Die Navigation durch staatliche Förderprogramme und Finanzierungsmöglichkeiten kann sich anfühlen, als müsste man antike Runen entziffern – doch für Projektleiter im Bereich Innovation und F&E kann das Knacken dieses Codes ein echter Gamechanger sein. In dieser Folge spricht Galen mit Rachel Huang, Gründerin von ClaimKit, darüber, wie öffentliche und private Finanzierungsmechanismen für Startups und Innovationsprojekte zugänglicher – und schneller – werden können. Mit ihrer Erfahrung als Chemieingenieurin, Expertin für Technologietransfer und ehemalige Profi-Tennisspielerin zeigt Rachel, wie sie Unternehmen dabei unterstützt, Kapital durch automatisierte, menschlich begleitete Förderanträge zu sichern.
Sie beleuchten die oft wenig genutzte Welt der F&E-Steuergutschriften, räumen mit dem Mythos auf, dass nur große Unternehmen davon profitieren, und zeigen auf, warum kleinere, wendigere Teams möglicherweise besser in der Lage sind, schnell zu innovieren – vorausgesetzt, sie können Fördermittel erschließen. Von der Navigation durch komplexe Anspruchsregeln bis hin zur Neuinterpretation von Fördermittelanträgen als strategisches Werkzeug statt als bloßes Anhängsel – diese Folge bietet einen praxisnahen Einblick, wie man Innovationen in einer sich schnell verändernden und wettbewerbsintensiven Welt finanzieren kann.
Das lernst du in dieser Folge
- Warum F&E-Fördermittel zugänglicher sind, als man denkt
- Wie Automatisierung und KI den Förderantragsprozess beschleunigen können
- Häufige Hindernisse, die Unternehmen vom Zugriff auf verfügbare Fördermittel abhalten
- Wie Finanzierungsstrategien dazu beitragen können, die Reichweite zu verlängern oder Innovationsprojekte abzusichern
- Die tatsächliche Rolle staatlicher Fördermittel in Innovationsökosystemen
Wichtige Erkenntnisse
- Komplexität ist die Hürde, nicht die Verfügbarkeit: Staaten finanzieren Innovation, aber die Antragsverfahren sind langsam, undurchsichtig und einschüchternd. Das Geld ist vorhanden – das Nadelöhr ist der Zugang.
- Interpretieren, nicht nur antworten: Erfolgreiche Förderanträge erfordern mehr als wörtliche Antworten. Verstehe die eigentliche Absicht hinter jeder Frage – denke wie der Bewerter.
- Geschwindigkeit ist Strategie: Startups leben davon, schnell zu handeln. Die Automatisierung von Förderanträgen und die Synchronisation mit Rohdatenquellen (wie Jira und GitHub) kann Durchlaufzeiten und Aufwand drastisch reduzieren.
- Förderfähigkeit heißt nicht Nähe: Auch wenn du nicht physisch in einer förderfähigen Region ansässig bist, können Partnerschaften oder gezielte lokale Einstellungen dazu beitragen, Zugang zu regionengebundenen Mitteln zu erhalten.
- Positives Risiko lohnt sich: Ein Förderantrag ist nicht nur Bürokratie. Er kann ein aktiver Weg sein, Projekte abzusichern, einen größeren Projektumfang zu ermöglichen und aufgeschobene Initiativen wiederzubeleben.
Kapitel
- 00:00 – Ist staatliche Innovationsförderung kaputt?
- 00:54 – Wer ist Rachel Huang?
- 02:00 – Die Komplexitätsbarriere
- 05:12 – Von Profi-Tennis zu Technologie
- 09:21 – Die Realität der Antragstellung
- 14:07 – ClaimKit aufbauen
- 16:50 – Wie F&E-Anreize funktionieren
- 20:31 – Den Prozess automatisieren
- 25:02 – Vorteile für Projektmanager
- 30:18 – Strategische Maßnahmen
- 33:27 – Globale Chancen
- 36:29 – Die Zukunft der Innovation
- 39:52 – Galens Trickantwort
- 42:07 – Wo du mehr erfahren kannst
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Rachel Huang ist Co-Founderin von ClaimKit und unterstützt Unternehmen dabei, mit datengestützten Tools Schadensfälle und ihr Risikomanagement zu optimieren. Mit einer starken Basis in Produktstrategie und Technologie bringt Rachel Leidenschaft für die Lösung komplexer betrieblicher Herausforderungen mit und ermöglicht Teams, effizienter zu arbeiten. Ihre Führung verbindet kundenorientiertes Denken mit praxisnaher Innovation und macht sie zu einer vertrauenswürdigen Stimme, wenn es darum geht, Lösungen zu entwickeln, die Arbeitsprozesse vereinfachen und die Leistungsfähigkeit von Organisationen in der modernen digitalen Welt steigern.
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Galen Low: Erfüllt unsere Regierung ihre Versprechen, Innovationen zu fördern, ausreichend? Und falls nicht, was sind die größten Hürden?
Rachel Huang: Es ist einfach sehr langsam. Dieser Prozess kann von ein paar Monaten bis sogar zu Jahren dauern. Er ist auch sehr kompliziert. Viele wissen nicht, wie man so einen Antrag schreibt, und die Antragsquote bzw. Nutzung ist manchmal nicht besonders hoch, einfach weil es kompliziert ist.
Galen Low: Siehst du, dass sich die Welt der technologischen Innovation und Kommerzialisierung in naher Zukunft verändert? Und haben kleine, flexible Firmen in dieser Zukunft überhaupt noch Platz?
Rachel Huang: Ob es sich ändern wird, weiß ich nicht genau. Aber ich denke, wenn es um große Tech-Unternehmen und kleine, agile Startups geht, ist das größte Thema...
Galen Low: Willkommen zum „Digital Project Manager Podcast“ – der Show, die Führungskräften im Projektmanagement hilft, klüger zu arbeiten, reibungsloser zu liefern und ihr Team mit Selbstvertrauen ins Zeitalter von KI zu führen. Ich bin Galen, und jede Woche tauchen wir in praxisnahe Strategien, neue Trends, bewährte Modelle und gelegentliche Geschichten von der Projekt-Front ein. Ob Sie große Transformationsprojekte steuern, KI-Workflows bändigen oder einfach das tägliche Chaos beherrschen wollen – Sie sind hier richtig. Los geht’s.
Heute sprechen wir über Förderungen und andere Finanzierungsmöglichkeiten für Innovationsprojekte: wo man sie findet, wie sie F&E Projekte zum Start verhelfen und wie man den schwierigen Antragsprozess vereinfachen kann.
Mit mir ist heute Rachel Huang, Gründerin von ClaimKit. Rachel war professionelle Tennisspielerin und Chemieingenieurin, bevor sie ihr Leben in Australien aufgab, nach San Francisco zog und Seriengründerin wurde. Ihr aktuelles Projekt nutzt ihre Erfahrung mit Technologietransfer, um Teams dabei zu unterstützen, öffentliche und private Fördermittel mithilfe einer vollständig automatisierten Dokumentations- und Antragsabwicklung zu entdecken und zu nutzen.
Rachel, danke, dass du heute hier bist.
Rachel Huang: Hallo, schön hier zu sein.
Galen Low: Ich habe mich sehr gefreut, als wir uns auf dieses Thema geeinigt haben. Deine bisherigen Geschichten fand ich immer spannend – besonders dein Hintergrund. Dazu kommen wir gleich noch, aber es ist ein Thema, über das wir selten sprechen, besonders hier im Podcast.
Finanzierung – die ewige Herausforderung im Projektmanagement, oder? Budget. Finanzierung sichern und Ressourcen effektiv einsetzen, manchmal werden Projekte alleine mangels Geld gestoppt oder gestrichen. Über F&E-Förderungen und alternative Finanzierungsquellen haben wir aber noch nie gesprochen.
Ich weiß aus unseren bisherigen Gesprächen, dass du schnell handelst und wir eigentlich überall hin abbiegen können, aber ich stelle einfach mal direkt die große Frage: Erfüllt die Regierung ausreichend ihr Versprechen, Innovationen zu fördern, und was sind die größten Hürden, die du bei der Verbindung zwischen staatlichen Zuschüssen bzw. F&E-Förderung und den kleinen, agilen Unternehmen siehst, die wirklich Innovationen vorantreiben?
Rachel Huang: Am Anfang würde ich sagen, es könnte immer besser sein, aber auch deutlich schlechter. Es gibt verschiedene Zuständigkeiten und jede Regierung macht etwas anderes. Aber generell sehe ich bei der Arbeit mit unterschiedlichen Startups, dass es einfach sehr langsam ist.
Ganz gleich bei welcher Regierung, der Prozess kann von mehreren Monaten bis zu Jahren dauern. Es ist kompliziert, viele wissen nicht, wie man so einen Antrag schreibt, und es gibt viele verwirrende Fragen, die im Tagesgeschäft kaum jemals relevant sind. Doch Förderanträge fragen genau danach, zum Beispiel aus Gründen der Berechtigung oder um möglichst gut in ihr Raster zu passen.
Es gibt also viele Budgets, die regelmäßig angekündigt werden, es ist viel Geld da. Aber im Hinblick auf die Antragsquote und Nutzung wird es manchmal nicht ausgeschöpft – einfach, weil es zu kompliziert ist. Wer sich die Zeit nimmt und einen Antrag stellt, gewinnt oft – aber nicht immer dann, wenn man das Geld wirklich braucht. Darauf können wir später eingehen. Insgesamt machen sie zwar einiges, und das kann sehr gut sein, aber die Frage ist, wie Firmen das besser nutzen können.
Galen Low: Es ist lustig, weil es für mich persönlich einfach dazu gehört – vor allem hier in Kanada. Alles läuft etwas behäbig und bürokratisch ab.
Das ist eben so. Es ist kompliziert. Man braucht quasi einen Leitfaden für den Leitfaden, um überhaupt herauszufinden, wie man etwas beantragen kann. Aber alles bewegt sich momentan sehr schnell und es herrscht ein gewisser Zugzwang. Ich habe viel im öffentlichen Sektor gearbeitet, ich verstehe also schon das Prinzip, dass man sorgsam mit Steuergeldern umgehen muss.
Natürlich braucht es gewisse Vorgaben, aber ja, es könnte alles etwas schneller gehen, damit Innovationen wirklich möglich werden. Klar, es gibt immer Leute, die versuchen, das Geld abzugreifen, auch ohne Anspruch darauf zu haben. Eine gewisse Kontrolle ist also nötig. Aber du hast recht – etwas mehr Tempo wäre wirklich hilfreich.
Rachel Huang: Und es könnte deutlicher werden, was man eigentlich sucht und wie man es bekommen kann.
Galen Low: Ja, bei der Prüfung ist das in Ordnung, aber man sollte zur Antragstellung nicht einen Geheimcode knacken müssen. Gut. Lass uns etwas weiter ausholen, denn ich habe schon erwähnt, dein Hintergrund in Technologie-Kommerzialisierung ist auffällig und auch dein Weg dahin besonders spannend.
Kannst du erzählen, wie du von der Profi-Tennisspielerin zur Tech-Startup-Gründerin wurdest, und welches deine Rolle und Erfahrungen im Bereich Technologietransfer waren?
Rachel Huang: Danke, dass du mein Erlebnis spannend findest. Ich war sechs Jahre alt, als ich zum ersten Mal einen Tennisschläger in der Hand hielt und gleich Profi werden wollte.
Mit zehn zog ich nach Australien, trainierte täglich und nahm am Wochenende an Turnieren teil. Ich kam bis unter die Top 102 – ich weiß meine genaue Platzierung nicht mehr – im australischen Damtennis, als ich 15 war und begann, weltweit zu spielen. Aber ich verletzte mich, wie viele andere Spieler auch, und wechselte zum Studium der Chemieingenieurwissenschaften und Biomedizin.
Noch während des Ingenieurstudiums entdeckte ich das Unternehmertum im Rahmen eines Ingenieurwettbewerbs: Wir entwarfen eine Windturbine, die großen Anklang fand. Als ich 18 war, bekamen wir eine Förderung in einem Acceleratoren-Programm. So entdeckte ich meine Leidenschaft dafür, Probleme schnell, sinnvoll und für die Menschen relevant zu lösen.
Seitdem war ich mal in, mal außerhalb von Startups, arbeitete als Beraterin, bis ich bei einem Forschungs-Kommerzialisierungsprojekt im Bereich Abwasser landete. Mit meinen Fähigkeiten als Chemieingenieurin half ich, diese Technologie aus der Universität zu vermarkten.
Ich hatte nicht erwartet, wie langsam alles ist und wie viele Beteiligte man überzeugen muss. Das war mein erster Kontakt mit dem Projektmanagement – sehr fordernd, aber eine wertvolle Erfahrung. Schließlich habe ich mich in das Technologietransfer-Büro der Uni „eingeschleust“, da ich die dortigen Stakeholder überzeugen musste. Ich landete dort einen Job, arbeitete ein Jahr und stellte dann fest: Es passt nicht zu meiner Geschwindigkeit.
Es war eine Mischung aus plötzlichem Schlussstrich und wohlüberlegtem Rückzug. Plötzlicher Schlussstrich, weil ich irgendwann an einem Punkt ankam, an dem ich wusste: Es bringt nichts mehr – Zeit, zu gehen. Berechneter Rückzug, weil sich nach Jahren nichts bewegte und es einfach nicht zu meinem Tempo passte.
Galen Low: Das scheint sich wie ein roter Faden durchzuziehen. Ich hätte schon erwartet, dass du sagst, der Bruch kam wegen der Langsamkeit, oder weil es ja nur eine „Undercover-Mission“ für dein anderes Projekt war.
Ich finde das inspirierend — von einer Profisportlerin, was unheimlich viel Durchhaltevermögen und Disziplin verlangt, zu dem zu wechseln, was du jetzt tust. Was mir gefällt: Das Streben nach Geschwindigkeit, Schnelligkeit als Wert, dass dich das „Erdrückende“ des Komplexen und Langsamen frustriert. Gerade im Zusammenspiel mit der Regierungsseite, wo man selten für Agilität oder Tempo bekannt ist. Und jetzt erkenne ich, warum es dir so wichtig ist, den Zugang zu Förderungen zu vereinfachen und zu beschleunigen. Warst du im Zuge des Abwasserprojekts und anderer direkt in viele Förderanträge eingebunden bzw. hast du dabei Fördergelder erhalten?
Rachel Huang: Ja, das habe ich noch nicht erwähnt: Ich arbeitete bei KPMG im Bereich Fördermittel und F&E-Steuergutschriften. Eigentlich war Corporate nie mein Ziel, aber ich habe dort viel gelernt. Ich habe verschiedenste Kunden – von Konzernen bis Startups – dabei unterstützt, Hunderte von Millionen Dollar an Fördermitteln und Steuergutschriften zu beantragen. Dabei lernte ich, Anträge nach Kriterien zu schreiben.
Bei KPMG gab es zu jeder Frage nicht nur die Formulierung der Website, sondern auch eine „Übersetzung“: Man beantwortete nicht, was da steht, sondern die darunter liegende Frage. Das hat mich gelehrt, nie nur an der Oberfläche zu kratzen – man muss tiefer gehen und verstehen, was gefragt und wofür ein Antrag genehmigt werden soll. Das half mir später in der Forschungskommerzialisierung enorm.
Ich stellte mir bei jedem Antrag die Frage: Was steckt wirklich dahinter? Was will die Behörde erfahren? Dann stellte ich zahlreiche Förderanträge, von Bundesmitteln bis hin zu kleinen privaten Stiftungen. Es war ein Prozess, der bis zu acht Monate dauern konnte. Schon bei meiner Forschungs-Kommerzialisierung habe ich einen Förderantrag dreimal gestellt – nach zwei Absagen wurde er erst bewilligt, als ich schon gekündigt hatte. Ich kündigte im Januar, bekam im März die Zusage, aber war schon weg.
Galen Low: Das Projekt lief dann aber weiter?
Rachel Huang: Ja, die restliche Gruppe profitiert von dem Geld, es wurde ein Eigentumsübergang gemacht. Brisant war es, weil ich Antragstellerin und leitende Wissenschaftlerin war. Das hat innerhalb der Gruppe zu vielen Sorgen geführt – zeigt, welchen Ruf Förderprozesse haben. Man weiß nicht, ob das Geld noch kommt, wenn die Führungskraft weg ist. Seitdem habe ich viele Gründer beraten, bin wieder in der Startup-Szene aktiv und habe Marktforschung betrieben.
Anfangs stand Projektmanagement im Fokus, weil dort jeder eine Meinung hat und Optimierungsspielraum sieht – aber der Markt ist riesig, du kannst nicht gleich Jira ersetzen. Was mir besonders hängen blieb: Der CTO eines erfolgreichen Startups sagte, er verbringe sehr viel Zeit mit dem Sammeln von F&E-Dokumentationen. Ob ich nicht das Projektmanagement-Tool einfach direkt darauf anwenden könnte?
Ich sagte: Ja! Ich kann nicht nur das Projektmanagement auf F&E anwenden, sondern auch automatisch komplette Anträge schreiben. Das spart zigtausende Dollar, denn die Konzerne zahlen viel Geld an Beratungen, erledigen aber selbst den Großteil der Arbeit und liefern die Unterlagen.
Ich stellte das einigen Startups vor, die alle sofort mitmachen wollten: Wenn sie nicht zufrieden waren, gab es Geld zurück. Und ich drehe alles so schnell um, dass kaum Zeit verloren geht – nur abhängig von der Mailreaktion. So kam ich auf die Idee für ClaimKit.
Galen Low: Besonders als Startup denkt man ja zuerst an Finanzierungsrunden, an Angel-Investments oder Series, die man für Wachstum durchlaufen muss – das ist ja das Standard-Game. Aber F&E-Förderung ist genauso Kapital! Es ist Treibstoff im Tank, der dir hilft, schneller voranzukommen. Und wie du gesagt hast – bei KPMG warst du sozusagen der „Decoder-Ring“, ein Team, das nicht nur Fragen übersetzt, sondern Bewerbungen strategisch ausrichtet, um zu gewinnen. Das ist Gold wert – und erklärt, wozu das Team existiert hat. Was ich auch spannend finde: Die Kunden rechnen selten mit dem Fördergeld, es ist oft Zusatz – aber auch das kann einen Unterschied machen.
Rachel Huang: Manchmal ist das aber tatsächlich wichtig. Einige Startups sagten mir: Wann können wir den Antrag einreichen? Gerade bei F&E-Steuerrückerstattungen, die fast garantiert sind, wenn man förderfähige Aktivitäten macht, kann das entscheidend sein. Manche haben beispielsweise nur noch zwei Monate Laufzeit und brauchen das Geld rechtzeitig. Ich kann die Anträge in wenigen Tagen erstellen und dann ist das wirklich eine Rettung.
Galen Low: Es ist eine Art Notfall-Knopf, um doch noch ans Geld zu kommen. Kannst du uns einen Überblick geben, wie unterschiedliche Regierungen fördern, und am Beispiel von ClaimKit erklären, wie euer System den Prozess abkürzt und in die Finanzierungsstrategie eines innovationsgetriebenen Unternehmens passt?
Rachel Huang: Es gibt zahlreiche Förderprogramme, verschiedene Länder fahren unterschiedliche Strategien. Ich nehme als Beispiel F&E-Steuerförderungen, weil es die in vielen Ländern gibt. In den USA ist es eine Steuergutschrift – für profitable Unternehmen verringern sich die Steuern, bares Geld bekommt man nicht direkt. Andernfalls kann man die Förderung auf die Lohnsteuer anrechnen.
Australien bietet Cash-Back, wenn der Umsatz unter 20 Millionen liegt. Wenn du förderfähige Aktivitäten nachweisen kannst, schreibst du einen sehr langen Antrag; Berater nehmen dafür 5 bis 20 % Provision und brauchen dafür oft Wochen bis Monate. ClaimKit versteht das Gesetz, die Förderrichtlinien und die komplette Frageliste des Ministeriums. So wird alles wie ein Berater beantwortet und praktisch vorbereitet.
Noch besser: Man braucht als Unternehmen kaum noch etwas selbst dokumentieren. Unsere Software verbindet sich z. B. mit Jira oder GitHub und stellt einen Zeitstrahl aller Aktivitäten auf. Wir können monatliche Berichte erzeugen, die zeigen: Dieses Unternehmen betreibt kontinuierlich Forschung und Entwicklung.
Das macht den Prozess extrem leicht: Uns genügt der Rohdatenzugriff. Ein Beispiel: Ein Kunde betreute mehrere Gesellschaften, hatte mit einer noch keinen Beratervertrag. Er übergab diese uns – wir waren viel schneller und nutzten die Unternehmensdaten ohne Zusatzaufwand. Die Pflege der Dokumentation muss so nicht mehr durch den PM erledigt werden, sondern läuft (über Schnittstellen) automatisiert. Für Kredite auf diesem Geld (F&E-Kredite) können diese Protokolle genutzt werden, sogar zur Hebelung weiterer Mittel im laufenden Jahr – quasi ein Gewinn-Förder-Kreislauf.
Galen Low: Mir gefällt, dass euer Ansatz das minimiert, was man tatsächlich selbst steuern kann. Die Entscheidungen zu Anträgen dauern, aber das Zusammentragen und Formulieren der Daten kann radikal verkürzt werden. Es gibt schließlich Berater, die nur davon leben, dass diese Arbeit aufwendig ist. Es spart Zeit UND Nerven. Ich erinnere mich an ein Weihnachten, an dem ich einen Antrag für eine Fördermaßnahme ausfüllte – die Rohdaten waren kaum nutzbar, die Fakten lagen nicht so vor, wie die Behörde sie braucht. Schließlich schwor ich mir: Nie wieder! Ich hätte mir eine Lösung wie eure gewünscht. Technisch gefragt: Nutzt ihr KI, um diese Regeln und Fragestellungen zu interpretieren und auch „zwischen den Zeilen“ zu lesen?
Rachel Huang: Genau. Die Software macht, was auch ein Berater macht: Sie nimmt die Leitfragen und die Gesetze und interpretiert z. B. Fragen wie „Wo sitzen Sie?“ oder „Wie viele Mitarbeitende haben Sie?“ in Richtung „Wie sehr profitiert die lokale Wirtschaft?“ und passt das Wording entsprechend an. Es gibt auch Hinweise im Richtlinienwerk, dass ein Antrag z. B. wie ein wissenschaftlicher Experimentbericht aufgebaut werden sollte (Hypothese, Methode, etc.). Wir geben diese Struktur vor und füllen sie mit den Unternehmensdaten. Immer prüft ein Mensch das Ergebnis – ich selbst oder ein anderer Steuerberater – bevor wir es einreichen. Vielleicht übernimmt das irgendwann ein KI-Agent, aber bis dahin ist immer ein Mensch an Bord.
Galen Low: Ja, an den Wissenschaftsbericht musste ich auch denken. Mein Job war teils Business Development, teils Innovation, teils Projektmanagement – nicht jeder PM wird Förderanträge schreiben. Aber für die, die es betrifft, ist so viel Aufwand eingespart! Gibt es über die reine Zeiteinsparung noch weitere Vorteile für Projekte und Projektleitende mit solchen Fördermöglichkeiten?
Rachel Huang: Es gibt mehrere Phasen: Zuerst muss man herausfinden, dass man förderfähig ist – in vielen Unternehmen liegen Projekte „auf Halde“, die so förderfähig wären. Förderer bewerben ihr Angebot nicht aktiv, man muss es selbst suchen. Wir behalten alle Möglichkeiten im Blick und weisen unsere Kunden aktiv darauf hin, wenn etwas Neues passt. Das zweite ist die Frage der Förderfähigkeit, die oft schwer zu klären ist (Rechtsform, Umsatzgrenzen u. a.). Das lösen wir auch. Drittens: Zeit und Motivation – viele wissen, sie könnten einen Antrag stellen, sind aber so ausgelastet, dass es an Schreibarbeit scheitert. Wir automatisieren diesen Teil so weit wie möglich, stellen ggf. ein paar Rückfragen und liefern dann ein fertiges PDF. Viele Kunden sind verblüfft, wie gut das klingt. Der finale Schritt ist dann die eigentliche Einreichung, die aber mit unseren Antworten trivial ist. Oft stehen für Förderprogramme nur kurze Zeitfenster offen, und das Vorbereiten aller Unterlagen und Budgets kann Wochen dauern – vor allem bei voller Auslastung.
Galen Low: Da ist das Risiko groß, die Deadline zu verpassen.
Rachel Huang: Genau. Oft reicht dann jemand einen weniger guten Antrag ein und gewinnt trotzdem, weil er es einfach versucht hat.
Galen Low: Die Erwähnung der Entdeckungsphase finde ich besonders wichtig, sie trifft ins Schwarze.
Es ist gar nicht so einfach, von diesen Töpfen zu erfahren – wie bei vielem „kostenlosen“ Geld, es wirft dir keiner nach. Wenn man aber das Geschäftsmodell seines Projekts versteht, kann man ganz anders argumentieren: Durch zusätzlichen Etat – etwa mithilfe einer erfolgreichen Förderung – kann der Projektnutzen gesteigert werden. Und mit Lösungen wie eurer gibt es eine Möglichkeit, alles einfacher zu realisieren. Mag die Entscheidung noch immer langsam sein, aber man muss weniger Zeit mit dem Antrag selbst verschwenden. Das kann die Projektziele enorm beeinflussen: Man kann neue Anforderungen erfüllen, einen Marktvorsprung erzielen und zusätzlichen Gewinn erwirtschaften. Genau dafür gibt es Förderungen: um Ergebnisse zu fördern, die für das Gemeinwohl nützlich sind.
Rachel Huang: Ja.
Galen Low: Das ist etwas, wo ich nie zum Sponsor sagen würde, ich arbeite jetzt monatelang nicht mehr, um einen Antrag zu schreiben, aber mit solchen Tools ergibt es plötzlich Sinn. Es geht nicht um Margen-Optimierung, sondern um Innovation und Sinn. Ich fand auch deine Beobachtung zu den Förderzielen wichtig – viele Programme dienen tatsächlich der lokalen Wirtschaftsförderung. Wie geht man da als Unternehmen vor, wenn die Organisation zwar sonst passt, aber z. B. keine Leute vor Ort hat? Was empfiehlt sich – Teams verlagern oder andere Lösungen?
Rachel Huang: Es gibt viele Wege: Oft sind Partnerschaften möglich, wenn der leitende Antragsteller förderfähig ist. Such einen lokalen Partner! In manchen Ländern bestehen bessere Förderoptionen – etwa weil die Regierung Branchen und Talente anziehen will. Beispiele sind Singapur, Südkorea oder auch Deutschland: Hier gibt es z. B. Gründerstipendien für Studierende, die in Teilzeit pausieren und dafür ihr Startup gründen können. Australien etwa zahlt F&E-Cashback bis 20 Mio. Umsatz. Multinationale Unternehmen vergeben F&E-Aufgaben oft an ihre australische Niederlassung, weil sie wissen, dass sich das rechnet.
Galen Low: Das erinnert an die Filmförderung: Länder bieten Filmproduktionen Geld, um die Branche vor Ort zu stärken, Leute anzuziehen, Arbeitsplätze zu schaffen. Bei uns war am Campus ständig ein Filmdreh, weil Kanada Fördermittel anbot, Knowhow vorhanden war, und so ein ganzer Wirtschaftszweig entstand. Es ist, bei aller Bürokratie, letztlich eine gegenseitige Förderung. Es wirkt manchmal willkürlich und undurchschaubar, doch letztlich sind Staaten auf ihre Wirtschaft angewiesen, Unternehmen auf Finanzierung. Förderungen sind ein Ökosystem gegenseitiger Vorteile. Entscheidend ist, zu verstehen, warum ein Programm existiert – dann kann man sein eigenes Vorhaben entsprechend präsentieren.
Lass uns zum Abschluss noch in die Zukunft blicken: Wie schätzt du die Entwicklung von Innovation und deren Finanzierung ein? Ich beobachte, dass große Investoren kleine Unternehmen quasi als F&E-Labors nutzen und dann übernehmen. Haben kleine, agile Firmen künftig noch eine Chance gegen Tech-Riesen wie Google, Apple, OpenAI ...?
Rachel Huang: Gute Frage. Ob sich daran viel ändern wird, ist schwer zu sagen, weil solche Strukturen träge sind. Das Beste ist, das Beste aus der aktuellen Lage zu machen. Förderbudgets ändern sich, manche Programme verschwinden plötzlich. Der Fokus liegt zunehmend auf Kooperation zwischen großen Unternehmen und kleinen Startups – z. B. über Branchenpartnerschaften. In Europa ist das üblich. Essenziell ist, dass Startups das tun, was sie am besten können: Tempo, Tests mit wenig Budget, Fokussierung. Konzerne hingegen sind komplex, müssen nach allen Seiten rückversichern, Teams einbinden, Altlasten pflegen – Startups können mit einer kleinen Gruppe einfach loslegen, Nischen finden und sich ggf. fusionieren oder übernehmen lassen.
Galen Low: Kollaboration ist da das Stichwort. Grants heißen oft so, und als Konzern würde ich genau auf solche Nischenanbieter wie euch achten: Ihr geht schnell und tief, für große Firmen hat das hingegen keine Priorität. Kooperation kann für beide Seiten lohnenswert sein – vielleicht steht später gar einer der Großen bei euch vor der Tür. Rachel, danke für das Gespräch! Hast du zum Spaß noch eine Frage an mich?
Rachel Huang: Ja. Du machst den Podcast schon lange. Was ist dein Lieblingsthema, worüber sprichst du am liebsten?
Galen Low: Da habe ich eine Scherz-Antwort: Am liebsten spreche ich über menschzentrierte Gestaltung im digitalen Raum – egal ob digital-only oder mit Erlebnisanteil. Ich finde es großartig, wie digitale Technologie und Projekte dazu beitragen, das Leben von Menschen zu verbessern, Chancen zu schaffen, neue Erfahrungen zu erzeugen. Und weil ich die Show gestalte, kann ich dieses Thema überall einweben. Das ist wirklich mein Ding, denn: Letztlich geht es immer um Menschen, Interaktionen und Innovationen, die das Leben besser machen. Das ist das große Ziel von Projekten und Kollaboration, so sehe ich das – menschlicher Fortschritt durch Zusammenarbeit. Deshalb habe ich heute wieder viel Freude daran gehabt.
Rachel Huang: Ja, du bist einfach breit interessiert. Meine Scherzantwort wäre: Technologie zu kommerzialisieren, um positiven Einfluss auf Menschen zu haben.
Galen Low: Das ist ehrlich – es geht ja nicht ums „schnelle Geld“, sondern wie man Innovation fördert und sich dabei schnell bewegt, in einer Welt, in der KI das Tempo vorgibt. Förderungen sind dabei wie ein langsamer Brunnenzug: Das Wasser ist da, aber man braucht eben oft ein Jahr, bis man es herausgeholt hat. Danke für deine Perspektive, danke fürs Gespräch!
Rachel Huang: Danke, es hat mir auch großen Spaß gemacht. Ich komme gerne wieder.
Galen Low: Wir machen weiter, reden über Memes – über Projektmanagement-Memes!
Rachel Huang: Ja, lass uns das machen.
So, das war’s für diese Folge vom Digital Project Manager Podcast. Wer das Gespräch mochte: Unbedingt abonnieren! Und für mehr Taktik, Praxisfälle und Playbooks: thedigitalprojectmanager.com.
Bis zum nächsten Mal, danke fürs Zuhören.
