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Wenn Sie schon einmal versucht haben, ein Projekt mit sich ständig ändernden Zielvorgaben, wechselnden Anforderungen oder unvorhersehbaren Zeitplänen zu planen, wissen Sie, wie schwierig es ist, von Anfang an eine detaillierte Roadmap zu erstellen. Die Realität hält sich selten an Lehrbuchvorgaben. Kunden ändern ihre Meinung. Prioritäten verschieben sich. Und dennoch wird erwartet, dass Sie Ihre Fristen einhalten.

Genau hier setzt das Rolling Wave Planning an. Es ist eine flexible, aber dennoch strukturierte Projektmanagement-Technik, die für Unsicherheiten in der Praxis entwickelt wurde. Egal, ob Sie ein neues Produkt entwickeln, ein Softwareentwicklungsprojekt steuern oder mehrere Lieferungen mit knappen Ressourcen bewältigen – dieser Ansatz hilft Ihnen, den Überblick zu behalten, ohne die Zukunft exakt vorhersagen zu müssen.

Was ist Rolling Wave Planning?

Rolling Wave Planning ist eine iterative Projektplanungs-Methode, bei der kurzfristige Aufgaben im Detail geplant werden, während zukünftige Phasen zunächst auf einer höheren Ebene skizziert bleiben. Während das Projekt fortschreitet und neue Informationen verfügbar werden, verfeinert das Team seine Planung in Wellen – von grob zu detailliert.

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Dieser Ansatz ist eine Form der schrittweisen Verfeinerung (progressive elaboration), wie im PMBOK (Project Management Body of Knowledge) definiert. Er ermöglicht es Projektleitern, den Projektplan kontinuierlich weiterzuentwickeln und zu konkretisieren, sobald der Projektumfang klarer wird. Besonders bei Projekten mit hoher Unsicherheit oder in schnelllebigen Umgebungen erweist sich diese Methode als hilfreich.

Wichtige Merkmale des Rolling Wave Planning

Rolling Wave Planning ist eine praxisorientierte Planungsmethode. Das macht sie aus:

Bild mit den 4 wichtigsten Merkmalen des Rolling Wave Planning: Phasenweise Planung, Fokus auf die nahe Zukunft, iterative Aktualisierungen und Anpassungsfähigkeit.
  • Phasenweise Planung: Der Projektplan entwickelt sich im Zeitverlauf. Die erste Welle umfasst unmittelbare Aufgaben mit festen Meilensteinen, während spätere Wellen auf hohem Niveau bleiben, bis deren Ausführung näher rückt.
  • Fokus auf die nahe Zukunft: Ausführliche Planung bezieht sich nur auf kurzfristige Arbeiten. Sie erstellen nicht schon am ersten Tag Jahrespläne, sondern konzentrieren sich auf das, was aktuell wichtig ist.
  • Iterative Aktualisierungen: Die Pläne werden regelmäßig überprüft und im Lauf des Projekts angepasst.
  • Anpassungsfähigkeit: Dieser Ansatz baut Flexibilität von Anfang an ein, sodass Sie bei unerwarteten Entwicklungen leichter gegensteuern können.

Diese Merkmale machen Rolling Wave Planning ideal für das Projektmanagement in der Softwareentwicklung, Produkteinführungen und alle Vorhaben, bei denen sich der Projektumfang im Zeitverlauf weiterentwickelt.

Rolling Wave Planning vs. progressive Verfeinerung

Diese Begriffe werden oft synonym verwendet, doch es gibt einen feinen Unterschied.

Die progressive Verfeinerung bezeichnet das übergeordnete Prinzip, einen Plan Schritt für Schritt immer detaillierter auszuarbeiten. Rolling Wave Planning ist eine konkrete Planungsmethode darunter, mit Fokus auf zeitphasenorientierte, iterative Planung. Man kann Rolling Wave Planning als den taktischen Ableger der eher konzeptionellen progressiven Verfeinerung betrachten.

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Rolling Wave Planning vs. agile Methoden

Wer mit agilem Projektmanagement oder Scrum vertraut ist, wird einige Parallelen erkennen. Ähnlich wie bei agilen Methoden werden Aufgaben in kleinere Einheiten unterteilt und während des Projekts angepasst. Dennoch gibt es Unterschiede:

MerkmalRolling Wave PlanningScrum (Agile)
StrukturOft in hybriden oder klassischen Umgebungen eingesetztDurch feste Sprints definiert
PlanungsfokusPlanung entwickelt sich über die Zeit weiterBetont häufige Lieferungen & Team-Zeremonien (z.B. Standups)
Bester AnwendungsfallProjekte, die anfangs Struktur, aber auch Flexibilität brauchenProjekte, bei denen schnelle Lieferung und intensive Zusammenarbeit im Fokus stehen

Rolling Wave Planning kann agile Methoden ergänzen, indem es strategischen Projektzielen und Abhängigkeiten mehr Struktur verleiht – besonders bei komplexen oder bereichsübergreifenden Projekten.

5 Schritte zur Umsetzung von Rolling Wave Planning

Die Einführung von Rolling Wave Planning erfordert Disziplin und Abstimmung. So starten Sie mit diesen fünf Schritten:

Abbildung mit drei Wellen, die darstellen, wie weit in die Zukunft Sie detaillierte Pläne erstellen. Kurzfristig, mittelfristig und langfristig.
Rolling-Wave-Planning-Horizonte.

1. Initiale Planung

Beginnen Sie damit, den Projektumfang auf hoher Ebene, die wichtigsten Meilensteine und die Gesamt-Roadmap zu definieren. Legen Sie eine Ausgangsbasis fest, die den aktuellen Kenntnisstand widerspiegelt. Das gibt Ihnen einen Referenzpunkt, auf den Sie während der weiteren Planung zurückgreifen können.

2. Arbeitsstruktur (WBS) entwickeln

Nutzen Sie eine Arbeitsstruktur (Work Breakdown Structure, WBS), um kurzfristige Aufgaben in Arbeitspakete und Einzelaufgaben zu unterteilen. So erhalten Sie die nötige Detailtiefe, um Ressourcen zuzuordnen, Ergebnisse zu definieren und Zeitpläne festzulegen. Ihre WBS ist dabei ein dynamisches Dokument.

3. Planungshorizonte definieren

Definieren Sie, wie weit in die Zukunft Sie detaillierte Pläne erstellen. Viele Projektmanager definieren einen kurzfristigen Horizont (z.B. 2-4 Wochen), eine mittelfristige Sicht und eine langfristige Platzhalter-Planung. Das Ziel ist es, die Planung überschaubar und auf umsetzbare Aufgaben fokussiert zu halten.

4. Iterative Planung

Überarbeiten und verfeinern Sie Ihren Plan, während das Projekt voranschreitet. Ergänzen Sie Details für die nächste "Welle" an Aufgaben. Mit jedem Schritt bringen Sie die Arbeit von der groben Übersicht zur vollständigen Ausgestaltung. Genau hier setzt das „Wellen“-Prinzip an.

5. Überwachen und Anpassen

Nehmen Sie regelmäßige Abstimmungen, Metriken und Feedback zum Anlass, den Plan auf Basis neuer Informationen zu aktualisieren. Hier sind Teammitglieder und Stakeholder entscheidend. Bleiben Sie mit ihnen im Austausch, um eine enge Abstimmung und schnelles Reagieren sicherzustellen.

Vorteile der Rolling Wave Planung

Wie Sie vermutlich sehen, gibt es viele Vorteile, kurzfristig detailliert zu planen. Doch außerdem bietet die Rolling Wave Planung noch weitere Pluspunkte:

  • Flexibilität: Die Planung kann angepasst werden, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern. Perfekt für dynamische oder unsichere Umfelder.
  • Verbessertes Risikomanagement: Sie treffen Entscheidungen nicht zu früh und minimieren so Risiken durch menschliche Fehler, wie z.B. falsche Annahmen.
  • Bessere Ressourcenzuordnung: Ressourcen werden nach aktuellem Bedarf und nicht nach Schätzungen verteilt.
  • Mehr Fokus im Team: Teams können sich auf die unmittelbaren Prioritäten konzentrieren, anstatt vom Gesamtprojekt überwältigt zu werden.

Nehmen wir an, Sie arbeiten an einem Softwareentwicklungsprojekt mit sich verändernden Kundenanforderungen. Rolling Wave Planung ermöglicht es Ihrem Team, nutzbare Funktionen schrittweise auszuliefern und den Planungsprozess anzupassen, sobald neue Informationen vorliegen. Das ist ein Gewinn.

Wann ist Rolling Wave Planung sinnvoll?

Wenn Sie überzeugt sind, dass diese Methode für Sie funktionieren kann, sind dies die Projekte, in denen sie besonders geeignet ist:

Image of a beach with a warning sign depicting a raised hand as if telling beach-goers to pay attention.
  • Projekte mit sich entwickelnden Anforderungen oder unvollständigen Anfangsdaten
  • Initiativen, die rasche Iterationen erfordern, z. B. die Entwicklung neuer Produkte
  • Groß angelegte oder langfristige Projekte mit mehreren Abhängigkeiten
  • Projekte mit begrenzten Ressourcen oder straffen Zeitplänen

Kurz gesagt: Wenn Ihr Projekt nicht zu Beginn vollständig festgelegt werden kann, lohnt sich das Rolling Wave Planning.

Rolling Wave Planning – Ein Beispiel

Stellen Sie sich vor, Sie leiten einen Website-Relaunch für einen Kunden, der nur eine grobe Vision und wenige Inhaltsbausteine hat. Sie wissen, dass der Launch in vier Monaten erfolgen muss, aber die Anforderungen sind noch nicht vollständig definiert.

So hilft Ihnen Rolling Wave Planung:

  • Erste Welle: Anforderungen an die Homepage, Seitenarchitektur und Markenauftritt klären. Die WBS erstellen und Teammitglieder zuweisen.
  • Nächste Welle: Sobald Inhalte vorliegen, werden interne Seiten, Navigation und SEO-Funktionen ausgearbeitet.
  • Letzte Welle: Integrationen vornehmen, Tests durchführen und das Design nach Kundenfeedback perfektionieren.

Wie Sie sehen, nimmt die Detailtiefe der Planung ab, je weiter die jeweilige Welle von der Gegenwart entfernt ist. In jeder Phase passen Sie Ihre Detailpläne an das an, was bereits geklärt ist und was noch entdeckt werden muss. Das ist Rolling Wave Planning im Einsatz.

Tools für die Rolling Wave Planung

Sie müssen diese Methode nicht allein anwenden. Die richtigen Tools helfen, Wellen zu visualisieren, Abhängigkeiten zu verfolgen und Pläne schnell zu aktualisieren. Ob Sie mit einem Gantt-Diagramm, einem Taskboard oder einer Projektmanagement-Software arbeiten – Ihr Tech-Stack sollte Iterationen unterstützen.

Hier einige Optionen, die Sie in Betracht ziehen sollten:

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