Das Gesundheitswesen stellt neue Mitarbeitende ein – und das nicht nur im klinischen Bereich. Während digitale Gesundheitssysteme wachsen und Initiativen zur KI-Transformation zunehmen, steigt der Bedarf an technischen Projektprofis, die Erfahrungen aus Tech, Produktmanagement und staatlicher IT ins Gesundheitswesen einbringen können. Doch wenn sich diese Chancen bieten, warum vollziehen dann nicht mehr Menschen den Wechsel?
Galen spricht mit Rachel M. Keyser – Beraterin für Gesundheits-IT und Gründerin von Project Elevation Partners – darüber, was Projektprofis häufig daran hindert, diesen Schritt zu wagen, wie man mit der Komplexität und dem Tempo von Projekten im Gesundheitssektor umgeht und warum Ihre bestehenden Fähigkeiten womöglich viel übertragbarer sind, als Sie denken. Egal, ob Sie von Big Tech ausgebrannt sind oder einfach nur neugierig, wie Sie in die Health-Tech-Branche einsteigen können: Dieses Gespräch bietet praxisnahe Empfehlungen, um den Sprung zu wagen.
Das lernen Sie in dieser Folge
- Warum das Gesundheitswesen gezielt nach Projektprofis mit Tech- oder Entwicklungserfahrung sucht
- Wie sich das Tempo, der regulatorische Rahmen und die Stakeholder-Dynamik im Gesundheitswesen von klassischen Tech- oder Behördenprojekten unterscheiden
- Wie KI in Gesundheitsprojekten eingesetzt wird – und was Projektmanager in puncto Steuerung und Risiken wissen sollten
- Praktische Schritte für den Einstieg in Health-Tech- bzw. Projektarbeit im Gesundheitswesen: Welche Kompetenzen Sie ausbauen, was Sie wissen sollten und wie Sie sich positionieren
Wichtige Erkenntnisse
- Übertragbare Fähigkeiten bleiben entscheidend: Viele Ihrer aktuellen Projektmanagement-Fähigkeiten sind direkt im Gesundheitswesen einsetzbar. Sie müssen nicht bei null anfangen – Sie sollten Ihr technisches/Projekt-Toolkit lediglich mit einem Grundverständnis von Arbeitsabläufen und Systemen im Gesundheitswesen kombinieren.
- „Schnell, aber langsam“ beschreibt den Alltag: Das Gesundheitswesen tickt anders. Aufgrund strenger Datenschutzbestimmungen, regulatorischer Vorgaben und komplexer Abläufe möchten Sie möglicherweise schnell vorankommen – müssen dabei aber bewusst und verantwortungsvoll handeln. Wer Schritte bei Governance, Datenmanagement oder der Abstimmung mit Stakeholdern überspringt, kann später große Probleme bekommen.
- Erkennen, wann Methoden gewechselt werden müssen: In Tech-Startups laufen Sie vielleicht mit voll agilen, schnellen Zyklen. In vielen Projekten im Gesundheitssektor, vor allem bei digitalen Gesundheitslösungen oder systemweiten Abläufen, benötigen Sie oft einen hybriden oder Wasserfall-Ansatz. Die passende Methodik für den Kontext zu wählen, ist eine Schlüsselkompetenz.
- KI ist ein Co-Pilot – kein Allheilmittel: KI-Tools (z. B. für Risikoprotokolle, Prompt-Vorlagen oder regulatorische Recherche) erhöhen die Produktivität. Aber Sie müssen die richtigen Fragen stellen, Ergebnisse validieren, für Nachweise sorgen und stets die menschliche Kontrollinstanz bleiben – insbesondere wenn es um Patientendaten und Compliance geht.
- Suchen Sie das „Frontend/Backend“ der Abläufe im Gesundheitswesen: Das Gesundheitswesen umfasst nicht nur chirurgische Technik oder Medizingeräte. Es handelt sich auch um Verwaltung, Abrechnung/Billing, Datenmanagement, Patientenakten, Lieferketten, Pharma usw. Zu erkennen, in welches Segment Sie passen, hilft Ihnen bei der Verortung Ihrer Fähigkeiten und der gezielten Suche nach passenden Jobs.
- Den Wechsel bewusst gestalten: Wer aus anderen Branchen kommt, sollte sich grundlegende Abläufe und Regelwerke aneignen, z. B. durch einen Kurs oder eine Mentorin. Gehen Sie nicht davon aus, dass Sie alles learning-by-doing lernen werden; gehen Sie aber davon aus, dass Sie Ihre jetzigen Kenntnisse nutzen können. Erzählen Sie Ihre Geschichte dementsprechend.
Kapitel
- 00:00 – Warum das Gesundheitswesen Tech-Projekt-Talente braucht
- 04:00 – Was Projektmanager am Wechsel hindert
- 06:00 – Jobtitel und Rollen im Gesundheitswesen entschlüsseln
- 08:40 – Arbeitsabläufe jenseits der Klinik
- 11:15 – Wo und wie man Kompetenzen erweitert
- 12:15 – Schnell, aber langsam: Das Tempo im Gesundheitswesen
- 18:45 – Umgang mit Risiken, Daten und Regulierung
- 22:25 – Das passende Delivery-Modell wählen
- 28:00 – KI-Anwendungsfälle im Healthcare-Projektmanagement
- 32:00 – KI für Compliance & als Co-Pilot
- 37:00 – Steuerung, Fairness und Zugang zu Tools
- 45:50 – Tipps für den Einstieg in die Gesundheitsbranche
- 49:45 – Wo Sie Rachel & ihre Community finden
- 50:31 – Abschluss und nächste Schritte
Lernen Sie unseren Gast kennen

Rachel M. Keyser ist die Gründerin und Geschäftsführerin von Project Elevation Partners, einer Beratungsfirma, die darauf spezialisiert ist, Fachkräfte bei beruflichen Neuausrichtungen und organisatorischem Wandel zu unterstützen. Mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in Healthcare-IT, digitaler Innovation, Projektmanagement und Business-Coaching greift sie auf ihre nachweislichen Erfolge zurück, um Teams dabei zu helfen, in komplexen Umgebungen Selbstvertrauen, Kompetenz und Klarheit zu entwickeln. So führt sie Einzelpersonen und Organisationen zu mehr Leistungsfähigkeit und Wirkung.
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Galen Low: Gibt es mehr Jobchancen für technische Projektprofis im Gesundheitswesen als im Tech- oder Regierungs-IT-Bereich? Und wenn ja, warum wechseln nicht mehr Projektprofis aus betroffenen Branchen ins Gesundheitswesen?
Rachel M. Keyser: Absolut. Viele Leute wissen vielleicht gar nicht, dass diese Möglichkeiten hier existieren. Aber hier ist das Schöne: Man muss wirklich nicht von vorne anfangen. Das ist das Wunderbare daran. Sie bringen viele übertragbare Fähigkeiten mit, alles, was Sie tun müssen, ist, sich weiterzubilden oder umzuschulen, besonders auf der Gesundheitsseite – denn Ihre Fähigkeiten in der Technik werden benötigt.
Galen Low: Was müssen digitale Projektprofis, die aus anderen Bereichen ins Gesundheitswesen wechseln, über das Arbeitstempo und die Bedeutung der Sorgfalt im Gesundheitswesen wissen?
Rachel M. Keyser: Sie müssen sehr vorsichtig sein, weil Sie hohe Strafen riskieren – es geht um Millionen, wenn Patientendaten nach außen dringen. Auch wenn wir versuchen, mit dem Tempo der KI mitzuhalten, müssen wir wirklich langsamer machen und sicherstellen, dass Datenschutz, Sicherheit und Governance gewährleistet sind.
Galen Low: Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der heute 2025 als Projektmanager den Übergang ins Gesundheitswesen macht?
Rachel M. Keyser: Das Erste, falls Sie keinen Einblick in die Gesundheits-Workflows hatten: Um wirklich erfolgreich zu sein, müssen Sie...
Galen Low: Willkommen zum Podcast des Digital Project Manager – der Show, die Führungskräfte in der Auslieferung smarter, schneller und besser arbeiten lässt im Zeitalter der KI. Ich bin Galen, und jede Woche tauchen wir ein in echte Strategien, neue Tools, bewährte Frameworks und gelegentliche Erfahrungsberichte von der Projektfront. Ob Sie riesige Transformationsprojekte steuern, KI-Workflows managen oder einfach nur das Chaos in den Griff bekommen wollen – Sie sind hier richtig. Los gehts.
Heute sprechen wir darüber, warum das Gesundheitswesen Talente aus Big Tech und anderen nichtmedizinischen Sektoren braucht, um wirklich aufzublühen – und wie Projektprofis den Pivot in die Welt der KI-getriebenen digitalen Gesundheits-Transformation schaffen. Mein heutiger Gast ist Rachel Keyser, Beraterin für Programmmanagement im Gesundheits- und IT-Bereich sowie Gründerin und CEO von Project Elevation Partners.
Rachel ist Trainerin, Coach und Beraterin für Projekt- und Programmmanagement im Bereich digitale Gesundheit, mit einem Fokus darauf, KI-Workflows für bessere Ergebnisse zu integrieren. Sie ist außerdem Keynote-Speakerin und setzt sich für den sicheren Einsatz von KI im Gesundheitsbereich ein.
Danke, dass du heute mit mir hier bist, Rachel.
Rachel M. Keyser: Danke, dass ich im Podcast sein darf, Galen.
Galen Low: Es ist mir eine Ehre. Mir gefällt unser Gespräch bisher sehr. Für unsere Zuhörer: Rachel und ich haben in den letzten Wochen alle möglichen Themen rund um Gesundheit, KI und Projektmanagement diskutiert. Es war schwierig, ein Thema herauszupicken, in das wir tiefer einsteigen können.
Deshalb hoffe ich, dass wir heute ein wenig hin und her springen. Hier ist unser heutiger Fahrplan: Zu Beginn möchte ich eine große, brennende Frage direkt klären – eine unangenehme, aber drängende Frage, auf deren Antwort alle warten. Dann wollte ich auf drei Dinge eingehen.
Erstens, wie sich das Tempo des Wandels im Gesundheitswesen im Vergleich zu anderen Branchen unterscheidet und warum das wichtig ist. Zweitens, praktische Beispiele, wie KI Gesundheitsprojekte unterstützen kann. Und zuletzt, wie Projektprofis und Tech-Spezialisten ohne Hintergrund im Gesundheitsbereich ihre Karriere in diesem Bereich starten können – falls sie das interessiert.
Rachel M. Keyser: Klingt super. Legen wir los.
Galen Low: Lass mich mit meiner einen heißen Frage beginnen. In letzter Zeit sehen wir viele Projektprofis, die von Massenentlassungen in Big Tech betroffen sind. Zudem erleben wir gerade einen US-Regierungs-Shutdown, der möglicherweise viele Stellen im öffentlichen Sektor streichen wird – trotzdem scheinen technische Projektleitungs-Rollen im Gesundheitswesen gefragt zu sein.
Also meine heiße Frage: Gibt es mehr Jobchancen für technische Projektprofis im Gesundheitswesen als in Tech oder Regierungs-IT? Und falls ja, warum wechseln nicht mehr aus diesen betroffenen Branchen?
Rachel M. Keyser: Absolut. Danke, Galen. Erstmal möchte ich sagen: Für jeden, der gerade in Big Tech oder Behörden von der Welle getroffen wird – das ist einfach nicht einfach, wir wissen es.
Um deine Frage zu beantworten: Absolut. Viele wissen nicht, dass diese Chancen da sind. Sie denken vielleicht, sie hätten nicht die richtigen Fähigkeiten und werden eh nicht genommen.
Aber Sie müssen nicht bei null anfangen. Ihre Kompetenzen sind übertragbar. Alles, was Sie tun müssen, ist, gezielt einige zusätzliche Fähigkeiten erwerben, gerade auf der Healthcare-Seite – denn Ihre Tech-Fähigkeiten werden dort gebraucht.
Und für die, die bereits Projekt- oder Programmmanager sind: Sie müssen nur noch den Gesundheits-Workflow lernen. Und dann sind Sie qualifiziert. Vielleicht wissen viele einfach nicht, dass diese Fähigkeiten gefragt sind. Ich spreche darüber viel auf LinkedIn, teile Beispiele, poste Jobs und deren Links. Eigentlich reicht es oft, sich passende Skills anzueignen – ich gebe Ihnen gern ein Beispiel.
Galen Low: Gerne. Ich wollte dich sowieso um ein Beispiel bitten.
Rachel M. Keyser: Zum Beispiel habe ich gestern einen Job gepostet, für den TypeScript, Node, Python oder JS Node gefragt war. Und als Bonus galt Healthcare-Erfahrung – sprich: Wenn Sie diesen Bereich kennen, hilft das sehr, den Job zu bekommen.
Es reicht also, sich das anzueignen, dann sind Sie im Rennen.
Galen Low: Wie ist das mit den Jobtiteln? Oft klingt die Berufsbezeichnung fremd, z.B. Onkologie, und man denkt sofort: Das kann nicht für mich sein.
Rachel M. Keyser: Guter Punkt, Galen. Viele Titel klingen nach Onkologie, Frontend, Backend – die gleichen Begriffe wie im Engineering. Doch Frontend/Backend im Gesundheitswesen können sich auf verschiedene Bereiche beziehen: z.B. die Registrierungs-Backend betrifft die Abrechnung und andere Prozesse wie Revenue Cycle. Sie meinen vielleicht, das passt nicht zu Ihnen – aber mit Verständnis für den Workflow und Integration Ihrer Skills sind Sie doch gefragt. Man sollte die Stellenanzeigen genau anschauen und offen bleiben, denn der Arbeitsmarkt verlangt Flexibilität.
Galen Low: Genau. Viele denken beim Projektmanagement im Gesundheitswesen sofort an Medizintechnik oder große Prozessinnovationen – was steckt wirklich dahinter? Wie kann sich jemand die Grundkenntnisse über das System aneignen? Mit TV-Serien wie Grey’s Anatomy?
Rachel M. Keyser: Grey’s Anatomy schadet sicher nicht, aber wenn es ans Eingemachte geht: Upskill! Es gibt Profis wie mich, die seit über 20 Jahren im Geschäft sind und Sie an die Hand nehmen können. Es gibt Ressourcen online – z.B. YouTube, Coursera, Udemy. Je nach gewünschtem Tiefgang kann ein Coach/Trainer helfen, den Workflow durchzugehen, Projekte zu erklären. Es hängt davon ab, wie tief Sie einsteigen wollen, es gibt auch viele kostenlose Angebote. Wichtig ist: Wissen, wo und was Sie lernen möchten.
Galen Low: Das klingt logisch. Denn YouTube liefert nur generelle Erklärungen, aber wie das mit der eigenen Rolle als Projektleiter im Alltag zusammenhängt, erfährt man meist nicht. Da bringt Mentoring mehr.
Rachel M. Keyser: Genau, ein Coach kann Sie an der Hand nehmen. Es gibt online viele Informationen, aber für tiefe Details und die vielen Nuancen ist persönliche Begleitung Gold wert. Der Gesundheitsbereich ist komplex – wenn Sie wissen, wo Sie suchen müssen, können Sie gezielt vorgehen. Aber die Zusammenhänge sollte man vermittelt bekommen.
Galen Low: Das sehe ich auch so. Besonders weil das Branchensystem so komplex ist, ist ein Mentor viel wert. Auch die PMP-Prüfung (Project Management Professional) kann einen mit Information überladen – aber der Praxisbezug macht den Unterschied. Ein Coach kann dabei helfen, das Wichtige herauszufiltern.
Rachel M. Keyser: Absolut. Erfahrung macht aus, worauf es in der Praxis ankommt und welches Framework einen durchs Projekt trägt – viel besser, als im Dickicht der Möglichkeiten zu verlieren.
Galen Low: Das habe ich so noch nie betrachtet – passt aber wunderbar, gerade für Quereinsteiger. Learning by Doing, gezielt das Wesentliche herausgreifen.
Nun zu meinem nächsten Punkt: Bei dir als Projektmanagerin im digitalen Gesundheitswesen arbeiten Ärzte, medizinische Leitung, Regulatoren und IT zusammen. Bei KI im Gesundheitswesen sagtest du: Wir müssen langsam machen. Warum gehen Digitalprojekte im Gesundheitswesen scheinbar langsamer voran?
Rachel M. Keyser: Ja, tatsächlich. Neulich war ich auf einer KI-Konferenz und dort wurde das angesprochen. Im Gesundheitswesen – wie auch etwa bei Banken – muss man extrem umsichtig sein. Es drohen Millionengelder an Strafe, wenn Patientdaten in falsche Hände geraten. Deshalb müssen Organisationen sehr vorsichtig sein und bei der Einführung von KI auf die Sicherheit achten. Erst wenn Datenschutz, Privacy und Governance gesichert sind, kann mit Implementierung begonnen werden.
Ein Arzt auf der Konferenz sagte: Man muss schnell, aber langsam sein. Heißt: Obwohl wir die Entwicklung bei KI mitmachen wollen, müssen wir uns Zeit nehmen, um die Datensicherheit zu gewährleisten. Die solide Governance ist entscheidend, bevor ein KI-Projekt beginnt. Fehler in der Integration könnten sonst fatale Folgen haben – Stichwort PHI (Protected Health Information).
Im Vergleich zu Big-Tech-Unternehmen können wir im Gesundheitswesen nicht mit Alltagsdaten herumhantieren. Im Gesundheitswesen sind die Konsequenzen eines Datenlecks gravierend. Darum ist ein grundlegendes, technisches Fundament inklusive Sicherheitsmaßnahmen erforderlich, bevor man innovativ voranschreiten kann.
Galen Low: Absolut, die Regeln sind aus gutem Grund da. Wenn sensible Gesundheitsdaten betroffen sind, kann man nicht einfach drauflos arbeiten. Dein Bild vom Kokon der KI im Gesundheitswesen gefällt mir – das System muss ganzheitlich gesichert werden. Man darf keine Tools verwenden, die nicht datenschutzkonform und sicher für Patientendaten sind.
Wir müssen also „schnell langsam“ sein – ähnlich wie das Marine-Motto: „Slow is smooth and smooth is fast“. Es geht um Sorgfalt und Qualität – wie ein Eismaschinenfahrer beim Eishockey, der das Eis glatt macht, damit das Spiel reibungslos läuft. Die Dringlichkeit ist gegeben, aber es darf nichts übereilt werden.
Rachel M. Keyser: Genau – und Projekmanager sind da die Partner der Teams. Sie stellen sicher, dass alle Details stimmen, denn nicht selten beginnt ein großes Projekt als Pilot. Wir müssen die Verantwortung für Datenschutz und Projektziele ernst nehmen und mit den Stakeholdern eng zusammenarbeiten.
Galen Low: Es ist also eine Partnerschaft. Nicht maximal schnelle Ausführung, sondern nachhaltige Projektergebnisse zählen. Gab es exemplarische Fälle in deiner Praxis, wo Tech-Profis aus Startups ins Gesundheitswesen gewechselt sind? Was war die größte Herausforderung für sie?
Rachel M. Keyser: Ja, ich habe mit solchen Leuten gearbeitet, oft wollten sie agile Methoden anwenden. Agile ist für Software-Entwicklung geeignet. Aber beim Aufbau oder Konfigurieren bestehender Systeme funktioniert oft nur Wasserfall oder Hybridmodelle. Flexibilität ist nötig; was in Tech funktioniert, geht in Healthcare nicht immer – vor allem wegen der Abhängigkeiten und regulatorischen Abläufe. Ich habe erlebt, dass große Projekte scheiterten, weil das Tempo und die Methoden nicht zu den healthcare-typischen Anforderungen passten.
Galen Low: Die Abfolge ist wegen der Regularien und vielen Stakeholder also linearer?
Rachel M. Keyser: Genau. Nehmen wir z.B. ein Krankenhaus: Jeder Workflow-Schritt muss von den jeweils Verantwortlichen genehmigt werden, weil ein Fehler drastische Folgen für nachfolgende Prozesse haben kann. Auch wenn nicht jeder Schritt von Regulierungsbehörden abgesegnet wird, erfolgt die Freigabe durch die Fachbereiche. Das erfordert Teamwork zwischen Technik und Fachseite.
Galen Low: Das ist gut verständlich. Kommen wir zurück zu KI: Hast du Beispiele, wie KI Projektmanager im Gesundheitswesen unterstützen kann, z.B. beim Thema Compliance?
Rachel M. Keyser: Im Projektmanagement kann KI uns repetitive Aufgaben abnehmen, wie z.B. die Erstellung von Templates. Entscheidend ist, genaue Prompts zu formulieren und auf Healthcare-spezifische Anforderungen anzupassen. Je nach Workflow kann KI helfen, Risiken oder Maßnahmen zu sammeln – sie dient als Co-Pilot. Mit der richtigen Weiterbildung können Sie gezielt Fragen an KI-Tools stellen und spezifische Hilfestellungen bekommen. Ohne gute Prompts kommen aber oft nur allgemeine Vorschläge zurück.
Galen Low: Sehr guter Punkt. Deine Beispiele mit HIPAA und SOC 2 sind Klasse – für Außenstehende kann Compliance wie ein Fremdwort wirken. Kann KI auch als Co-Pilot für Regulierung und Gesetzesfragen dienen?
Rachel M. Keyser: Absolut. Nach 20 Jahren in der Branche kann ich sagen: Niemand behält immer alle Regularien im Kopf! Ich nutze KI, um aktuelle Regelungen etwa der US-Behörde CMS nachzuschlagen. Die Tools liefern die Vorschriften samt Referenzquellen – wichtig, denn nicht immer stimmt alles und doppeltes Prüfen schützt vor Millionenverlusten. Als Co-Pilot und Co-Stratege erleichtert KI die Arbeit enorm.
Galen Low: Genau. Menschliche Kontrolle bleibt unverzichtbar, aber KI reduziert den Rechercheaufwand enorm – und niemand kann alles wissen, nicht einmal erfahrene Experten. Co-Piloten sind für alle hilfreich, nicht nur für Einsteiger.
Rachel M. Keyser: Genau – keiner weiß alles, auch Ärzte oder Admins nicht! Früher musste man ewig Googeln oder einzelne Webseiten nach Vorschriften durchkämmen, heute gibt’s alles auf einen Blick. Wichtig ist, die grundlegenden Parameter für das eigene Projekt zu kennen und gezielt zu recherchieren – damit fährt man gut.
Galen Low: Im Healthcare-Bereich kann man also nicht mit beliebigen Tools arbeiten, sondern man ist auf sichere, geprüfte Werkzeuge angewiesen, wie z.B. MS Copilot. Muss man da besonders kreativ und ressourcenschonend arbeiten?
Rachel M. Keyser: Bei KI-Tools in EHR (elektronischen Gesundheitsakten) oder Projektmanagement-Tools gilt: Viele Kliniken bauen eigene Copiloten und geben den Medizinern gewisse Freiheiten, aber eben nicht beliebig, um das System nicht zu überlasten. Stattdessen gibt es zentrale GPTs oder Templates für alle, um den Zugriff kontrolliert zu halten, z.B. für Patienteninformationen, Zusammenfassungen von Medikationshistorie etc. Größere Krankenhäuser haben meist bessere Ausstattung, kleine Häuser (z.B. in ländlichen Gegenden) sind im Nachteil – hier ist der Aspekt der Gesundheitsgerechtigkeit sehr wichtig. Die Governance und Vereinheitlichung der Tools ist essenziell – für Qualität und Gerechtigkeit.
Galen Low: Das Thema Gesundheit – digitale Gerechtigkeit ist also zentral. Viele Systeme sind über Jahre mit Standardsoftware gebaut – deshalb lässt sich nicht einfach alles über Nacht updaten. Es geht weniger um Technik allein, sondern auch um Prozesse und Standardisierung.
Rachel M. Keyser: Genau. Neue Tools werden erst eingeführt, wenn Governance und Abstimmung unter allen Stakeholdern erfolgt ist. Sonst entstehen Ungleichheiten und Risiken.
Galen Low: Vielen Dank für das Gespräch. Was raten Sie jemandem, der 2025 ins Gesundheitswesen als Projektmanager oder Tech-Professional wechseln möchte?
Rachel M. Keyser: Sehr gute Frage. Mein erster Rat: Sie müssen den Healthcare-Workflow kennenlernen, um erfolgreich zu sein. Jeder kann es schaffen, mit ein wenig gezieltem Upskilling. Ein vierjähriges Studium ist nicht nötig – konzentrieren Sie sich auf praxisnahe Kurse/Coachings und bauen Sie auf Ihren bestehenden Skills auf. Es gibt so viele Möglichkeiten – und einen Mentor zu haben, lohnt sich immer. Auch nach vielen Jahren gibt es ständig Neues, Überraschendes im Healthcare-Projektmanagement. Das Feld ist breit: von Pharma über Biotech, Supply Chain bis KI-Innovation ist alles möglich – gerade da werden Technikspezialisten gebraucht. Ich biete dazu eine Community an und zeige Grundlagen und Orientierungshilfen für den Einstieg.
Galen Low: Sehr gut. Wo kann man mehr zu dir, Project Elevation Partners und deiner Community erfahren?
Rachel M. Keyser: LinkedIn: Rachel M Keyser (rachelmkeyser mit Bindestrich), Community: Pivot to Health Tech (PTHT), Webseite: projectelevationpartners.com, auf Twitter und IG unter meinem Namen oder Project Elevation – aber primär nutze ich LinkedIn.
Galen Low: Super, die Links werden in den Shownotes bereitgestellt. Rachel, vielen Dank für das tolle, spannende Gespräch und die Einblicke!
Rachel M. Keyser: Danke ebenfalls. Hat Spaß gemacht und ich freue mich, das Wissen mit der Community zu teilen.
Galen Low: Das war’s für die heutige Folge des Digital Project Manager Podcast. Wenn Ihnen das Gespräch gefallen hat, abonnieren Sie uns, wo immer Sie zuhören. Noch mehr Praxis-Tipps, Fallstudien und Playbooks finden Sie auf thedigitalprojectmanager.com.
Bis zum nächsten Mal, danke fürs Zuhören.
