Gestalten Sie Ihre PM-Karriere für mehr Gehalt und Sinn
Wir gewinnen immer mehr aufschlussreiche Erkenntnisse aus unserer DPM Gehaltsumfrage 2025:
- PMs in der Software- und IT-Branche verdienen etwa 23.000 $ mehr pro Jahr als ihre Kolleginnen und Kollegen in Medien, Marketing und Werbung
- Eine Zertifizierung kann Ihr Gehalt um bis zu 14.000 USD steigern
- Wenn Sie in den USA arbeiten, verdienen PMs in New Jersey aktuell am meisten.
Sollten Sie also vielleicht die Branche wechseln? Sollten Sie sich für die nächste Prüfung anmelden? Vielleicht sogar quer durchs Land umziehen? Vielleicht.
Doch es gibt noch viel mehr zu überlegen. Die Rolle des PM entwickelt sich rasant weiter. Der Job wird komplexer, die Erwartungen steigen und die Bezahlung hält nicht immer Schritt.
Was sollten Sie also wirklich tun, wenn Sie Ihre PM-Karriere vorantreiben und mehr verdienen möchten?
Es gibt keinen Einheitsweg. Aber es gibt Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln, ohne die eigenen Werte zu kompromittieren.
Wir beleuchten:
- Welche PMs aktuell am meisten verdienen – aktuelles Datenmaterial zu den Top-Branchen, Titeln und Standorten aus unserem Gehaltsreport 2025
- Ob Spezialisierung (z.B. technische oder KI-affine PMs) sinnvoller ist als Generalistentum
- Der Return on Investment von PM-Zertifizierungen
- Wie sich ein Karriereweg gestalten lässt, der sowohl zu besserer Bezahlung als auch langfristiger Erfüllung führt
- Warum einige der bestbezahlten PMs keine Titel jagen, sondern sich an ihren eigenen Werten orientieren
Wenn Sie an einem Wendepunkt Ihrer PM-Karriere stehen, hilft Ihnen diese Session dabei, Ihre Richtung zu finden und Ihre Interessen durchzusetzen. Bringen Sie Ihre Fragen mit!
DPM – Gestalten Sie Ihre Karriere für mehr Gehalt und Sinn
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Kelsey Alpaio: Falls Sie gerade erst dazustoßen, willkommen zu unserer Community-Event-Reihe. Wir beobachten, wie diese Events immer größer werden und für unsere Mitglieder eine wertvolle Möglichkeit bieten, sich mit den Expert:innen des Digital Project Manager auszutauschen. Schön, dass Sie heute dabei sind. Mein Name ist Kelsey eo.
Ich bin Executive Editorin beim Digital Project Manager und die heutige Session dreht sich darum, wie Sie Ihre PM-Karriere noch sinnvoller und lukrativer gestalten. Wir haben heute einige der führenden Stimmen und Vordenker:innen zu Gast. Mit dabei: Ben Chan. Ben ist Projektführungscoach, Sprecher und Moderator und hat bereits hunderten Projektmanager:innen geholfen, mit Selbstbewusstsein und Ziel zu führen.
Mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in Branchen und Multi-Millionen-Dollar-Projekten bringt er einen praktischen und humorvollen Ansatz ins Projektmanagement, der ihm einen Platz unter den Top 3 LinkedIn PM Creators in Kanada eingebracht hat. Außerdem ist er Gastgeber des [00:01:00] Podcasts „The Organized Chaos Café“. Herzlich willkommen, Ben.
Ben Chan: Hallo.
Hallo. Vielen Dank für die Einladung.
Kelsey Alpaio: Wir freuen uns, dass du dabei bist. Außerdem begrüßen wir Mackenzie Dysart, zertifizierte PMP und CSM Projektmanagerin mit über zehn Jahren Erfahrung. Sie ist ein echter Exot, denn sie hat das PM bewusst als Karriereweg gewählt und ist aktuell Delivery Principal bei ThoughtWorks, wo sie eines der größten Kundenprojekte in Nord- und Südamerika leitet.
Vielen Dank, Mackenzie, dass du heute dabei bist.
Mackenzie Dysart: Hallo. Danke für die Einladung – ich freue mich sehr.
Kelsey Alpaio: Und wir haben Elizabeth Harrin, preisgekrönte Bloggerin, Autorin und Rednerin mit über 20 Jahren Projektmanagement-Erfahrung in IT, Finanzwesen und Gesundheitswesen. Ihr Buch „Managing Multiple Projects“ erreichte 2023 das Finale der Business Book Awards.
Sie spricht weltweit über Stakeholder-Engagement, Karrierewege und Produktivität – mehr zu ihrer Arbeit auf Rebels Guide to [00:02:00] pm.com. Danke fürs Dabeisein, Elizabeth! Danke, dass ich dabei sein darf – ich freue mich sehr auf das Gespräch. Mir geht es genauso. Wahrscheinlich hat sich jede:r von uns irgendwann im Berufsleben gefragt: Bin ich auf dem richtigen Weg?
Vielleicht haben Sie schon mal an einen Branchenwechsel gedacht oder an eine Zertifizierung, vielleicht sogar einen Umzug, um mehr zu verdienen. Ich möchte mit ein paar Zahlen einsteigen: Laut unserem Gehaltsreport 2025 verdienen PMs im Bereich Software/IT rund 23.000 Dollar mehr als ihre Kolleg:innen im Medien-, Marketing- und Werbebereich in den USA. Zertifizierte PMs verdienen im Schnitt 13.000 Dollar mehr als ihre nicht zertifizierten Kolleg:innen.
Und wer beispielsweise in New Jersey lebt, gehört zu den bestbezahlten PMs in den Vereinigten Staaten. Manche dieser Schritte könnten also zu mehr Einkommen führen – aber so einen Karrierewechsel entscheidet man nicht einfach so. [00:03:00] Zumal sich die Rolle des Projektmanagements so rasant entwickelt, dass es immer schwerer wird, die richtige Richtung zu wählen.
Soll man sich spezialisieren? Generalist:in bleiben? Titeljagd oder Sinnsuche? Genau das ist unser Thema heute: Wie lässt sich eine Karriere gestalten, die sowohl Gehalt als auch Erfüllung bringt? Fangen wir mal mit dem großen Bild an. Ich habe viele Zahlen aus unserem Gehaltsreport genannt – PMs verdienen in Abhängigkeit von Branche, Zertifizierung und Standort zum Teil erheblich mehr.
Was denken unsere Panelist:innen über diese Daten? Elizabeth, möchtest du anfangen?
Oh, wir hören dich noch nicht… Jetzt! Ein klassisches
Elizabeth Harrin: Problem: nicht entmutet. Ja, ich habe mir die Daten angeschaut und finde die Varianz im Berufsbild wirklich spannend. Es gibt Einstiegsjobs, sehr seniorige Jobs, für jede:n ist Platz – und das in vielen Branchen.
Das macht es aber schwieriger, die eigene Karriere gezielt zu planen, weil man so viele Kategorien bedenken muss: Geografie, Zusatzleistungen, Gender-Pay-Gap – das alles wirkt sich sehr auf das Gehalt aus.
Kelsey Alpaio: Ja, auf jeden Fall. Mackenzie, was waren deine ersten Reaktionen auf die Daten?
Mackenzie Dysart: Also, wir haben ja schon separat darüber gesprochen und ich habe echt tief gegraben – ihr findet auch viele Zitate von mir im Report. Ich habe starke Meinungen… Besonders spannend finde ich immer das Gender-Pay-Gap, aber es wundert mich nicht, dass das Gehalt in Jersey so hoch ist – sehr nah an New York und trotzdem günstiger zu leben.
Die Leute versuchen, ihr Geld möglichst gut zu optimieren. Angesichts der weltweiten wirtschaftlichen Lage haben wir alle den Gürtel enger geschnallt. [00:05:00] Wenig überraschend. Aber ich weiß, dass man es trotzdem schaffen kann, etwas für sich rauszuholen. Je mehr wir über Gehälter sprechen, desto mehr Chancengleichheit gibt es. Diese Gespräche sind enorm wichtig für die Entwicklung aller.
Kelsey Alpaio: Absolut! Lest unbedingt auch nochmal den Guide – viele tolle Zitate von Mackenzie. Und Ben, was sind deine Eindrücke zu den Daten?
Ben Chan: Ich glaube, aktuell sehen wir eine enorme Volatilität in vielen Branchen, die wir so gar nicht erwartet haben.
Und ich denke mir wirklich, wir müssen an Kanadas Gehältern arbeiten – das beschäftigt mich. Gleichzeitig sehen wir eine Zunahme neuer Branchen, die es früher nicht gab.
So hat zum Beispiel Meta kürzlich einen KI-Ingenieur für riesige Summen abgeworben [00:06:00] – ich glaube, es waren an die 200 Millionen Dollar?– und während solche neuen Geschäftsfelder wachsen, werden andere kleiner oder verschwinden. In Kanada zum Beispiel ist das Hudson Bay Company, früher riesig im Einzelhandel, jetzt stark geschrumpft. Dieses stetige Wandel spiegelt sich auch in den Gehaltsbandbreiten wider. Ich wüsste gern, wie groß die Spanne zwischen oben und unten tatsächlich ist und wie die Verteilung aussieht.
Das ist wirklich spannend für Statistiker und kann zu sehr interessanten Schlüssen führen.
Kelsey Alpaio: Ja, absolut. Auch im Chat spannend mitzulesen, was euch zu dieser Session bringt – einige wollen vom aktuellen in eine Senior-Rolle wechseln, andere mögen ihren Job, fühlen sich aber nicht wertgeschätzt. Ein paar haben uns gerade erst entdeckt – willkommen, Mike, schön, dass du dabei bist! Lasst uns eintauchen. Das Thema Gehalt spielt natürlich eine große Rolle im Report, aber ich will betonen: Es geht nicht immer nur um das Geld. Angesichts der gegenwärtigen Wirtschaftslage ist das zwar leicht gesagt, aber die Arbeit nimmt einen enormen Anteil unseres Lebens ein, da darf man auch mehr erwarten als nur das Gehalt. Wie balanciert man diese beiden Säulen? Und wenn man vor einer großen Karriereentscheidung steht, wie gewichtet man was?
Mackenzie, magst du den Anfang machen?
Mackenzie Dysart: Auf jeden Fall! Balance und Sinn sind zentrale Begriffe, denn dabei geht es nicht nur um Werte oder darum, ob man glücklich ist, sondern ob man sich wirklich erfüllt fühlt. Genau diese Erfüllung macht das Arbeiten leichter und angenehmer.
Ich bin großer Fan davon, bei Organisationen zu arbeiten, hinter denen ich auch stehen kann. Ich hatte Gelegenheit, mal für eine Agentur zu arbeiten, die überwiegend Non-Profits unterstützte – das war eine sehr sinnvolle Arbeit. Aber irgendwann hat mich die Arbeit nicht mehr ausgefüllt, also habe ich gewechselt.
Jetzt arbeite ich oft mit profitorientierten Kunden, aber die Unternehmenskultur und die Werte sind für mich im aktuellen Unternehmen sehr wichtig. Wenn man einen Arbeitgeber findet, der die eigenen Werte teilt und dazu ein vernünftiges Gehalt zahlt, ist das sehr wichtig. Beim Gehaltsvergleich schaue ich immer auf die Gesamtvergütung.
Ich komme aus einem kanadischen Kontext – die Krankenversicherung ist für uns normal, aber interessant wird’s bei den Zusatzleistungen: Physiotherapie, Massagen, mentale Gesundheit – mein Arbeitgeber bietet Extras für mentale Gesundheit. Es ist nie genug, weil Hilfe teuer ist, aber das Extra ist da. Daneben gibt es andere Anreize – flexible Arbeitszeiten, Homeoffice-Möglichkeit, Unterstützung bei familiären Verpflichtungen, Work-Life-Balance und dergleichen.
Geht es um Elternzeit? Gibt es Sonderurlaub, etwa für ehrenamtliche Arbeit? Ist ein Budget für Weiterbildung drin? All diese Aspekte machen das Arbeitsleben angenehmer und sind essenziell, um den Job an die eigenen Bedürfnisse anzupassen. Bei ThoughtWorks etwa gibt es monatliche Gather-Events, bei denen man sich im Büro oder an anderen Orten im Land trifft, um gemeinsam Zeit zu verbringen und sich zu vernetzen. Das stärkt die Teamkultur und gibt der Arbeit Sinn.
Für mich als sehr soziale Person ist das wichtig – wer aber einfach nur arbeiten und nichts mit dem Team zu tun haben will, sollte auch das als Kriterium für seinen Arbeitgeber wählen. Es ist wichtig, sich zu informieren und zu verstehen, was einen Tag für Tag glücklich macht und wie das alles zusammenpasst.
Kelsey Alpaio: Absolut. Auch der Blick auf die Benefits – das wirkt sich am Ende auf das Wohlbefinden bei der Arbeit aus, selbst wenn man nicht so an das Produkt selbst gebunden ist.
Mir ging’s wie Crystal im Chat: Überlege, ob ich nach Kanada ziehen sollte wegen eurer Gesundheitsleistungen, wie Massagen-Erstattung. Aber zurück zum Thema: Elizabeth, wie balancierst du die Pfeiler Gehalt und Sinn bei der Karriereplanung?
Elizabeth Harrin: Ich glaube, die Balance ist leichter zu finden, wenn das Grundgehalt die Lebenshaltungskosten und den gewünschten Lebensstil abdeckt. Optimal ist aber auch, wenn die Branche zu den eigenen Werten passt. Ich bin damals von der Finanzbranche ins Gesundheitswesen gewechselt, ohne zu wissen, worauf ich mich einlasse. Im Versicherungswesen verdient das Unternehmen Geld, wenn die Kund:innen die Produkte nicht in Anspruch nehmen. Im Gesundheitswesen begegnet man Menschen an ihren schlimmsten Tagen und unsere Projekte tragen dazu bei, dass das medizinische Personal bestmögliche Patientenversorgung bietet. Der Bezug zu den Ergebnissen fühlt sich ganz anders an – es gibt Sinn.
Ich habe den Job im Gesundheitswesen nicht wegen meiner Werte gewechselt, aber im Rückblick war es der richtige Schritt. Leicht sagen lässt sich das, wenn das Gehalt reicht, um die Familie zu ernähren. Aber man muss auch genau rechnen: Wie viel brauche ich zum Leben, für die Rente, für Gesundheit – Massagen etwa, wenn sie nicht mitversichert sind –, und kann ich beides kombinieren: ein gut bezahlter Job, der gleichzeitig meinen Werten entspricht?
Kelsey Alpaio: Absolut. Ben, kennst du Tools oder Frameworks, die bei der Entscheidungsfindung helfen können – für dich selbst oder Kund:innen?
Ben Chan: Ja, in der Tat. Wenn man das im Kopf durchdenkt, wird es schnell unübersichtlich. Ein Tool, das ich gerne nutze, ist das Entscheidungsrad. Gehalt und Sinn sind Teilaspekte, aber man sollte noch weitere Faktoren berücksichtigen: Homeoffice, Sozialleistungen, Standort, Unternehmenskultur, Arbeitsweg etc. Dann bewertet man, was am wichtigsten für einen ist und gewichtet die Aspekte.
Bei der Auswahl zwischen mehreren Optionen (neuer Job Ja/Nein oder zwischen zwei Arbeitgebern) kann man für jede Option die einzelnen Aspekte bewerten, multiplizieren und so eine Gesamtpunktzahl berechnen. Daraus lässt sich sogar eine Art grafische Auswertung erstellen. Manchmal erkennt man, dass man bestimmte Prioritäten falsch eingeschätzt hat. Vergesst dabei nicht, auch die aktuelle Situation als Vergleich einzubeziehen – manchmal ist „bleiben“ die beste Entscheidung. Das Entscheidungsrad hilft, das Unfassbare greifbar und vergleichbar zu machen.
Kelsey Alpaio: Ja, das klingt hilfreich. Und ich will kurz den Chat aufnehmen: Joseph schreibt, er hätte gern die „Luxusentscheidung“, einen Job ablehnen zu können, weil es nicht das perfekte Angebot ist. Gerade deswegen helfen solche Tools, um herauszufinden, was eigene Muss-Kriterien sind.
Mackenzie oder Elizabeth, habt ihr noch andere Methoden, die euch geholfen haben?
Mackenzie Dysart: Ich habe ein ähnliches Werte-Ranking wie Ben bei meiner Therapeutin gemacht: Man hat Karten mit Werten (Ehrlichkeit vs. Transparenz, Pünktlichkeit usw.), muss sich immer für einen entscheiden, bis eine Top-10-Liste der wichtigsten Werte entsteht. Dadurch wurde mir klar, warum ich mich in einem früheren Job unwohl fühlte: Es gab einen Werte-Konflikt. Der Begriff „Moral Injury“ kommt hier ins Spiel – wenn eigene Werte mit denen des Unternehmens kollidieren. Das Tool half mir zu erkennen, dass Status Quo nicht mehr reicht – ich musste wechseln.
Das Kriterien-Ranking zwingt zu echten Entscheidungen, was einem wirklich wichtig ist – sehr zu empfehlen!
Elizabeth Harrin: Wir haben dazu mal einen Fragebogen im Team gemacht, der die Motivationsfaktoren aufdeckt. Damals war mein Top-Faktor Geld, während andere „Fürsorge“ oder „gute Arbeit“ anführten. Man sollte im Blick behalten, dass diese Dinge sich im Lauf der Karriere verändern. Früher hätte ich nie „Flexibilität/für Kinder/zu Hause sein“ angegeben, heute schon. Solche Tools bilden immer nur eine Momentaufnahme ab, die Werte können sich mit Lebensphase und Zielen wandeln.
Kelsey Alpaio: Perfekt. Nächste Frage: Wer von euch ist „Accidental PM“ – also eher zufällig ins Projektmanagement gerutscht?
Elizabeth Harrin: Ich habe meinen Weg gewählt, allerdings wusste ich an der Uni nicht, dass PM ein Beruf ist. Im Berufsleben wurde das schnell klar – für mich war das die richtige Richtung. Und du?
Ben Chan: Ich bin ein zufälliger PM. Das erste Mal Projektmanagement war im Informatik-Studium – vermutlich habe ich die Hälfte der Vorlesungen verschlafen… Ironischerweise bin ich nun voll dabei. Über das Consulting kam ich mehr in Richtung Delivery Management. Viele Unternehmen denken dabei nicht an pünktliche Lieferung – für sie ist Vertragsverlängerung oft sogar wünschenswert…
Kelsey Alpaio: [00:21:00] Nächste Frage: Viele landen im PM eher zufällig und möchten später die Richtung in die eigene Hand nehmen. Ben, was empfiehlst du Leuten, die das Steuer übernehmen wollen?
Ben Chan: Das Wichtigste: Erkennt, was ihr wirklich wollt! Wenn ihr das Ruder übernehmen wollt, müsst ihr das Ziel kennen. Viele verlassen ihren Job, weil sie wissen, was sie nicht wollen – aber nicht, wohin sie eigentlich wollen. Das zu klären, ist harte Selbstreflexion. Auch ich habe dieses „Kompassproblem“ gehabt, bin von Unternehmen zu Unternehmen gewechselt und wusste lange nur, was ich vermeiden wollte. Erst in meinen 40ern habe ich meine Ziele so richtig erkannt. Es ist nie zu spät, aber es ist ein längerer Prozess.
Kelsey Alpaio: Klasse Perspektive: Viele laufen vor etwas davon, statt aktiv auf etwas zuzugehen. Das merkt man bei der Jobsuche manchmal gar nicht… Das führt gut zum zweiten Panel-Thema: Wie können PMs eigenständig über ihren Karriereweg bestimmen? Eine Option ist Industrieshift oder Spezialisierung – beides bringt Chancen, aber auch Tauschgeschäfte. Besonders gefragt sind gerade technische und KI-affine PMs. Was denkt ihr über Spezialisierung vs. Generalistentum?
Mackenzie, magst du dazu als Erste sprechen?
Mackenzie Dysart: Klar! Ich bin total Generalistin, habe schon oft gewechselt. Aktuell leite ich Datenschutzprojekte, bin bei meinem Kunden quasi Datenschutzexpertin, weil ich eng mit Jurist:innen arbeite – aber ich leite auch Themen rund um Developer Experience und lerne gerade Kubernetes-Kostenmodelle u. v. m. Die eigentliche Kernkompetenz ist, Teams zu strukturieren und Projekte zu liefern.
Ich war in vielen Branchen: Finanzen, Tech, Non-Profits, Recht. Von allem ein bisschen – das macht mich zur geborenen Generalistin. Das hat Vorteile, aber viele Jobanzeigen suchen gezielt Spezialisten – z. B. im E-Commerce, wo fünf bis zehn Jahre Branchenerfahrung verlangt werden, auch für Einstiegsjobs. Es gibt also Bereiche, da ist Generalistentum ein Nachteil, andernorts bringt es Flexibilität – etwa im Consulting, wo ich ständig bei neuen Kunden eingesetzt werde. Aber in manchen Branchen (Gesundheit z. B.) wird fehlender Branchenspezifischer Hintergrund kritisch gesehen.
Entscheidend ist: Kann man als Generalist beweisen, schnell zu lernen und Methoden adaptierbar einzusetzen? Denn manche Hiring Manager sehen das leider nicht sofort.
Kelsey Alpaio: Mike fragt im Chat: E-Comm auf der Tech- oder Contentseite?
Mackenzie Dysart: Ich meine v. a. Retail-Unternehmen mit eigenen Tech-Teams, etwa Lululemon oder Niks – da werden Backend und Website, Zahlungssysteme, alles intern betrieben, sowohl Tech als auch Content. Das meinte ich.
Kelsey Alpaio: Verstanden. Elizabeth, wie siehst du Spezialisierung/Generalistentum?
Elizabeth Harrin: Ich bin wie Mackenzie Generalistin – ich habe Geschäftsprozess-, Datenschutz- und Techprojekte gemacht, alles Mögliche. Allerdings wäre etwa ein Bau-Projekt oder Großtechnik zu weit weg. Je senioriger man wird, desto wichtiger sind Generalisten-Skills: Teamführung, Management, Methodenvielfalt. Das ist zentral für Karrieren mit 3- oder 5-Jahresziel!
Kelsey Alpaio: Ja, aktuell gibt es ja die gegenteilige Tendenz: Trotz stagnierender Gehälter müssen PMs mehr denn je Allrounder sein. Ben, wie siehst du die Entwicklung der PM-Rolle?
Ben Chan: Interessant ist, dass es stark davon abhängt, wie die ausschreibende Stelle PM definiert – viele Anzeigen verlangen Dinge, die nichts mit Projektmanagement zu tun haben (z. B. Coding). Wir PMs müssen heute den Menschenfaktor noch viel stärker einbringen: Es geht nicht nur um Methoden, sondern darum, Teams zu befähigen, Mehrwert zu liefern. Je mehr wir uns auf strategische Führung und Einfluss auf das große Ganze fokussieren, desto eher werden wir auch für höherwertige Projekte wahrgenommen und bezahlt. Als Generalist mit Consulting-Hintergrund schätzen meine Kunden besonders, dass ich Methoden aus verschiedenen Bereichen branchenübergreifend einbringen kann.
Kelsey Alpaio: Danke! Ich würde gern auf das Thema Zertifizierungen eingehen, da dazu viele Fragen kamen. Daten aus dem Salary Guide zeigen: 78 % der Befragten mit Zertifizierung finden, diese wirkt sich positiv auf Karriere oder Gehalt aus. Es kostet jedoch Zeit, Geld und Kraft. Wann lohnt sich eine Zertifizierung? Mackenzie, magst du beginnen?
Mackenzie Dysart: Unbedingt. Zuerst: Recherchiert, welche Zertifizierungen in der Branche/bei den Firmen gefragt sind. Im Bankenbereich wird meist die PMP verlangt – das ist der Klassiker. Wer in Bau oder Maschinenbau geht, findet auch die PMP. Im Software- oder Agenturbereich sind CSM oder andere Scrum-Zertifikate populär, auch Product Owner & Co. Wird das bei den Jobs verlangt? Dann lohnt es sich, die Mühe auf sich zu nehmen, diese zu erwerben, um in die engere Auswahl zu kommen. In meiner früheren Zeit im Recruiting habe ich z. B. nach Schlüsselbegriffen gescreent. Auch der einfache Vermerk „Arbeitet an der PMP“ auf dem Lebenslauf hilft fürs Ranking.
Ob sich die Mühe dann wirklich bezahlt macht, hängt stark von Netzwerk und Karrierestufe ab. Mit steigenden Erfahrungsjahren entscheiden oft persönliche Empfehlungen, nicht mehr die Überprüfung eines „Certs“.
Kelsey Alpaio: Absolut, danke für den „In Bearbeitung“-Tipp – steht auch im Guide, weil sehr clever! Jetzt will ich zum letzten Themenblock wechseln: KI.
Durch KI stehen wir an einer Zeitenwende: Es herrscht Unsicherheit, was künftige Kompetenzen betrifft, aber das ist nicht die erste disruptive Phase im PM. Wer von euch hat größere Umbrüche erlebt und wie gingt ihr bei Karriereentscheidungen in solchen Zeiten vor?
Elizabeth?
Elizabeth Harrin: Um mein Alter zu verraten: Ich habe noch gearbeitet, als Homeoffice und Kollaborationstools neu waren. 2008 habe ich auf Konferenzen dafür geworben – heute Standard. PMs mussten sich immer an neue Technologien, Welten, Methoden anpassen. Niemand hat eine Kristallkugel, und aktuelle Titel wie AI Project Manager werden sicher mittelfristig verschwinden, weil die Tools dann ganz selbstverständlich dazugehören. Mein Tipp: Keine Panik, lieber kurz- bis mittelfristig planen (12–18 Monate), und sich daran orientieren, was zu einem passt. Niemand weiß sicher, was die Zukunft in 15 Jahren bringt. Langfristige Ziele sind wichtig, aber kurzfristige Handlungsfelder ebenso.
Kelsey Alpaio: Ben oder Mackenzie, noch Ergänzungen?
Ben Chan: KI kommt mit Macht und bringt Zweifel auf den Markt: Was soll ich tun? Ein vergleichbarer Schock war Anfang der 2000er in der IT, als viel Entwicklung nach Indien ausgelagert wurde. Ich wusste: Ich bin als Entwickler nicht gut genug, um mitzuhalten, habe fünf Jahre investiert – was nun? Das führte mich ins Consulting. Fazit: Man sollte keine Angst haben, neue Dinge auszuprobieren und immer darauf schauen, was einen erfüllt. Nutzt neue Tools aktiv, experimentiert, und besonders beim Quereinstieg: Früher war der Einstieg ins PM meist im Bereich Projektkoordination/Protokoll, das übernimmt zunehmend KI – das erschwert die ersten Schritte für den PM-Nachwuchs.
Kelsey Alpaio: Das betrifft insbesondere den Einstieg ins PM – dazu finden sich Zitate von Mackenzie im Salary Guide! Nun zu euren Fragen aus dem Publikum: Beispielsweise, wie man sich als Senior-Generalist:in wertvoll positioniert? Helfen weitere Zertifikate, oder gibt es Branchen, die offener sind?
Elizabeth Harrin: Mehr Zertifikate helfen vermutlich nicht, da die Führungsrolle auf Soft Skills und Einfluss basiert, wie Ben eben sagte. Laut Salary Guide bringt die erste Zertifizierung den Gehaltssprung – weitere vergrößern das Gehalt nicht. Es kann sinnvoll sein, für den Branchenwechsel gezielt nach passenden Certs zu schauen. Als Senior werde ich zum Dreh- und Angelpunkt: Ich kenne die Prozesse, verstehe Governance, bin intern vernetzt – das macht meine Wertigkeit aus.
Mackenzie Dysart: Ähnlich sehe ich das: Für neue Branchen oder Interessenbereiche nützen zusätzliche Zertifikate, um Diversität zu zeigen. Beispiel: Da ich im Datenschutz arbeite und es spannend finde, habe ich Privacy Trainings gemacht und überlege eine Zertifizierung – aber mehr aus Interesse. Das sollte dann aber auch so auf dem Lebenslauf stehen – etwa unter „weitere Interessen“. Führungskompetenzen durch Weiterbildung ebenfalls angeben. Für klassische Senior- oder Principal-Rollen bringen Spezialcerts wie CPSO aber wenig – wichtiger sind die Soft Skills.
Kelsey Alpaio: Etwas ähnliche Frage: Wie gelingt der Wechsel in neue Branchen, gerade im aktuellen Arbeitsmarkt?
Ben Chan: Ich bin selbst oft branchenübergreifend unterwegs: Finanzen, IT, Logistik, Öl/Gas… Entscheidend ist, aufzuzeigen, wie die eigenen Methoden branchenübergreifend wirken. Recherche zur Zielbranche ist wichtig, danach Parallelen ziehen: Was ist ähnlich, wie kann ich mein Know-how anwenden? Beispiel: Ein Kunde setzte nur auf Scrum, aber bei UX kam er nicht weiter – ich konnte mit klassischem Wasserfall in der Kommunikation helfen. Geschichten, wie man mit Methoden Mehrwert schafft, brechen Vorurteile am ehesten auf. Und: Netzwerken! Die Screening-Software blockt viele raus – reale Kontakte helfen mehr denn je.
Elizabeth Harrin: Wir sind die Expert:innen im PM und bringen als „Kleber“ Teams und Prozesse zusammen – das ist der Mehrwert, weshalb Unternehmen uns suchen. Bewerbt euch, auch wenn ihr branchenseitig nicht hundertprozentig passt – und bringt eure Geschichten so rüber, dass sie dem Gegenüber einleuchten.
Kelsey Alpaio: Nächste Frage – leider sehr verbreitet: Jemand wurde gekündigt, fand nach sieben Monaten etwas Neues, aber mit 18 % weniger Gehalt. Jetzt, nach sechs Monaten, läuft’s super – aber finanziell ist es zu wenig. Sollte man loyal bleiben oder wechseln? Courtney hat das Gegenteil: Gutes Gehalt, aber wenig Freude am Job. Wie geht man mit solchen Konflikten um?
Mackenzie Dysart: Viele Gedanken dazu! Wichtig ist herauszufinden, ob es das, was man sucht, im eigenen Unternehmen gibt. Gibt es Aufgaben, die einen interessieren? Dann das im Feedbackgespräch oder bei Teamkolleg:innen ansprechen. Wenn nicht, wird die Entscheidung klarer. Zum Thema Gehalt: Prüft die Gehaltsbänder intern und recherchiert Schnittwerte am Markt. Bringt im Gespräch mit dem Vorgesetzten konkrete Daten, gern von mehreren Quellen (z. B. Glassdoor, Salary Guide, PMI). Wenn euer Unternehmen unterdurchschnittlich zahlt, argumentiert sachlich und mit Zahlen – und prüft realistisch, wie viel Spielraum da ist. In Non-Profits beispielsweise bekommt man oft weniger Gehalt, gewinnt aber an Sinn. Am Ende ist es eine Abwägung, was einem wichtiger ist.
Kelsey Alpaio: Noch eine Frage zu Wiedereinstieg nach einer Auszeit: Welche Zertifikate helfen beim Wiedereinstieg in der Finanzbranche nach 18 Monaten Unterbrechung?
Elizabeth Harrin: Besonders Eltern erleben nach Career Breaks Einbußen beim Gehalt. Kämpft dagegen an und fordert, was euch zusteht. Zertifikate: Schaut in Stellenanzeigen, welche Sets gefragt sind. Wenn Scaled Agile dort steht, lohnt sich das – ansonsten sind auch LinkedIn Learning, Podcasts und Communities wichtige Quellen, um am Ball zu bleiben und im Bewerbungsgespräch up to date zu sein.
Kelsey Alpaio: Letzte Minute, schnell noch eine Abschlussfrage: Wie wichtig ist „wen man kennt“ gegenüber „was man kennt“, gerade bei AI-gesteuerter Bewerbungsauswahl?
Ben Chan: Absolut zentral – die meisten Lebensläufe werden heute von KI geprüft, genauso wie Bewerbungen teils per KI erstellt werden. Wirklich entscheidend bleiben persönliche Beziehungen und Vertrauen. Ich habe seit über sechs Jahren keine klassische Bewerbung mehr geschrieben, sondern arbeite über mein Netzwerk. Wer mit Menschen frühzeitig Kontakte knüpft, kommt letztlich besser weiter als über reine Dokumente.
Kelsey Alpaio: Damit sind wir leider am Ende der Zeit. Vielen Dank an alle Zuhörer:innen, für eure Fragen und die Teilnahme! Füllt bitte noch den Feedback-Bogen aus, damit wir weitere Wunschthemen aufnehmen können. Ein großes Dankeschön auch an unsere [00:55:00] Panelist:innen für ihr Engagement und ihr Knowhow. Danke für dieses tolle Event! Einen schönen Tag Ihnen allen.
