI ist genug?
- 23:04 – Mehr als KI: weitere Kräfte
- 26:38 – Ungleichmäßige KI-Adoption
- 28:18 – Nicht-technische Gestalter:innen
- 34:51 – Lernen ohne Zeit
- 38:08 – In sich selbst investieren
- 41:49 – Das Risiko der Kompetenzlücke
- 46:27 – Die Zukunft der Arbeit
- 52:48 – Identitätswandel
- 54:11 – Antifragil werden
- 54:27 – Die fehlende Fähigkeit: Gemeinschaft
Unser Gast

Dr. Sasha Thackaberry-Voinovich ist Gründerin und Präsidentin der Newstate University, einer innovativen, KI-orientierten Institution, die darauf ausgerichtet ist, radikal erschwingliche, kompetenzbasierte Bildung für die heutige Arbeitswelt zu bieten. Mit mehr als zwei Jahrzehnten Erfahrung in Führungspositionen im Hochschulbereich hatte sie leitende Funktionen inne, darunter Präsidentin von SkillsWave, Vizepräsidentin für Online- und Weiterbildung an der Louisiana State University sowie Führungspositionen bei Pearson und der Southern New Hampshire University. Als anerkannte Vordenkerin für digitales Lernen, Entwicklung von Arbeitskräften und Bildungsinnovation ist Sasha bekannt dafür, neue Wege zu finden, wie Bildungseinrichtungen besser auf die Bedürfnisse der Industrie eingehen, den Zugang verbessern und den Studienerfolg durch technologiegestützte Modelle beschleunigen können.

Charlotte Bencaz ist Chief Marketing and Partnerships Officer an der Newstate University. Dort leitet sie Wachstum, Einschreibung und strategische Partnerschaften für eine KI-first, kompetenzbasierte Institution, die auf die Anforderungen der heutigen Arbeitswelt zugeschnitten ist. Als erfahrene Führungskraft im Bereich Marketing und Hochschulbildung verfügt sie über eine starke Erfolgsbilanz beim Skalieren von Organisationen, dem Aufbau leistungsstarker Teams und der Erzielung messbarer Umsätze und Einschreibungszahlen. Vor ihrer Tätigkeit bei Newstate bekleidete Charlotte leitende Positionen bei LSU Online & Continuing Education, D2L/SkillsWave und Pearson, wo sie umfassende Marketingoperationen leitete, nationale Partnerschaften ausbaute und dazu beitrug, die Online-Bildungsvermittlung zu transformieren. Sie ist dafür bekannt, datenbasierte Strategie mit einem kollaborativen und menschenzentrierten Ansatz zu verbinden – und sie setzt sich besonders dafür ein, KI zu nutzen, um Betriebseffizienz und Lernergebnisse zu verbessern.
Ressourcen aus dieser Folge:
- Der Digital Project Manager Community beitreten
- Newsletter abonnieren, um unsere neuesten Artikel und Podcasts zu erhalten
- Vernetze dich mit Sasha und Charlotte auf LinkedIn
- Besuche Newstate University
Verwandte Artikel und Podcasts:
Galen Low: Ob wir es wollen oder nicht, die Arbeitswelt wandelt sich rasant – und mit ihr die Erwartungen. Aber mit den Fähigkeiten Schritt zu halten, die Sie in Ihrer beruflichen Laufbahn relevant halten, fühlt sich wie ein Vollzeitjob an. Wie können wir also lernen und wachsen im Tempo der Disruption? Einerseits gibt es kein Mangel an kostenlosen Ressourcen.
Wir könnten stundenlang YouTube schauen, hunderte Substack-Abos abschließen und auf das Beste hoffen. Andererseits sind greifbare Nachweise wie Zertifikate, MBAs und Hochschulabschlüsse nach wie vor anerkannt. Aber sie sind immer noch teuer, dauern lange und ihre Curricula sind nicht unbedingt aktuell.
Was ist also der richtige Weg, um im KI-Zeitalter schnell zu lernen? Um das zu beleuchten, habe ich zwei Führungskräfte aus der Hochschulbildung zu Gast, die im Bildungsbereich innovative Akzente setzen. Wir sprechen darüber, welche Fähigkeiten heute gefragt sind, die vor wenigen Jahren noch keine Rolle spielten. Außerdem erörtern wir bewährte Strategien für einen Lernplan, mit dem man neue Kompetenzen im Tempo der Märkte aufbauen kann.
Und wir sprechen darüber, was Arbeitgeber, Regierungen, Hochschulen und Einzelpersonen tun können, um einen gerechten und bezahlbaren Zugang zu Lernmöglichkeiten zu schaffen – damit die Veränderung allen zugutekommt, nicht nur den Privilegierten. Viel Freude mit der Folge.
Willkommen beim Podcast "The Digital Project Manager" – die Show, die Führungskräfte im digitalen Wandel unterstützt, Projekte effizienter umzusetzen und Teams mit Selbstvertrauen im KI-Zeitalter zu führen. Ich bin Galen, und jede Woche sprechen wir über smarte Strategien, neue Trends, erprobte Frameworks und echte Geschichten aus dem Projektalltag. Ob Sie Großprojekte steuern, KI-Workflows managen oder einfach das Chaos im Griff behalten wollen – hier sind Sie richtig. Los geht’s!
Heute sprechen wir darüber, wie man gefragte Fähigkeiten im Tempo des Branchenwandels entwickelt und ob die klassischen Modelle von Hochschulstudium und Weiterbildung überhaupt noch sinnvoll sind für Profis, die schnell umdenken müssen.
Mit mir heute sind zwei Köpfe aus dem Bereich Hochschulbildung: Sasha Thackaberry-Voinovich und Charlotte Bencaz von der New State University. Beide haben jahrzehntelange Erfahrung mit verschiedensten Hochschulinstitutionen. Sie waren Teil endloser Diskussionen über mehr Praxisbezug, mehr Arbeitgeberorientierung und mehr Effizienz in der Hochschulausbildung.
Doch die Veränderungen gingen nicht schnell genug. Also entschieden sie: Wir machen es selbst. Die New State University ist eine KI-basierte, von der Fakultät gegründete und geführte Hochschule. Sie legen Wert auf Qualität – und Innovation ist für sie jetzt ein Muss. Sasha und Charlotte, danke, dass Ihr heute dabei seid.
Sasha Thackaberry-Voinovich: Danke, dass wir dabei sein dürfen.
Charlotte Bencaz: Freut mich, hier zu sein.
Galen Low: Ich freue mich sehr auf das Gespräch. Ihr habt mich mit euren Ansichten sehr inspiriert. Wir haben schon im Vorfeld viel gesprochen, vorbereitet und verschiedene Themen beleuchtet – das ist ein Herzensanliegen für mich. Ich hoffe, wir machen ein paar Schlenker, aber mein Projektmanager-Herz hat eine kleine Roadmap für uns vorbereitet.
Zum Einstieg möchte ich euch eine große, schwierige Frage stellen, die unsere Zuhörer gern beantwortet hätten. Dann möchte ich mit euch drei Dinge besprechen: Zuerst den Stand bei Einstiegs- und mittleren Jobs und welche Fähigkeiten derzeit plötzlich gefragt sind. Dann die Praxis, wie man diese Skills 2026 erwirbt und welche Taktiken sich bewährt haben. Und zuletzt: Wie sieht die Zukunft von Chancengleichheit beim Kompetenzerwerb aus und wie verändert das den Arbeitsmarkt in den nächsten drei bis fünf Jahren?
Wie klingt das für euch?
Sasha Thackaberry-Voinovich: Klingt super. Fünf Jahre wirken im Moment allerdings wie eine kleine Ewigkeit.
Galen Low: Holt schon mal die Kristallkugel raus ... Vielleicht rudere ich also etwas zurück – schauen wir eher ein bis zwei Jahre voraus. Es ändert sich derzeit so rasant, schwer vorherzusagen. Darum beginne ich einfach mit der großen Frage:
Ich habe mit vielen Menschen gesprochen, die das Universitätsmodell belächeln. Manche sagen: ChatGPT ist das neue MBA. Warum sollte ich mir das noch antun – dauert zu lange, ist teuer, nicht mehr relevant? Daher meine Frage: Ist das klassische Universitäts- und Weiterbildungsmodell überhaupt noch zeitgemäß – in einer Zeit, in der KI und andere Trends den Arbeitsmarkt täglich verändern?
Sasha Thackaberry-Voinovich: Ich würde sagen: teils-teils, es kommt darauf an, wer man ist und welches Ziel man verfolgt. Für die meisten Berufstätigen ist das klassische Modell – außer in manchen Bereichen wie Medizin oder Jura – vermutlich nicht mehr sinnvoll. Gerade in Fachrichtungen wie Projektmanagement, Produktmanagement oder Business nicht mehr wirklich passend.
Was wir brauchen, ist schneller, on-demand, vernetzt, modern, mobil.
Galen Low: Gefällt mir. Und wie ich im Intro angesprochen habe: Die Modernisierung an Hochschulen ist ein langes Thema. Erzwingt KI jetzt diese Veränderungen oder gibt’s noch endlose Gremiensitzungen?
Sasha Thackaberry-Voinovich: Es wird deutlich mehr diskutiert. Leider haben selbst kleine Hochschulen oft massive technische Altlasten und zu wenige Projektmanager – oder zu wenig Leute mit den passenden Fähigkeiten für zukunftsfähige Strukturen. Dadurch bleibt viel Veränderung aus, selbst wenn der Wille da ist. Deshalb entschieden wir uns, komplett neu zu starten: Mit moderner Technik, Relevanz und Erschwinglichkeit. Die Menschen haben die Schuldenberge satt. Wir auch.
Galen Low: Ein mutiger Schritt! Kürzlich las ich: Als Elektrizität kam, wurden Fabriken erst Jahrzehnte später umgebaut, weil alles noch für Dampfmaschinen ausgelegt war. Sie mussten bei Null beginnen – so ist das an Hochschulen heute auch, oder?
Sicher, sie sind Institutionen mit Tradition und Prestige. Aber ihr sprecht einen zentralen Punkt an: Geschwindigkeit und Bezahlbarkeit. Gibt es noch andere grundlegende Faktoren, wie ihr New State University von anderen Hochschulen abhebt?
Sasha Thackaberry-Voinovich: Einer unserer Kernpunkte: Wir finden, dass jede Form von Lernen zählt – was immer man beruflich gelernt hat, ist wertvoll. In klassischen Hochschulen wird Vorwissen oft überhaupt nicht anerkannt. Wir wollen das anders machen – Fähigkeiten und Kompetenzen einbeziehen, die jemand schon mitbringt.
Dadurch verkürzt sich auch der Weg zum Abschluss. Außerdem bieten wir unsere eigenen Microcredentials an. Man kann klein anfangen und darauf aufbauen. Wichtig ist uns dabei: Wertschätzung für das, was Menschen schon mitbringen.
Zweitens: Wir wollten ein leicht zugängliches System. Manche Unis machen Bewerbungsverfahren aus Prinzip langwierig – aber eigentlich möchten die Menschen direkt loslegen. Bei uns geht das: Bewerben, angenommen werden und am selben Tag starten. Es zählt, was Sie brauchen, nicht altgediente Prozesse.
Galen Low: Das gefällt mir sehr. Ihr betrachtet es also nicht als leeres Blatt. Lernen baut auf, es passiert kontinuierlich.
Sasha Thackaberry-Voinovich: Genau.
Galen Low: Viele Unis behandeln Studierende so, als kämen sie direkt von der Schule – das passt heute nicht mehr. Viele steigen später (wieder) ins Studium ein. Das ist großartig. Ihr habt aber sicher auch mit Unternehmen gearbeitet. Charlotte, habt ihr bei "New State U" noch mit klassischen Vorbehalten zu kämpfen? Oder wird euer Modell akzeptiert?
Charlotte Bencaz: Wir haben erkannt, dass Unternehmen kurzfristige, passgenaue Lernangebote brauchen. Dass sie auf den persönlichen Lernweg angerechnet werden können, ist ein Plus. Unternehmen schätzen insbesondere die Anwendbarkeit unserer Kurse: Echte Projekte, reale Lösungen. So wird Lernen effizienter und praxisnäher.
Wichtig ist uns auch, dass wir eine Community aufbauen – eine dauerhafte Ressource für Studierende, Lehrkräfte und Alumni. Dort diskutieren wir neue Entwicklungen, Probleme im Job – und finden gemeinsam Lösungen.
Galen Low: Schön – Community sorgt dafür, dass Lernen Schritt halten kann mit dem Wandel. Peer-Learning ist mindestens so wertvoll wie die klassische Lehre.
Sasha Thackaberry-Voinovich: Absolut. Und: Der Lernbedarf steigt rasant. Wir lernen gemeinsam, ständig verlassen wir unsere Komfortzone. Wir nutzen KI nicht nur fachlich, sondern optimieren auch unser eigenes Business damit. So halten wir die Preise niedrig und arbeiten effizient. Und das vermitteln wir auch.
Galen Low: Ihr lebt also, was ihr lehrt.
Sasha Thackaberry-Voinovich: Genau.
Charlotte Bencaz: Wir nutzen unsere Community auch zur Lösung von Geschäftsproblemen.
Galen Low: Perfekt! Ich würde gern herauszoomen. Warum ist Weiterbildung JETZT so wichtig? In meinem Feed sehe ich den Trend: Es gibt kaum noch Einstiegsjobs, sondern vor allem Konkurrenz um mittlere Positionen – selbst Berufseinsteiger kämpfen um diese. Welche Fähigkeiten werden heute gefordert, die früher keine Rolle spielten? Ist allein KI dafür verantwortlich?
Sasha Thackaberry-Voinovich: Es ist mehr als KI, aber KI spielt die Hauptrolle. Viele Aufgaben von Einsteigerjobs werden von GenAI übernommen – aber natürlich braucht es immer Qualitätssicherung und Kontrolle. Früher war der Berufseinstieg ein Lernfeld. Heute ist das Wissen allein nicht mehr ausreichend; Arbeitgeber wollen sehen, dass Leute Fähigkeiten tatsächlich anwenden können.
Wir setzen deshalb auf nachweisbare Arbeitsproben. Das Umfeld ist aber sehr kompetitiv, und oft passen Bewerber*innen nicht wirklich zu den Stellen. Wichtig: Aufgeschlossenheit für Neues, Schnelligkeit im Lernen und der Umgang mit KI. Wer damit umgehen kann, ist klar im Vorteil.
Die Zeit des "Dabbelns" ist vorbei. Man muss jetzt gezielt lernen. Und man sollte keine "Markenexklusivität" leben, sondern mit vielen Tools zurechtkommen.
Galen Low: Man muss also zeigen statt nur behaupten. Arbeitsproben sind zentral.
KI-Kenntnisse sind sehr breit gefächert. Muss jeder jetzt zum Entwickler werden? Oder reicht es, KI als tägliches Werkzeug zu nutzen? Gibt es eine Art Mindest- und Maximalanforderung, je nach Branche?
Charlotte Bencaz: Es wird künftig Leitlinien geben, wie Unternehmen einen sicheren KI-Einsatz gestalten. Für Berufseinsteiger*innen bietet sich heute eine spannende Chance: Eigene Stärken gezielt ausbauen – und mit KI andere Kompetenzfelder ergänzen. Gerade Cross-Skills werden bedeutsam. KI kann helfen, eigene Schwächen auszugleichen und ein vollständigeres Kompetenzprofil zu entwickeln.
Galen Low: KI als Verstärker der eigenen Kernstärken und Ausgleich für ergänzende Kompetenzen. Eine schöne Perspektive.
Charlotte Bencaz: Es ist wichtig, Beispiele zu teilen und gemeinsam herauszufinden, was funktioniert. Die Empfehlung "eine Stunde täglich KI" ist wie damals "Hände waschen schützt vor Krankheiten" – eine gute Grundlage, aber nicht genug. Die Anwendung im Arbeitsalltag ist entscheidend.
Galen Low: Die Minimalempfehlung wäre: täglich eine Stunde Zeit in KI-Weiterbildung investieren, aber es braucht mehr als das. Jenseits von KI – welche anderen Faktoren zwingen uns zum schnellen Kompetenzerwerb?
Sasha Thackaberry-Voinovich: Ökonomische Dynamik weltweit ist ein Faktor. Aber auch Automatisierung abseits von KI: Technologien und Selbstbedienungslösungen beschleunigen vieles. Tools, z. B. für Terminplanung, die früher nur für Führungskräfte mit Assistenz spannend waren, sind heute Standard. Die Eintrittsbarriere für Automatisierung sinkt.
Interessant: KI wird jedoch eine zweite Welle des Unternehmertums auslösen, da man "einfach loslegen" kann. Die wichtigsten Veränderungen entstehen nicht durch die Technologie selbst, sondern deren ungleiche Nutzung. Das Tempo der KI-Adoption entscheidet künftig im Wettbewerb.
Galen Low: Die Vielfalt der Faktoren ist spannend – von Wirtschaft über bezahlte KI-Tools bis hin zu Generalistentum. Der Mensch wird weiterhin gebraucht, besonders mit "menschlichem Urteilsvermögen".
Entsprechend: Bietet ihr Kurse an, die nicht aufs reine Programmieren, sondern z. B. auf Systemdenken für No-Coder setzen?
Sasha Thackaberry-Voinovich: Ja, unsere KI-Kurse behandeln auch Architektur und Datenmodelle und leiten zum Experimentieren mit verschiedenen Tools an. Bei der Kurskonzeption fragen wir: Was ist dauerhaft, was verändert sich ständig? Daher bieten wir eine Community mit Webinaren und Live-Angeboten für aktuelle Themen.
Im Hinblick auf die Adaption von Technologien: Wir sind "First Follower" – also frühzeitig, aber nicht ganz vorn, wenn etwas stabil nutzbar ist. Nicht jedes Unternehmen muss "bleeding edge" sein – Hauptsache, sie sind offen und flexibel.
Galen Low: Ihr findet also selbst den richtigen Zeitpunkt zwischen Trend und breiter Akzeptanz – und passt eure Lehrpläne laufend an.
Sasha Thackaberry-Voinovich: Ja, wir können Content sehr schnell erstellen oder anpassen, wenn sich etwas als relevant erweist. Für unsere Geschäftstätigkeit als Kleinunternehmen achten wir auf Sicherheit und Stabilität und setzen neue Tools erst nach der Probierphase ein.
Galen Low: Ein pragmatisches Modell.
Charlotte Bencaz: Die Schwelle für uns ist: Sobald der "nicht-technische Anwenderkreis" sich damit beschäftigt, dann gehen wir es an.
Galen Low: Sobald es in der offiziellen Ankündigung steht ...
Charlotte Bencaz: Ich habe eine Stunde lang versucht, Claude Code zu verstehen – da bleibe ich wohl noch bei bekannten Tools.
Galen Low: Es kommt mit der Zeit.
Charlotte Bencaz: Ja, definitiv.
Sasha Thackaberry-Voinovich: Absolut. Wir beobachten neue Arbeitsmodelle, bei denen man verschiedene Plattformen kombiniert. Wer über den Tellerrand blickt, kann KI-Lösungen klug choreographieren – nicht nur mit einem Tool arbeiten, sondern das Beste aus verschiedenen herausziehen. Stichwort: Orchestrierung, oder besser: Choreografie – das Zusammenspiel verschiedenster Tools ist wie eine Tanzvorführung.
Galen Low: Schöne Metapher.
Charlotte Bencaz: Wichtig ist auch, die Basis-Skills im jeweiligen Fachgebiet zu haben. Bei uns lernen z. B. alle Projektmanagement- und Führungsgrundlagen, um die Zusammenarbeit mit KI strategisch zu gestalten.
Galen Low: Klasse Herangehensweise!
Sasha Thackaberry-Voinovich: Projektmanagement ist bei uns in jedem Bachelor-Studiengang Pflichtbestandteil.
Galen Low: Projektmanagement ist das Fundament des Wandels!
Sasha Thackaberry-Voinovich: Genau.
Galen Low: Wechseln wir mal das Thema: Viele müssen neben ihrem Job und Familienpflichten neue Fähigkeiten erwerben. Welche wirksamen Taktiken habt ihr bei euren Teilnehmenden beobachtet, die trotz Zeitstress einen erfolgreichen Wechsel geschafft haben?
Sasha Thackaberry-Voinovich: Charlotte ist hier Vorbild und "aggressive Lernerin" – ich lerne täglich von ihr! Charlotte, magst du ein paar Tipps geben?
Charlotte Bencaz: Ich lese, was ich kann – zum Beispiel direkt von Fachleuten. Ich entscheide bewusst, ob ich ein Tool selbst entwickle oder auf vorhandene Lösungen setze. Wichtig ist: Prioritäten setzen – was kann man "fallen lassen"? Unsere Studierenden schätzen außerdem, dass sie unser Lernangebot häppchenweise nutzen können – z. B. eine Lektion während das Nudelwasser kocht. Integratives Lernen im Alltag ist möglich.
Sasha Thackaberry-Voinovich: Lernen ist eine Gewohnheit – das Gehirn wird neugierig auf Neues. Mit kleinen Lerneinheiten beginnt man, neues Wissen zu "verankern". Wichtig: Struktur, Visualisierung, einfach starten. Und ein Podcast wie dieser kann schon der erste Schritt sein.
Aber: Weiterbildung kostet Geld. Es gibt die Geschichte von den drei russischen Brüdern ...
Galen Low: Die kenne ich noch nicht!
Sasha Thackaberry-Voinovich: Der König gibt jedem der drei Söhne einen Schatz und sagt: "Wer von euch am besten abschneidet, bekommt mein Reich." Der erste Sohn verliert alles bei einem Schiffbruch. Der zweite wird ausgeraubt. Der dritte gibt alles für seine Bildung aus – und kehrt mit Wissen, Fähigkeiten und Führungsqualitäten zurück. Es ist eine Frage der Priorität – die wichtigste Investition ist heute die in die eigene Kompetenz.
Charlotte Bencaz: Insbesondere Frauen sind stärker belastet – sie müssen sich besonders gut vorbereiten. Viele klassische "Frauenberufe" sind laut aktueller Studien besonders von Umbrüchen betroffen. Deshalb: In sich selbst investieren, um die finanzielle Stabilität der Familie zu sichern.
Galen Low: Kombinieren wir diese beiden Punkte: Manche können sich Bildung nur schwer leisten – besteht die Gefahr, dass künftig nur noch Privilegierte weiterkommen und andere abgehängt werden? Was müssen Arbeitgeber & Bildungseinrichtungen tun, um faire Chancen zu schaffen?
Sasha Thackaberry-Voinovich: Ja, das ist ein echtes Problem. Genau deshalb haben wir diese Hochschule gegründet: Wir machen uns Sorgen um die schrumpfende Mittelschicht. Uns ist wichtig: Bildung muss radikal bezahlbar sein. Es braucht ein neues Modell – ein Studium darf keine 40.000 Dollar kosten. Man kann mit aktueller Technik tatsächlich heute schon Vieles günstiger abbilden. Und dabei ist es nicht nur möglich, sondern unsere Pflicht. Investition in Wissen darf nie eine Frage riesiger Verschuldung sein.
Charlotte Bencaz: Zeit ist hier ein Faktor. Ein "K-förmiges" Wirtschaftswachstum droht: Wer sich jetzt weiterbildet, profitiert – für andere könnte die Kluft bald unüberwindbar werden. Der richtige Zeitpunkt ist jetzt.
Galen Low: Ich mag das K-Modell. Früher hat der Arbeitgeber noch die Weiterbildung (z. B. MBA) bezahlt. Heute liegt die Verantwortung mehr beim Individuum. Deswegen braucht es günstige Modelle. Ein Unterschied zwischen "nur Podcasts hören" und echter, zertifizierter Entwicklung ist dabei spürbar: In strukturierter Gemeinschaft, mit echten Projekten und Betreuung, lernt man nachhaltiger. Die Zertifizierung öffnet mehr Türen als "1000 Stunden YouTube".
Können wir einen Blick in die nächsten zwei, drei Jahre wagen? Wird der Arbeitsmarkt völlig umgekrempelt, oder bleibt Spielraum, sich innerhalb des eigenen Feldes anzupassen statt einen Komplettwechsel machen zu müssen?
Sasha Thackaberry-Voinovich: Charlotte und ich werden vermutlich unterschiedliche Antworten liefern – ich lasse sie gern zuerst sprechen.
Charlotte Bencaz: Beim Lkw-Fahren etwa spielen autonomes Fahren und Robotik in Kürze eine Rolle, allerdings gibt’s noch viele Hürden. Die Bedingungen für Fahrer*innen sind sehr hart; übernehmen Maschinen das besser, können Menschen ihre Energie auf gesellschaftlich wichtige Aufgaben richten. Auch das Handwerk wird durch Robotik beeinflusst werden. Künftig könnten etwa Roboter unter dem Haus Reparaturen ausführen, während die Fachkraft beratend unterstützt.
KI wird letztlich alle Berufe berühren.
Galen Low: Gute Warnung: Nicht übereilt in scheinbare "sichere" Bereiche wechseln – auch dort gibt es Wandel.
Charlotte Bencaz: Noch wissen wir nicht, was wirklich sicher ist. Zukunftsmodelle wie das bedingungslose Grundeinkommen könnten eine Rolle spielen. Mir gefällt die Idee, menschliche Beziehungen und Fürsorge wieder mehr in den Fokus zu rücken.
Sasha Thackaberry-Voinovich: Ich bin etwas skeptischer: Seit 10 Jahren wird uns autonomes Fahren versprochen ... Bis heute muss ich klassisch ein Taxi nehmen. Die Adaption neuer Technologien dauert länger, oft gibt’s kulturelle und organisatorische Hürden. Es gibt Beispiele, wo der Mensch aus vertraglichen Gründen unersetzbar bleibt. Auch die Einführung in unmögliches Terrain – wie gebirgigen Straßen – bleibt schwierig. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Für den Wandel braucht’s Zeit.
Ich glaube nicht, dass wir abrupt millionenfach Arbeitslose erleben werden. Es entstehen neue Berufsfelder. Vorausgesetzt, man bleibt lernbereit – ein Muss im Wandel. Ohne kontinuierliches Lernen geht es nicht mehr.
Galen Low: Schönes Bild: Veränderung passiert auch auf dem Weg. Bildung sollte helfen, sich nicht zu überfordern, sondern ein Stück voraus zu sein. Teil unseres Selbstverständnisses sollte sein, kontinuierlich und agil zu lernen.
Charlotte Bencaz: Psychologen werden bald sehr gefragt sein! Veränderungsmanagement ist gefordert, weil Beruf und Identität in Amerika eng verbunden sind. Ein neuer Weg: Sich als "Lernende*r", als anpassungsfähige*r Profi verstehen.
Sasha Thackaberry-Voinovich: Unser Konzept: Statt Wissensarbeiter*innen streben wir "Power Worker" an. Anti-Fragilität – also die Fähigkeit zum Nutzen aus Chaos – ist heute entscheidend. Das Gehirn ist neuroplastisch: Wer sich Wandlungen öfter aussetzt, wird anpassungsfähiger und erfolgreicher.
Galen Low: Sasha, Charlotte, das war großartig. Zum Abschluss: Gibt’s etwas, das ihr mich fragen wollt?
Charlotte Bencaz: Ist dir im Gespräch ein Punkt aufgefallen, den du bei New State U noch vermisst? Dein Praxisblick interessiert uns sehr.
Galen Low: Besonders am Herzen liegt mir das Thema Community. Viele sprechen darüber, aber zu wenige lehren, wie echte Community entsteht – global, digital und kulturell divers. Gute Community muss gestaltet und gemanagt werden. Ich fände einen Kurs darüber spannend. Habt ihr sowas?
Sasha Thackaberry-Voinovich: Noch nicht, aber das kann schnell kommen ...
Charlotte Bencaz: Das ist ein sehr guter Hinweis. Das nehmen wir auf die Liste!
Galen Low: Es gefällt mir, euer Modell so praktisch zu sehen. Zugang zu wirklich relevanten, schnellen und bezahlbaren Lernangeboten ist essenziell. Für unsere Zuhörer*innen sind viele Impulse dabei, wie Lernen Gewohnheit werden und Teil der eigenen Identität werden kann.
Sasha Thackaberry-Voinovich: Absolut, genau so sehen wir das.
Charlotte Bencaz: Deine Art, Community zu gestalten, Galen, könnte ein tolles Praxisbeispiel für unseren neuen Community-Kurs sein.
Sasha Thackaberry-Voinovich: Du wärst unser perfekter Gastdozent!
Galen Low: Das war nicht geplant – aber ich würde gern! Es war mir eine Ehre, euch zu Gast zu haben. Alle relevanten Links gibt es in den Shownotes. Wenn Hörer*innen mit euch Kontakt aufnehmen wollen – wie geht das?
Sasha Thackaberry-Voinovich: Einfach über unsere Webseite newstateu.com, oder direkt per Mail an sasha@newstateu.com – bevorzugt über contact@newstateu.com, aber gern auch direkt!
Charlotte Bencaz: Wir sind auf vielen sozialen Netzwerken unter New State U vertreten – nicht allen, aber den meisten. Viele spannende Gespräche gibt es auf unserem YouTube-Kanal. Das ist ein guter Einstiegspunkt.
Galen Low: Super, ich verlinke alles in den Shownotes. Sasha, Charlotte, vielen Dank!
Charlotte Bencaz: Danke!
Sasha Thackaberry-Voinovich: Danke auch!
Galen Low: Das war's für heute beim "The Digital Project Manager" Podcast. Wenn dir diese Folge gefallen hat, abonniere uns dort, wo du hörst. Für noch mehr praxisnahe Insights, Use Cases und Playbooks erstelle dir ein kostenloses Konto unter thedigitalprojectmanager.com.
Bis zum nächsten Mal – danke fürs Zuhören.
