Galen Low spricht mit Candice Wyatt, Director of Project Management bei Red Door Interactive.
Candice ist eine erfahrene Führungskraft in den Bereichen Entwicklung digitaler Lösungen und Omnichannel-Markenkommunikation. Sie hat mit Marken wie WD 40, Titlest, Bosch, Intuit und Asics zusammengearbeitet. In ihrer Freizeit ist sie außerdem Autorin und engagierte Unterstützerin von Mädchen in der Technik.
Hören Sie rein, wenn sie darüber sprechen, ob Projektmanagement-Zertifizierungen heute noch wertvoll sind und wie Sie diese nutzen können, um den maximalen Return on Investment zu erzielen.
Interview-Highlights:
- Candice Wyatt ist eine erfahrene Führungskraft im Bereich der Umsetzung sowohl digitaler Lösungen als auch Omnichannel-Markenkommunikation. Sie hat mit Marken wie WD 40, Titlest, Bosch, Intuit und Asics gearbeitet. In ihrer Freizeit ist sie Autorin und engagierte Unterstützerin von Mädchen in technischen Berufen. [0:58]
- Aktuell ist Candice Director of Project Management bei Red Door Interactive, wo sie ein Team aus drei technischen Projektmanager:innen sowie acht Producer:innen und Programmmanager:innen leitet. [1:21]
- Die größte berufliche Herausforderung, mit der sie derzeit konfrontiert ist, besteht darin, den persönlichen und beruflichen Kontakt zu ihrem Team aufrechtzuerhalten. Und wie sie das Team in einer virtuellen Umgebung motivieren kann. [2:25]
Als Projektmanager:innen sind wir oft sehr strukturiert und möchten, dass alles nach Plan läuft, aber wir befinden uns gerade in einer Zeit, in der vieles nicht wie geplant verläuft.
Candice Wyatt
- Candice arbeitet bei Red Interactive. Das ist eine unabhängige, durchsetzungsstarke Full-Service- und Omnichannel-Marketingagentur. Sie begann dort als Koordinatorin. [5:02]
Ich habe das Glück, in einer Organisation zu arbeiten, die Lernen wertschätzt und Menschen unterstützt, die sich beruflich weiterentwickeln und persönlich wachsen möchten.
Candice Wyatt
- Candice hat persönlich ein Wochenend-Bootcamp zur Vorbereitung auf die Prüfung absolviert. Sie hat im Grunde ihr Leben zwei Monate lang geopfert. Montags bis freitags hat sie gearbeitet. Samstags und sonntags war sie jeweils acht Stunden im Bootcamp-Kurs. [7:07]
- Die zwei wertvollsten Dinge, die Candice im Rahmen der PMP-Zertifizierung gelernt hat, waren einerseits die greifbaren Werkzeuge und Techniken, vor allem was Planungstechniken angeht, und andererseits, dass sie viel Selbstvertrauen gewonnen hat. Selbstvertrauen darin, zu wissen, was Projektmanagement ist. [8:30]
Selbstvertrauen ist wirklich ein entscheidender Faktor, um sein volles Potenzial ausschöpfen zu können.
Candice Wyatt
- Die PMP ist weltweit anerkannt. Es ist die größte Zertifizierung, die am häufigsten auf der ganzen Welt gehalten wird. [11:41]
- Eine PMP-Zertifizierung bedeutet, dass man sowohl die Voraussetzungen für die Zertifizierung erfüllt hat, als auch auf dem neuesten Stand der Projektmanagement-Methodik bleibt, denn um die Zertifizierung aufrechtzuerhalten, muss man sogenannte PDUs (Professional Development Units) absolvieren. [12:59]
- Zur Aufrechterhaltung einer PMI-Zertifizierung wie PMP oder ACP (Agile Certified Practitioner) muss man kein PMI-Mitglied sein. [16:51]
- Beim PMI gibt es eine einmalige Gebühr. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, wie man seine PDUs verdienen kann, um die Zertifizierung alle drei Jahre zu verlängern. [17:35]
- Beim Einstellen von Mitarbeitenden hat Candice die PMP-Zertifizierung nicht zwingend vorausgesetzt, aber sie beeinflusst ihre Entscheidung, wen sie in den Auswahlprozess aufnimmt. [20:08]
- Bei Red Door lauten die Kernwerte I S.E.E. 100%. Das steht für Inspire (inspirieren), Share (teilen), Evolve (weiterentwickeln), Exceed (übertreffen). Und der bei allen beliebte Wert ist “100% jerk-free” (kein Platz für Idioten). [23:23]
Es geht wirklich darum, sich von Menschen zu unterscheiden, die denken, dass sie Projektmanager:innen sind, nur weil sie organisiert sind, und jenen, die sich die Zeit genommen haben, wirklich zu lernen und zu verstehen, wie Projektmanagement funktioniert.
Candice Wyatt
- Candice und alle ihre technischen Projektmanager:innen besitzen außerdem eine Zertifizierung in Growth-Driven Design (GDD). [27:42]
- Aus Candices Sicht ist die PMP die Grundlage, die für alle Methodologien sowie jedes Unternehmen relevant ist. [28:48]
Hol dir zuerst dein PMP, verschaffe dir eine richtig solide Grundlage und ergänze dann Dinge, die spezifisch für die Funktionsweise deines Unternehmens sind.
Candice Wyatt
- Bei Red Door arbeiten sie mit Kunden, für die sie oft Millionen an Marketingbudgets verwalten. [30:28]
Vertrauen entsteht dadurch, großartige Arbeit zu leisten und Zusagen einzuhalten
Candice Wyatt
- Bei Red Door gibt es eine Karrierepfad-Struktur mit unterschiedlichen Ebenen. Es gibt nicht nur Projektmanager. Sie haben Koordinatoren, Associates, Producers, technische Projektmanager und Senior Producer. [37:16]
Gastbiografie:
Candice Wyatt ist eine PMP- und PMI-ACP- zertifizierte Projektmanagement-Expertin und Director of Project Management bei der preisgekrönten Marketingagentur Red Door Interactive. Sie leitet die bereichsübergreifenden Producer, Programmmanager und technischen Projektmanager der Agentur und gründete vor vier Jahren das PMO (Project Management Office) der Agentur, das sie bis heute führt. Sie hat für namhafte Kunden wie WD-40, Titleist, Bosch und ASICS gearbeitet und war Co-Geschäftsführerin der Non-Profit-Organisation Girls in Tech in San Diego.

Ich habe das Glück, in einer Organisation zu arbeiten, die Lernen wertschätzt und Menschen aktiv unterstützt, die beruflich vorankommen und sich selbst weiterentwickeln möchten.
Candice Wyatt
Ressourcen aus dieser Episode:
- Tritt der Digital Project Manager Community bei
- Informiere dich über Red Door Interactive
- Vernetze dich mit Candice auf LinkedIn
Verwandte Artikel und Podcasts:
- Über den Podcast
- Artikel mit einem vollständigen Leitfaden zur Zertifizierung im Projektmanagement
- Artikel, der die gängigen Projektmanagement-Methoden einfach erklärt
- Video über eine Karriere im Projektmanagement – Ist das das Richtige für mich?
- Podcast über die besten Projektmanager-Zertifizierungen
- Artikel zu Wie man ein Projektmanagement-Portfolio für den Lebenslauf erstellt
- Podcast über PMP-Zertifizierung (und warum sie wichtig ist)
- Podcast über Die Zukunft des PMP, was fehlt und wie man die Lücken füllt
Das Transkript lesen:
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Galen Low:
Da war ich also, nachdem ich Dutzende Wochenenden und Abende dem Lernen geopfert hatte und mich von einer Übungsprüfung zur nächsten durchgekämpft hatte – ganz zu schweigen von dem platten Reifen und der anschließenden hektischen Taxifahrt, um rechtzeitig zur Prüfung zu kommen. Endlich hielt ich stolz ein Projektmanagement-Zertifikat in der Hand. Aber was nun? Hat sich der ganze Aufwand gelohnt? Habe ich Dinge gelernt, die ich in meinem Arbeitsalltag anwenden kann? Habe ich etwas gelernt, das für den Digitalbereich relevant ist? Falls Sie über den Wert eines Projektmanagement-Zertifikats nachdenken, ist diese Folge für Sie. Wir werden beleuchten, was eine Zertifizierung für Jobsuchende, für Führungskräfte und Organisationen im Digitalumfeld bedeutet.
Außerdem darauf eingehen, wie sich einige dieser Zertifikate weiterentwickelt haben, damit Sie eine fundierte Entscheidung treffen können.
Danke fürs Einschalten, mein Name ist Galen Low von The Digital Project Manager. Wir sind eine Gemeinschaft digitaler Profis mit der Mission, uns gegenseitig zu helfen – Kompetenzen zu erwerben, Selbstvertrauen zu gewinnen und uns zu vernetzen, um Projekte besser abzuliefern. Wenn Sie mehr darüber erfahren möchten, schauen Sie auf thedigitalprojectmanager.com vorbei.
Hallo zusammen, schön, dass Sie beim DPM-Podcast dabei sind. Mein heutiger Gast ist eine erfahrene Führungskraft für Delivery sowohl in der Entwicklung digitaler Lösungen als auch im Bereich Omnichannel-Marketingkommunikation. Sie hat für Marken wie WD 40, Titlest, Bosch, Intuit und Asics gearbeitet. In ihrer Freizeit ist sie Autorin und engagierte Unterstützerin von Girls in Tech.
Aktuell leitet sie als Director of Project Management bei Red Door Interactive ein Team von drei technischen Projektmanagern sowie acht Producers und Programmmanagern. Heute spricht sie mit mir über Projektmanagement-Zertifikate. Sind diese in der heutigen digitalen Welt noch wertvoll? Und falls ja, wie können Sie daraus das Maximum für Ihre Investition herausholen?
Begrüßen Sie bitte Candice Wyatt. Hallo Candice!
Candice Wyatt:
Hallo Galen. Hallo an alle Zuhörenden. Ich freue mich riesig, hier zu sein. Diese DPM-Community war für mich und mein Team seit vielen Jahren eine wichtige Ressource. Deshalb freue ich mich echt aufs Gespräch.
Galen Low:
Das freut mich zu hören. Wirklich toll. Es freut mich sehr, dass wir für dein Team eine Ressource waren – und jetzt bist du das für uns. Wie sich die Dinge wenden. Das ist großartig. Ich freue mich sehr, dass du heute dabei bist. Als wir uns das erste Mal begegneten, war das etwa acht Monate nach Beginn der globalen Pandemie.
Und heute ist es immer noch eine eigenartige Realität, aber mit mehr Hoffnung – die Impfstoffe werden eingeführt. Vielleicht kannst du mir aus dieser Perspektive sagen: Was sind gerade deine größten Herausforderungen in deinem beruflichen Alltag?
Candice Wyatt:
Ich glaube, das ist das, was gerade viele betrifft – sowohl privat als auch beruflich. Beruflich ist es vor allem die Frage: Wie bleibt man verbunden, sowohl persönlich als auch im Team? Und wie hält man die Motivation in einem virtuellen Umfeld hoch? Für uns bei Red Door war das relativ problemlos – wir waren schon sehr virtuell aufgestellt. Aber mit Kunden ist es schon anders; das persönliche Treffen findet einfach nicht mehr wie früher statt.
Galen Low:
Hast du gemerkt, dass manche Kunden deutlich angespannter oder gestresster sind? Also dass sich Lebensstress, Pandemiestress und Arbeitsstress verstärken?
Candice Wyatt:
Oh ja! Das ist eine ganz andere Liga, aber ich finde, dadurch haben sich viele persönliche Beziehungen gestärkt. Man sitzt in einem Meeting und plötzlich rennt das Kind im Hintergrund vorbei oder die Katze springt auf den Laptop. Solche Momente gab es vorher kaum – man lernt sich so doch noch mal anders kennen.
Galen Low:
Das gefällt mir. Es macht alles etwas menschlicher, oder? Hast du Tipps oder Methoden, wie du deine Kunden beruhigst und Dinge menschlich und locker hältst, wenn sie remote arbeiten und das für sie vielleicht neu ist?
Candice Wyatt:
Man muss mit viel Empathie herangehen. Wir Projektmanager sind oft sehr strukturiert und wollen, dass alles nach Plan läuft, aber zurzeit ist das eben nicht immer möglich. Wenn also in einer Sitzung etwas Unvorhergesehenes passiert, muss man lernen, gelassen und flexibel zu reagieren.
Das hat uns enorm geholfen und für viel Entspannung gesorgt.
Galen Low:
Ich mag es, etwas Strenge gegen Flexibilität einzutauschen – selbst wenn das unserer PM-Natur widerspricht.
Candice Wyatt:
Ja.
Galen Low:
Super. Lass uns zum Thema kommen: Sprechen wir über Projektmanagement-Zertifizierungen und ihre Relevanz im Digitalbereich – gerade 2021.
Das ist eine Frage, die mir viele stellen: Ob als Neueinsteiger im Digitalprojektmanagement, beim nächsten Karriereschritt, Führungskraft oder Agenturinhaber – man möchte die bestausgebildeten Teams haben.
Vielleicht können wir erstmal den Verlauf betrachten: Wie bist du zu deinem PMP gekommen? Was hat dich motiviert?
Candice Wyatt:
Ich arbeite bei Red Interactive, einer unabhängigen Fullservice-Marketingagentur für Omnichannel-Marketing. Gestartet bin ich dort als Koordinatorin.
Ganz frisch von der Uni ohne Marketingerfahrung. Ich bin jemand, der Dinge nicht halbherzig macht – ich will richtig gut darin sein. Also habe ich mich informiert: Welche Weiterbildung kann ich machen in dieser Rolle? Was macht ein Project Coordinator? Was bedeutet Projektmanagement überhaupt? Und da bin ich auf die PMP-Zertifizierung gestoßen. Zum Glück arbeite ich in einer Organisation, die Lernen und berufliche Weiterentwicklung fördert. Also habe ich gefragt: "Kann ich diese Zertifizierung machen?"
Und sie haben gesagt: Wenn du bereit bist, Zeit und Mühe zu investieren, übernehmen wir die Kosten. Es war also ein echtes Win-win: Die Firma bekam einen besseren Projektmanager, ich habe meine Karriere gezielt vorangebracht.
Galen Low:
Mir gefällt diese All-In-Mentalität. Man kommt ambitioniert in einen Beruf und fragt sich: Was für eine Ausbildung bringt mir den meisten Nutzen und wird auch anerkannt? Die meisten Zuhörer wissen das, aber…
Es handelt sich um eine prüfungsbasierte Zertifizierung des Project Management Institute (PMI). Die PMP-Prüfung ist berüchtigt – ungewöhnlich, mit vielen Voraussetzungen, die man erfüllen muss. Wie hast du dich darauf vorbereitet?
Candice Wyatt:
Es gibt viele Wege. Ich habe ein Wochenend-Bootcamp vor Ort gemacht, also montags bis freitags gearbeitet und samstags und sonntags acht Stunden Kurs. Ich kann Inhalte am besten in Präsenz aufnehmen, aber es gibt viele andere Möglichkeiten: Online-Kurse im eigenen Tempo, Lehrbücher, u.v.m. Wichtig ist, wie man selbst am besten lernt.
Galen Low:
Absolut. Ich habe das Gleiche gemacht – ein Präsenzkurs. Für mich war der Austausch mit Teilnehmern zu ihren Projekten und Zielen entscheidend.
Mein Tipp: Wenn es heute so einen Online-Kurs gibt oder wenn Präsenzkurse wieder möglich sind, unbedingt machen – trotz der langen Wochenenden nach einer stressigen Woche. Und jetzt die große Frage: Was hast du beim Erwerb der PMP-Zertifizierung gelernt, das wirklich wertvoll war?
Candice Wyatt:
Es gibt zwei Antworten: Einmal die konkreten Tools und Methoden, z. B. zum Thema Zeitmanagement – "Crashing" und "Fast-Tracking" – und welche Risiken damit verbunden sind.
Ich erinnere mich, wie ich das bei Red Door direkt anwenden konnte. Ich wusste, worauf ich achten muss, konnte Probleme früh erkennen und proaktiv handeln – das war der praktische Teil.
Der weniger greifbare Teil war das gewonnene Selbstvertrauen: Ich wusste, was Projektmanagement ist, welche Rolle ich habe, wie ich es mache. Selbstbewusstsein ist entscheidend, um sein volles Potenzial auszuschöpfen. Die leise Stimme, die an mir zweifelte, verstummte nach dem PMP.
Galen Low:
Das gefällt mir. Das PMP-Zertifikat wird häufig gescholten, weil das Bestehen der Prüfung manchmal mehr im Vordergrund steht als das eigentliche Management von Projekten.
Aber das PMBOK – der Wissenskörper – basiert auf Praxiserfahrung im großen Stil. Wir sprechen noch darüber, wie das immer digitaler wird. Aber du hast mir selbst gezeigt: Durch die Prüfungsvorbereitung habe auch ich mein Verständnis von Projektmanagement vertieft – auch wenn ich anfangs nur die Prüfung bestehen und das Zertifikat bekommen wollte.
Und das mit dem Selbstvertrauen! Man lernt von jahrzehntelanger, globaler Berufserfahrung.
Vielen ist klar: Es gibt nicht nur das PMP – sondern diverse Zertifikate im Bereich Projektmanagement.
Damit alle das gleiche Verständnis haben: Was meinen wir eigentlich, wenn wir von Projektmanagement-Zertifikaten sprechen?
Candice Wyatt:
Es gibt viele Zertifizierungsarten – weil es viele Methoden gibt.
Der PMP ist weltweit anerkannt und das verbreitetste Zertifikat. Darauf baut alles auf. Ein weiteres Schlagwort ist "Agile": Zertifizierungen wie Agile Certified Practitioner, Scrum Master, etc.
Je nach Organisation können auch andere Zertifikate sinnvoll sein, die zu den eingesetzten Methoden und Frameworks passen.
Galen Low:
Darf ich noch mal nachhaken: Kannst du zwischen einem Kurszertifikat und einem Zertifikat wie dem PMP unterscheiden?
Warum ist es anders, wenn man ein paar Initialen hinter dem Namen hat, im Vergleich zu einem Abschluss-Zertifikat nach ein paar LinkedIn-Learning-Videos?
Candice Wyatt:
Es geht um Glaubwürdigkeit. Ein Zertifikat wie das PMP bedeutet, dass man eine anspruchsvolle Qualifikation erworben und die Entwicklung der Disziplin verfolgt – denn zum Erhalt des Zertifikats muss man sogenannte PDUs – Professional Development Units – sammeln.
Für mich ist der Unterschied: Es gibt eine weltweit anerkannte Zertifizierung für unsere Disziplin. Wenn man sich selbst Projektmanager nennt – warum dann überhaupt überlegen, ob man sie macht?
Im Digitalbereich ist eine Google-Analytics-Zertifizierung für einen Analysten Standard – genauso sollte das PMP für Projektmanagement werden. Wenn Sie Ihre Karriere im Projektmanagement wirklich ernsthaft verfolgen, machen Sie die Arbeit und holen Sie sich die Zertifizierung.
Galen Low:
Die nächste spannende Frage: Viele in unserer Community zweifeln, ob das PMP für Digitalprojektmanagement relevant ist. Wie siehst du das?
Candice Wyatt:
Vor zwei, drei Jahren hätte ich noch anders geantwortet. Damals, vor etwa fünf Jahren, als ich meine PMP gemacht habe, dachte ich oft: Das ist nicht besonders relevant für digitale Projekte.
Heute sage ich: Das PMI hat sich stark weiterentwickelt. Die Prüfung wurde zum 1. Januar dieses Jahres grundlegend überarbeitet.
Heute geht es um Themen wie Teamführung, Konfliktmanagement, emotionale Intelligenz, virtuelle Teams und Verständnis für Geschäftsmodelle – das fehlte im alten PMP, ist aber heute stark vertreten und dadurch für digitale Projektmanager*innen relevanter denn je.
Galen Low:
Ich muss PMI da wirklich loben: Sie haben in den letzten Jahren auf die Branche gehört, erkannt, dass Projektmanagement immer digitaler wird – egal in welchem Bereich.
Es gibt heute eine andere Perspektive auf Digitalprojektmanagement. Manche halten Zertifikate und PMI für überteuert, vielleicht sogar eine eigene kleine Wirtschaft.
Wie stehst du zu dem Vorwurf, das Ganze sei nur Geldmacherei?
Candice Wyatt:
Als Marketingmensch weiß ich, dass vieles ums Geldverdienen geht – klar. Aber das bedeutet nicht, dass der Gegenwert nicht wertvoll ist.
Als ich mich vor einem Jahr für die Agile-Zertifizierung interessiert habe, spielte der Preis eine Rolle. Was viele nicht wissen: Man muss kein PMI-Mitglied sein, um das PMP oder ACP (Agile Certified Practitioner) zu behalten, und es gibt viele kostenlose Möglichkeiten, PDUs zu sammeln. Für manche Alternativen wie Scrum Alliance zahlt man alle zwei Jahre eine Verlängerungsgebühr; bei PMI ist es eher "one and done". Ich finde die Struktur bei PMI fair und weniger auf Abzocke als bei manchen Anbietern.
Galen Low:
Guter Punkt: Man bekommt etwas für die Gebühr, investiert aber nicht nur "blind" – es gibt viele Möglichkeiten für die Fortbildung, z. B. durch die tägliche Arbeit, Engagement, Content-Erstellung etc., ohne (weiteres) Geld auszugeben.
Candice Wyatt:
Definitiv.
Galen Low:
Kommen wir zu einem zentralen Wert der Zertifizierung: Sie kann ein Alleinstellungsmerkmal sein. Viele nutzen sie, um sich abzuheben, z. B. im Lebenslauf oder auf LinkedIn. Welche Rolle spielen solche Zertifikate aus Bewerbersicht – besonders im Recruiting?
Candice Wyatt:
Bei der Einstellung ist es für mich kein Muss – weil die PMP bisher für digitale Projektmanager*innen nicht immer so relevant war. Aber wenn die Wahl etwa zwischen fünf Bewerbenden ansteht und ein, zwei haben ein PMP – dann spielt das sicher eine Rolle, es signalisiert Einsatz und Leidenschaft.
Ich erinnere mich: Vor etwa fünf Jahren hatte ich zwei tolle Praktikanten-Bewerber, entschied mich für einen. Der andere schrieb mir drei Monate später, er habe das CAPM (das Einsteiger-PMI-Zertifikat) gemacht – das ist für Newcomer, die noch nicht genug Erfahrung für das PMP haben. Ich habe ihn dann in der nächsten Runde eingestellt, und er war super. Es zeigt Motivation, Antrieb und Commitment für den Berufsweg.
Galen Low:
Es zeigt eben, dass jemand sich ins Zeug legt, wirklich an seinem Handwerk interessiert ist, und die Inhalte sind ohnehin wertvoll. Es ist ein Indikator für echtes Engagement.
Candice Wyatt:
Und schläft dabei vermutlich gelegentlich ein über dem PMBOK.
Galen Low:
Oder hat den PMBOK sogar auswendig gelernt oder auf den Arm tätowiert. Absolut – als Differenzierungsmerkmal auf der Shortlist.
Was ist mit Agenturen und deren Kunden? Du meintest, dass in deinem Team fast alle das PMP haben. Warum ist das so wichtig?
Candice Wyatt:
Red Door lebt nach den Werten I S.E.E. 100%: Inspire, Share, Evolve, Exceed – und „100% jerk-free“.
Galen Low:
Großartig.
Candice Wyatt:
Ich bin überzeugt, wir können diese Werte in der Abteilung nur realisieren, wenn wir unser Fach meistern. Das PMP ist da ein Baustein. Wir können nicht wirklich Wissen teilen oder Erwartungen übertreffen, wenn wir nicht das anerkannteste Zertifikat besitzen.
Projektmanager sind Experten wie SEO-Spezialisten oder Datenanalysten. Es geht darum, sich abzugrenzen von Leuten, die nur organisiert sind, und denen, die echten Sachverstand und Wissen nachweisen.
Galen Low:
Gerade im Digitalbereich werden viele ungewollt zu Projektmanagern, weil sie kommunikationsstark und organisiert sind. Zertifikate bringen hier gezielt Knowhow und Glaubwürdigkeit. Bei anderen Disziplinen wie Data oder Analytics ist ein Zertifikat klarer Teil eines Karrierewegs – beim Projektmanagement sollte das genauso sein.
Candice Wyatt:
Projektmanagement gewinnt auch an Bedeutung, weil digitale Projekte immer komplexer werden. Unternehmen erkennen, dass PM für Projekterfolg entscheidend ist. Wer schon mal bei einem schlecht gemanagten Projekt war, weiß, wie stressig das ist – es gibt Budgetüberschreitungen, verpasste Deadlines etc.
Mit einem guten Projektmanager läuft vieles runder. Nie perfekt, aber es werden Herausforderungen gemeistert. Dann erkennt man, wie wichtig PM ist.
Galen Low:
Es gibt auch einen Skalierungseffekt: Ich hatte nach dem PMP größere Budgets und Projekte. Wenn bei einem Großprojekt etwas schiefgeht, ist das noch verheerender. Das steigert nochmals den Wert des PM.
Gibt es in deinem Team weitere relevante Zertifikate neben PMP/ACP?
Candice Wyatt:
Alle technischen PMs und ich haben eine Zertifizierung in Growth Driven Design (GDD) – eine spezielle Methode für Website-Bau und Redesign. Es gibt sehr viele Zertifikate, wichtig ist Branchen- und Organisationsrelevanz.
Galen Low:
Viele stehen vor der Entscheidung: Allg. Projektmanagement-Zertifikat oder doch z. B. eine Magento-Zertifizierung im E-Commerce-Kontext? Wie würdest du Prioritäten setzen?
Candice Wyatt:
Ich würde klar mit dem PMP beginnen – als Grundwissen, das auf alle Methoden und Organisationen anwendbar ist. Darauf kann man dann aufbauen und branchenspezifische Zertifikate erwerben.
Galen Low:
Guter Punkt: Das Fundament ist der PMP, die Spezialisierung kommt obendrauf.
Für Kund*innen – was bedeutet es, wenn du sagst: "Unsere PMs sind zertifiziert"?
Candice Wyatt:
Bei Red Door managen wir häufig Millionen-Marketingbudgets für Kunden. Da braucht es gegenseitiges Vertrauen. Die Zertifizierung signalisiert Professionalität und dass wir in unsere Mitarbeitenden investieren. Sie schafft von Anfang an Vertrauen – und natürlich muss dieses über die tatsächliche Leistung erhalten bleiben.
Galen Low:
Gab es schon Kunden, die das PMP explizit gefordert haben?
Candice Wyatt:
Vor allem bei staatlichen Kunden habe ich das erlebt, da gibt es oft die formale Anforderung an das PMP. Andere verlangen es nicht, aber wenn beim Kunden auch PMPs sitzen, merkt man sofort: Man spricht dieselbe Sprache. Zum Beispiel bei Begriffen wie "Crashing" im Zeitmanagement weiß jeder sofort, worum es geht.
Galen Low:
Gerade bei großen Projekten arbeiten oft mehrere PMs – ein gemeinsames Methodenverständnis ist Gold wert. Es ist wie ein MBA: Man beweist Knowhow, auch wenn man nicht direkt ein Unternehmen führt. Ein Zertifikat steht für eine gemeinsame Basis und eine Fachsprache, mit der alle effizient zusammenarbeiten und Risiken managen können.
Candice Wyatt:
Absolut.
Galen Low:
Kurze Frage zum Schluss: Ist es angeberisch, PMP in der E-Mail-Signatur oder im Titel zu führen?
Candice Wyatt:
Absolut nicht! Wer die PMP-Prüfung gemacht hat, weiß, das ist wirklich eine Erfahrung fürs Leben. Ich zeige es mit Stolz – wie andere das MBA hinter ihren Namen setzen. Ich habe es in der Signatur und im LinkedIn-Profil – meine Haltung: Die eigenen Erfolge ruhig zeigen.
Galen Low:
Stimme ich voll zu. Wer die Arbeit gemacht hat, kann das auch zeigen.
Candice Wyatt:
Ja.
Galen Low:
Und es hat Bedeutung.
Es bedeutet etwas. Für meinen BA (Bachelor of Arts) habe ich es nicht gemacht, aber das PMP habe ich im Lebenslauf – einfach, um die Botschaft zu senden.
Candice Wyatt:
Ja.
Galen Low:
Vielen Dank, Candice. Deine Einblicke sind extrem wertvoll. Besonders, dass das PMP eine Basiszertifizierung darstellt, die bedeutet: Man hat nicht nur die Prüfung bestanden, sondern hält aktiv sein Wissen in der Branche auf dem neuesten Stand – durch die Arbeit, Beiträge oder Training. Das hatte ich vorher nie so gesehen: Es zwingt einen quasi zur kontinuierlichen Weiterbildung, die für die Praxis wichtig ist.
Candice Wyatt:
Also – bist du jetzt ein Gläubiger?
Galen Low:
Ja, bin ich. Ich habe sogar überlegt, die neue Prüfung zu machen, nachdem du von den Änderungen erzählt hast! Ich finde es spannend, wie digital der Fokus jetzt ist, will aber lieber über PDUs lernen. Früher dachte ich, das PMP sei irrelevant, heute weiß ich: Die Grundlagen sind total nützlich. Ein zweites Examen mache ich trotzdem nicht…
Was würdest du Leuten raten, die ein PMO aufbauen oder ein Team leiten? Wie legt man das Niveau der benötigten Qualifikation fest? Ist es eher eine Frage der Komplexität der Projekte oder eine persönliche Entscheidung? Du hast gesagt, PMP ist bei dir keine formale Voraussetzung – aber dein Team ist in wenigen Monaten komplett PMP-zertifiziert.
Wie würdest du als Teamleiter das Anforderungsniveau festlegen?
Verwandter Podcast: Finding The Perfect Interlock Between Ops And PMO (mit Alyson Caffrey von Operations Agency)
Candice Wyatt:
Bei Red Door gibt es einen klaren Karrierepfad mit verschiedenen Stufen: Koordinatoren, Associates, Producer, technische Projektmanager, Senior Producer. Es kommt auf die Art der Projekte an – ein Koordinator kann kleinere Aufgaben übernehmen, für anspruchsvolle Programme braucht es Senior-Expertise.
Gerade auf den oberen Ebenen wird die Zertifizierung in meinen Augen wichtiger. Als wir das PMO bei Red Door aufgebaut haben, bin ich das wie ein Projekt angegangen: Stakeholder einbinden, Bedarf und Ziele klären, Lösung erarbeiten, Erfolgskriterien definieren, umsetzen, messen, daraus lernen und iterieren.
Galen Low:
Das gefällt mir: Visionen und Iteration, und wie die Werte von Red Door (z. B. Teilen und Übertreffen) durch das PMP in den Alltag integriert werden. Es geht nicht nur um ein weiteres Zertifikat, sondern um Prinzipien und gelebte Kultur.
Candice Wyatt:
Ganz genau.
Galen Low:
Top! Candice, vielen Dank für das Gespräch. Ich könnte stundenlang über PMP und Zertifizierungen reden. Vielleicht machen wir eine zweite Runde, wenn ich (oder auch andere!) das neue Curriculum noch besser kennengelernt haben.
Lass uns das für eine nächste Session aufheben! Es war wirklich ein Vergnügen – danke für den tollen Austausch.
Candice Wyatt:
Vielen Dank, macht weiter so! Euer Content und eure Education sind einfach klasse für die Digital-Projektmanagement-Community.
Galen Low:
Vielen Dank!
Und jetzt sind Sie dran: Haben Sie ein Projektmanagement-Zertifikat? Was hat es Ihnen gebracht? Was würden Sie heute anders machen? Teilen Sie Ihre Geschichte. Wurde von Ihnen je ein bestimmtes Zertifikat gefordert? Hat Ihnen das PMBOK im Alltag geholfen?
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