Es kann schwierig sein zu wissen, was zu tun ist, wenn man seinen Job hasst. Aber wenn die besonders anstrengenden Tage und die Sonntagsangst einfach nicht abklingen, ist es vielleicht an der Zeit, seine Optionen zu prüfen. Einen Job- oder Berufswechsel in Erwägung zu ziehen, kann eine unglaublich entmutigende Aufgabe sein, aber angesichts der Zeit, die man bei der Arbeit verbringt, ist es wichtig, auf das eigene Bauchgefühl zu hören und eine Arbeit zu finden, die einen glücklich macht.
Eine Studie der University of Manchester hat sogar herausgefunden, dass eine Tätigkeit, die einen unglücklich macht, schädlicher für die eigene Gesundheit und das Wohlbefinden sein kann als arbeitslos zu sein. Deshalb sollte man sicherstellen, wirklich für eine bessere Perspektive zu gehen, nicht nur für mehr vom Gleichen.
Wenn einem erst einmal klar geworden ist, dass man seinen Job wirklich hasst, ist es wichtig, tiefer zu hinterfragen, welche Aspekte zu diesem schlechten Gefühl beitragen.
Nachfolgend sind einige der häufigsten Gründe aufgeführt, warum Mitarbeitende sich für einen Wechsel entscheiden, und es ist gut möglich, dass du dich in einem oder allen dieser Faktoren wiedererkennst:

Ich habe ein Problem mit dem Unternehmen selbst
„Ich wünschte, mein Chef würde sich zurückhalten und mich einfach meine Arbeit machen lassen.“
Es ist ein bekanntes Sprichwort: Mitarbeitende kündigen nicht den Job, sondern ihre Chefs – und das kann definitiv ein Hauptgrund dafür sein, einen Job zu hassen. Wenn du dich in der Zusammenarbeit mit deiner Führungskraft oder anderen Verantwortlichen im Unternehmen nicht wohl fühlst, kann das alle Aspekte des Jobs ruinieren, die dir eigentlich Spaß machen. In so einem Fall ist es immer ratsam, mit der Personalabteilung zu sprechen, eventuelle Bedenken anzusprechen und zu versuchen, einen Plan zu entwickeln, um die Zusammenarbeit mit deiner Führungskraft zu verbessern. Oder du scheust dich nicht, nach einem Wechsel in ein anderes Team innerhalb des Unternehmens zu fragen.
Aber selbst wenn dein Chef unterstützend ist und du eine gute Arbeitsbeziehung hast, kann es größere, allgemeinere Probleme mit der Unternehmenskultur geben, die dich dazu bringen, nach Stellenanzeigen zu schauen.
„Wenn sie nur ändern würden, wie wir [dies] machen, wäre alles viel leichter zu managen. Alle sind wirklich unzufrieden und müssen an Wochenenden arbeiten, und ich kann es nicht ändern.“
Häufige Probleme wie fehlende Work-Life-Balance, die ständige Erreichbarkeit für Kundenanliegen oder sogar ein Stillstand im Unternehmenswachstum führen oft zu der schleichenden, schmerzhaften Erkenntnis, dass man weitermachen muss. Leider ist es für die Führung äußerst schwierig, eine Veränderung der Unternehmenskultur anzustoßen (hohe Produktivität und Profitabilität lassen das Wohlbefinden der Belegschaft oft außer Acht) und es ist ein langer Prozess, um die Vorteile echter, nachhaltiger Veränderungen zu erfahren. Trotzdem lohnt es sich auf jeden Fall, zu Wort zu kommen, sobald sich diese Warnsignale zeigen – selbst wenn du am Ende einen neuen Job findest, machst du das Leben künftiger Neuzugänge vielleicht ein wenig leichter.
Auch wenn sich eine Unternehmenskultur im Vorstellungsgespräch schwer einschätzen lässt, solltest du dich ermutigt fühlen, die Personalverantwortlichen oder deine künftigen Vorgesetzten bei den Gesprächen gezielt zu diesen Themen zu befragen („Haben Sie das Gefühl, dass Sie eine gute Work-Life-Balance haben?“ „Wie oft müssen die Mitarbeitenden normalerweise Überstunden oder Wochenendarbeit machen?“ „Wie lange sind Sie schon bei der Firma?“). Wenn du zu einem persönlichen Interview gehst, bitte um eine Führung durch das Büro und achte auf die Atmosphäre – unterhalten und treffen sich die Mitarbeitenden oder arbeiten die meisten schweigend und auf ihre Arbeit fokussiert an ihren eigenen Schreibtischen? Neben direkten Fragen solltest du auch Erfahrungsberichte auf Glassdoor lesen, um aus erster Hand von früheren Mitarbeitenden zu hören, wie ihre Erfahrungen im Unternehmen waren.
„Wenn du zu einem persönlichen Interview gehst, bitte um eine Führung durch das Büro und achte auf die Atmosphäre – unterhalten und treffen sich die Mitarbeitenden oder arbeiten die meisten schweigend und auf ihre Arbeit konzentriert an ihren Tischen?“
Ich habe Schwierigkeiten im Umgang mit Kunden und Arbeitsbelastung
„Mein Kunde ist extrem unvernünftig und respektiert mich nicht – ich hasse unsere wöchentlichen Calls.“
Was aber, wenn es die Kunden oder Projekte sind, die das Unternehmen hereinholt, die dich zur Verzweiflung treiben? Es könnte sein, dass die SOWs oder die Arbeitsprozesse deines Unternehmens verbessert werden müssen, um dich besser vor Scope Creep oder anderen typischen Problemen zu schützen, die zu Konflikten zwischen Kunden und Projektmanager führen können. Notiere die häufigen Probleme, die du hörst (sei es von den Kunden oder vom Team) und prüfe, wo Vorschläge oder Prozesse aktualisiert werden können, um so bereits vor Projektstart die Erwartungen besser zu managen und den Projektverlauf zu glätten.
Du kannst auch darum bitten, Projekte oder Accounts an andere Teammitglieder abzugeben, wenn du denkst, dass es sich nur um einen schwierigen persönlichen Draht handelt und ein/e Kollege/Kollegin besser mit dem Kunden auskommt. Sollte der Kunde schlicht zu schwierig sein, ist es auch möglich und ratsam, dies zu eskalieren – manchmal müssen die Geschäftsbeziehungen komplett beendet werden.
„Das sind einfach zu viele Projekte, um sie gleichzeitig zu steuern, und die Kunden verlangen zu viel von einer einzelnen Person.“
Wenn dir der Job zusetzt, egal welcher konkrete Kunde es ist, möchtest du vielleicht in einer kleineren (oder größeren) Agentur arbeiten, die mit einer anderen Art von Klientel zusammenarbeitet. Du kannst dich auch nach Agenturen mit einer bestimmten Mission oder Spezialisierung umsehen, die Kunden und Projekte haben, die dich interessieren und bei denen du dich auf die Arbeit freuen kannst.
Ich habe das Gefühl, dass die Rolle nicht zu mir passt
„Anfangen ist einfach, aber die anderen Aufgaben – all die Abstimmungen und Berichte – sind eine echte Qual.”
Vielleicht kannst du dein Unwohlsein weder auf das Unternehmen noch die Kunden zurückführen und stellst fest, dass die Rolle selbst einfach nicht ganz das Richtige für dich ist. Projektmanagement erfordert viele Hard Skills, viele Soft Skills und gewiss einiges an mentaler Akrobatik, um all die beweglichen Teile im Gleichgewicht zu halten.
Du kannst damit beginnen, herauszufinden, wo deine zentralen Projektmanagement-Fähigkeiten liegen und wo du gezielt Verbesserungen angehen kannst, um dir deinen Arbeitsalltag zu erleichtern – mehr Erfolg führt oft zu weniger Stress. Du kannst auch selbst einschätzen, wo du deine Fähigkeiten noch erweitern möchtest. Vielleicht bist du richtig gut in Planung und Organisation, redest gerne mit Stakeholdern und leitest souverän Meetings, aber möchtest mehr über Best Practices im UX-Design erfahren oder den Denk- und Arbeitsstil deiner Entwickler besser verstehen, um sie besser unterstützen zu können – such dir ein Thema, über das du mehr wissen möchtest, und lass deiner Neugier freien Lauf!
„Such dir etwas aus, worüber du mehr wissen möchtest, und lass deiner Neugier freien Lauf!“
Einige Aspekte dieser Position haben dich womöglich ursprünglich angelockt, aber wenn du andere Aufgaben immer mehr hasst oder sie dir zu viel abverlangen, kannst du die Fähigkeiten, die du hast, auch in eine andere Berufslaufbahn einbringen. Zum Glück sind viele der Kompetenzen, die Projektmanager benötigen, äußerst vielseitig und gefragt – selbst wenn du das Gefühl hast, dass die gesamte Bandbreite des digitalen Projektmanagements nicht zu dir passt, kannst du die Bereiche, in denen du dich sicher fühlst, nutzen, um mit diesem Wissen und dieser Erfahrung in einen anderen Karriereweg einzusteigen. Wenn du den direkten Kundenkontakt reduzieren möchtest, könnte das Produktmanagement besser zu dir passen und einen relativ leichten Umstieg ermöglichen. Oder vielleicht reizt dich eine aktivere Rolle in der Geschäftsentwicklung, wenn du Spaß daran hast, neue Kunden zu gewinnen, aber beim Projektlebenszyklus selbst das Interesse verlierst. Außerhalb der Digitalbranche könntest du es mit Eventplanung, Buchhaltung oder Recruiting versuchen – die Fähigkeit, viele Dinge gleichzeitig im Blick zu behalten und organisiert zu bleiben, verschafft dir in fast jedem Bereich einen Vorteil.
„Ich wurde eingestellt, weil ich alle nötigen Fähigkeiten habe. Aber ich habe keine Ahnung, was ich eigentlich mache.“
Die richtigen Fähigkeiten für das Projektmanagement zu haben, reicht nicht immer aus, um Projekte erfolgreich zu führen. Viele Unternehmen gehen fälschlicherweise davon aus, dass praktische Einarbeitung überflüssig ist, wenn ein Mitarbeiter über die nötigen Kompetenzen verfügt. Das stimmt nicht immer. Wie bei anderen Rollen braucht auch ein Projektmanager regelmäßige Schulungen zu fachlichen und sozialen Kompetenzen, um im Job erfolgreich zu sein. Sprich mit deiner Personalabteilung, wenn in deinem Unternehmen keine regelmäßigen Workshops für Projektmanager organisiert werden. Es ist auch sinnvoll, mit den jeweiligen Stakeholdern zu sprechen, ihre Probleme zu verstehen und herauszufinden, wie sie Projekterfolg bemessen. Das Verständnis dieser unterschiedlichen Erwartungen hilft dir, Benchmarks und Meilensteine zu setzen, die klare Orientierungspunkte bieten, wie ein Projekt vorangebracht werden kann.
Was kommt also als Nächstes?
Kommt dir das alles nur zu bekannt aus deiner aktuellen Situation vor? Es gibt auf jeden Fall Möglichkeiten, die du ausschöpfen kannst, bevor du deinen Job kündigst – hab also keine Angst, offen deine Meinung zu sagen und zu versuchen, deine derzeitige Lage zu verbessern. Ein Neuanfang in einem neuen Job bietet jedoch ebenfalls viele Möglichkeiten, von Anfang an eine bessere Ausgangsposition auszuhandeln.
