Fühlst du dich apathisch und ausgebrannt im Job oder hast du das Gefühl, kündigen zu wollen? Burnout bei Mitarbeitenden ist ein großes Problem im digitalen Projektmanagement, allein schon wegen der Art der Arbeit, die wir tun. In diesem Beitrag spreche ich über meine persönlichen Erfahrungen mit Burnout und erkläre, wie man als PM mit Burnout am Arbeitsplatz umgehen kann.
Eine persönliche Geschichte über Burnout im Job
Es ist mir ein wenig peinlich zuzugeben, dass ich viele Jahre (okay...fast alle davon) gedacht habe, lange Arbeitszeiten und zusätzliche Aufgaben würden meine Karriere fördern. In gewisser Weise ist das vielleicht auch so, aber ich habe nicht bemerkt, welchen Tribut das gefordert hat.
2017 war ein besonders hartes Jahr. Ich habe 10 Kilo zugenommen, arbeitete in einem für mich ungesunden Umfeld, hatte eine Panikattacke und wurde zu Hause zu einer nicht so angenehmen Person. Aus heutiger Sicht waren das offensichtliche Anzeichen von körperlichem Stress. Damals allerdings war ich nicht bereit, das einzugestehen.
Doch dann änderte sich etwas. Es würde sich schön anhören zu behaupten, ich wäre zur Selbstbesinnung gekommen und hätte beschlossen, besser auf mich zu achten – aber so war es nicht. Stattdessen wurde ich eines Tages im Juni (zusammen mit ein paar Kollegen) entlassen und nach Hause geschickt.
Mir wurde ein schlechter Deal und gleichzeitig eine großartige Chance geboten. Und zum ersten Mal in meinem Leben habe ich diese Gelegenheit genutzt und angefangen, mein Burnout anzugehen. Auch wenn ich noch einen weiten Weg vor mir habe, treffe ich nun Entscheidungen, die helfen, den Arbeitsstress zu reduzieren: Ich sorge für ein ausgewogenes Arbeitspensum und nehme nur noch Aufgaben an, die mir Spaß machen und mit Menschen, die ich mag. Manche Wochen laufen gut, andere weniger – aber immerhin gehe ich in die richtige Richtung.
Burnout im Projektmanagement
Und was ist mit allen anderen? Studien zeigen, dass zwei Drittel der Vollzeitbeschäftigten Burnout am Arbeitsplatz erleben – und ich glaube fest daran, dass unsere Digital-PM-Community hier einem besonderen Risiko ausgesetzt ist.
Auch andere Projektmanager:innen teilen meine Sorge bezüglich Burnout. Das sagt Claire Harrington, Delivery Team Managerin und Mitglied der DPM Membership Community, über Burnout im Projektmanagement:
„Ich glaube, je mehr Kommunikationstools wir haben, desto höher werden die Erwartungen, dass Arbeit erledigt wird. Da wir in einer Welt leben, in der jede:r jederzeit erreichbar ist, fühlt es sich an, als müsste man rund um die Uhr arbeiten, um erfolgreich zu sein – was definitiv zu hohem Stress und Burnout beitragen kann.
Ich denke, [das Thema Burnout] ist riesig und muss sehr ernst genommen werden. Ich habe gesehen, wie bei vielen wirklich großartigen PMs die Zeit falsch gemanagt wurde, sodass sie den Beruf ganz aufgegeben haben. Als PM ist man eine absolut wichtige Schlüsselperson in Projekten, sodass es sich anfühlen kann, als läge alles auf den eigenen Schultern[…]“
Von Natur aus sind wir die „Patriarchen und Matriarchinnen“ unserer Teams. Wir kümmern uns um alles, was unsere Kund:innen brauchen, was das Team anfragt, und was Projekte erfordern. Gleichzeitig werden wir innerhalb unserer Organisationen oft übersehen, wenn es um Fürsorge und Aufmerksamkeit geht. Unsere Rolle wird meist als weniger wertvoll betrachtet – das spiegelt sich im Gehalt wider, in der Art, wie diese Position besetzt wird, in der übertragenen Verantwortung und vielem mehr. Ich möchte hier keinen Frust ablassen, aber wenn man immer wieder hört, dass jede:r PM sein könne, sollte man das kritisch betrachten.
Vielleicht arbeitest du ja in einer Organisation, die nicht so recht weiß, was sie mit einem guten PM machen soll. Vielleicht verlangt die Agentur von allen ständige Überstunden und pflegt ein toxisches Arbeitsumfeld. Es ist auch möglich, dass dein inneres „Programm“ ähnlich tickt wie meines und du glaubst, alles schaffen zu können, wenn du nur weiterschwimmst.
Ganz gleich, wie wir in diese Situation geraten sind – du bist die einzige Person, die dich da wieder herausholen kann. Und auch wenn ich dich nicht persönlich kenne, glaube ich, dass es Zeit für einen Wandel ist, denn ich bin mir sicher: Du bist es wert. Der erste Schritt zur Erholung von Burnout besteht darin, die eigenen Symptome zu erkennen, um die richtigen Veränderungen anstoßen zu können.
Was sind die Anzeichen von Burnout?
Die Symptome von Burnout werden viel zu oft als ganz normaler Alltagsstress abgetan, obwohl sie eigentlich klare Anzeichen von Erschöpfung sind. Wenn du dich jeden Morgen fragst: „Warum habe ich keine Energie?“, oder dich den Tag hindurch emotional ausgelaugt und erschöpft fühlst, sind das deutliche Hinweise darauf, dass du auf dem Weg zum Burnout bist. Doch diese Warnzeichen werden häufig ignoriert – niemand will ausbrennen, und so neigen wir dazu, die Anzeichen zu verdrängen.
Was ist Burnout eigentlich genau?
Hier sind ein paar Einblicke von anderen Projektmanager:innen, die gelernt haben, mit Burnout am Arbeitsplatz umzugehen – vielleicht erkennst du Parallelen zu deinem Arbeitsalltag. Vielleicht ignorierst du gerade diese nicht so offensichtlichen Anzeichen von Erschöpfung:
Forschende haben drei Hauptsymptome von Burnout identifiziert:
- Erschöpfung: keine Energie, schlechtes Gedächtnis, schlechter Schlaf, werden häufig krank;
- Entfremdung: Isolation, negative Sichtweise, sich selbst vernachlässigen, leicht gereizt sein;
- Leistungsabfall: Fristen verpassen, weniger engagiert sein, Aufschub, Konzentrationsschwierigkeiten.
Claire aus unserem DPM Slack-Kanal hat noch weitere Hinweise gegeben, wie man erkennt, dass man kurz vor einem Burnout steht:
„Ein großes Anzeichen für mich ist, wenn mir auffällt, dass ich keine Zeit mehr habe, um strategisch über das große Ganze oder neue Ideen nachzudenken. Wenn ich mir dafür keine Zeit mehr nehmen kann, bedeutet das, dass zu viel auf meinem Teller liegt. Ein weiteres Anzeichen ist, dass es mir immer schwerer fällt, mich für meine Arbeit zu begeistern.“
Ein oder zwei dieser Anzeichen hier und da zu haben, ist ganz normal – wir alle haben schlechte Tage. Aber wenn du viele dieser Symptome über einen längeren Zeitraum bemerkst, bist du möglicherweise auf dem Weg in ein Burnout. Schaue dir deine Gefühle und Verhaltensweisen genau an. Fängt das an, sich in deinem Leben zu widerspiegeln?
In manchen Fällen kann schnelles organisatorisches Wachstum zu Burnout führen – mehr dazu hier.
Einfache Schritte: Wie man mit Burnout am Arbeitsplatz umgeht
Du hast erkannt, dass du dich am (oder über) Burnout-Punkt befindest – und bist bereit für eine Veränderung. Es wird nicht einfach, aber es ist möglich. Sich zu motivieren, während man bereits mental erschöpft ist, ist keine leichte Aufgabe. Falls du dich gerade in dieser Situation befindest, sei dir sicher, dass du auf dem richtigen Weg bist und es besser werden kann!
Hier sind die Schritte, die du befolgen solltest, um dich vom Burnout-Syndrom zu erholen, sowie einige Tipps, wie du Burnout zukünftig vermeiden kannst.

1. Übernimm die Kontrolle über deine Zeit
Die erste Frage, die du dir stellen solltest, ist: Kontrollierst du deine Zeit? Wahrscheinlich nicht, und ehrlich gesagt, liegt das meist an uns selbst. Wir haben uns angewöhnt, unsere Planung an den Bedürfnissen und Zeitplänen anderer auszurichten. Wann haben wir entschieden, dass unsere Zeit als Projektmanager weniger wert ist als die von anderen? Solange wir die Zeit nicht anhalten können (was ich mir immer als Superkraft gewünscht habe), müssen wir lernen, unsere Zeit zu respektieren. Hier sind einige Wege, wie wir das schaffen können.
Plane Meetings nach deiner und der Verfügbarkeit deines Teams
Wie oft hast du schon Meetings in deinen Tag gequetscht, nur um das Projekt am Laufen zu halten oder dich nach den Termine der Entwickler zu richten? Wenn in deinem Kalender kein Platz ist, dann ist das eben so. Das Projekt gerät nicht aus der Bahn, wenn man ein paar Tage wartet.
Gönn dir wohlverdiente Pausen
Mach alle paar Stunden einen kurzen Spaziergang und geh drei Mal pro Woche zum Mittagessen vom Schreibtisch weg. Ich weiß, das klingt banal, aber viele von uns bleiben zum Essen am Arbeitsplatz, weil es der einzige ruhige Moment am Tag ist. Aber wenn du am Platz bleibst, isolierst du dich vom Team und gönnst dir nicht die nötigen mentalen Pausen.
Arbeitszeit im Kalender blocken und nie verschieben
Bist du schon mal um 16 Uhr am Schreibtisch gesessen und warst froh, dass die Leute gehen, damit du endlich deine Arbeit erledigen kannst? Ich erinnere mich gut an dieses Gefühl, besonders in der Weihnachtszeit. Das ist natürlich keine gesunde Herangehensweise – deshalb sollten wir unsere Arbeitszeiten bewusst einplanen. Reserviere dir pro Woche zwei ungestörte Arbeitsblöcke von 3–4 Stunden. Diese Termine solltest du NIEMALS löschen oder auf die nächste Woche verschieben. Gönn dir außerdem 30 Minuten Puffer zwischen Meetings zum Vorbereiten und Nacharbeiten.
Häng ein „Bitte nicht stören“-Schild auf
Während deiner Arbeitsblöcke solltest du nicht gestört werden. Schalte Slack auf „Nicht stören“ und häng ein Schild an deinen Schreibtisch, das signalisiert, dass du gerade nicht verfügbar bist. Schließlich brauchen Entwickler auch Fokuszeit – warum solltest du sie dir nicht auch nehmen? Wenn andere deine Grenze nicht respektieren (inklusive Chef), arbeite doch einen Tag von zuhause oder such dir ein ruhiges Café.
2. Schaffen Sie Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben
Als Nächstes müssen wir uns die Grenzlinien zwischen Arbeit und unserem Privatleben ansehen. Das kann schwierig sein, wenn wir in einer Branche arbeiten, die lange Arbeitszeiten verlangt und (wenn nicht sogar fordert) 24 Stunden Zugriff auf unsere Zeit erwartet. Wir wollen für unser Team und unsere Kunden verfügbar sein, wenn sie uns brauchen, aber die Wahrheit ist: Wir schaffen damit Erwartungen. Wir senden das Signal, dass wir jederzeit helfen können. Die gute Nachricht ist, dass wir Beziehungen immer neu ordnen und neue Grenzen setzen können.
Es gibt viele verschiedene Grenzen, die wir ziehen können, aber hier sind ein paar, mit denen Sie anfangen können. (Oder hören Sie unsere Podcast-Episode mit Sarah Hoban über Grenzen setzen vs. stille Kündigung hier)
Lassen Sie die Arbeit bei der Arbeit
Egal ob es sich um Papierkram, E-Mails oder Ihren Computer handelt, fassen Sie nach Feierabend nichts mehr an und öffnen Sie auch nichts. Natürlich wissen wir alle, dass es manchmal stressig werden kann und dass Webseiten ausfallen können, aber bleiben Sie dann im Büro und erledigen Sie die Aufgabe dort. Nehmen Sie die Arbeit nicht mit nach Hause. Ich versichere Ihnen, niemand wird sterben, nur weil er Ihre E-Mail um 23:58 Uhr nicht bekommt.
Nehmen Sie persönliche/Arbeitstage
Wenn Sie im Büro arbeiten: Arbeiten Sie einmal pro Woche von zu Hause aus. Das gibt Ihnen die Möglichkeit, kleine Hausarbeiten (wie die gefürchtete Wäsche) zu erledigen und dabei gemütlich in Jogginghose zu sitzen. Die Stunde, die Sie sich durch das Wegfallen des Arbeitsweges sparen, können Sie für persönliche Aufgaben nutzen. Die Abwechslung zum Büroalltag lässt Sie erfrischt fühlen.
Kommen Sie nicht krank zur Arbeit
Das klingt zwar offensichtlich, aber Sie können nicht behaupten, das noch nie gemacht zu haben. Tatsächlich geben 26% der amerikanischen Arbeitnehmer zu, krank zur Arbeit zu gehen. Fast alle sagen, dass sie zu viel Arbeit haben. Noch erschreckender: Überarbeitete Beschäftigte haben ein 23% höheres Risiko, in die Notaufnahme zu müssen. Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe keine Zeit für einen Notaufnahme-Besuch. Machen Sie eine Pause und ruhen Sie sich aus. Ihr Körper sagt es Ihnen schon!
Nutzen Sie Ihren Urlaub regelmäßig
Wussten Sie, dass im Jahr 2017 fast 50% der amerikanischen Angestellten ihren Urlaub verfallen ließen und zwei von drei Angestellten sogar im Urlaub arbeiten? Ich will niemanden verurteilen – ich habe in den letzten Jahren beides getan –, aber Sie sollten regelmäßig Urlaub nehmen. Warten Sie nicht bis zum Jahresende, weil Sie dann wahrscheinlich keine Zeit mehr dafür haben. Und da Studien zeigen, dass Geldausgeben für Erlebnisse die psychische Gesundheit verbessert, planen Sie etwas Schönes wie ein Konzert, einen Wellnesstag oder eine Mini-Reise zu einem Freund.
Es ist auch wichtig, sich im Bedarfsfall entbehrlich zu machen.
Planen Sie persönliche Zeit um Dienstreisen und Konferenzen herum ein
Sie müssen nicht an einen tollen Ort reisen, nur um dann die ganze Zeit in einem Hotelballsaal oder Büro festzusitzen. Hängen Sie an den Anfang oder das Ende Ihrer Reise einen Tag dran, um Ihre Umgebung zu genießen.
3. Investieren Sie in sich selbst
Während wir uns um andere und unsere Projekte kümmern, vergessen wir, für uns selbst zu sorgen – kein Wunder, dass wir ausbrennen! Das ist ein Problem, denn es liegt an uns, in unsere Karriere und unser Wachstum zu investieren. Um uns selbst und die gesamte Gemeinschaft zu stärken, muss sich das ändern. Wie geht das?
Es fängt damit an, für unsere Gesundheit zu sorgen
Ja, das heißt grüne Sachen essen und ins Fitnessstudio gehen. Es bedeutet auch, jede Nacht ausreichend Schlaf zu bekommen. Wussten Sie, dass Jeff Bezos acht Stunden Schlaf sicherstellt? Er sagt, es sei seine Verantwortung gegenüber seinen Investoren und entscheidend für gute Entscheidungen. Wenn also ein Milliardär, der aktuell die wichtigsten Entscheidungen der Welt trifft, 8 Stunden pro Nacht findet, dann können wir das sicher auch.
Geben Sie sich Zeit zum Nachdenken
Microsoft-Gründer und Aufsichtsratsvorsitzender Bill Gates hat bereits vor Jahren die Think Week eingeführt, um Zeit zu haben, über die Zukunft der Technologie nachzudenken. Seitdem gibt es von Führungskräften verschiedenste Varianten dieses Ansatzes. Ich finde, jeder von uns kann alle zwei Wochen zwei Stunden für Reflexion und persönliches Wachstum einplanen. Das hilft, den Kopf frei zu bekommen, die eigenen Fähigkeiten zu verbessern und den beruflichen Weg im Auge zu behalten.
Umgeben Sie sich mit Positivität
Du verdienst ein positives Arbeitsumfeld mit gesunden Beziehungen zu deinen Kollegen. Kürzlich habe ich eine Konferenz besucht, auf der ich zu viele Geschichten von schlechten Chefs und unglücklichen Unternehmen gehört habe. Wenn du ehrlich sagen kannst, dass du deinen Job hasst und nicht zur schlechten Atmosphäre beiträgst, dann verändere etwas. Das kann ein Perspektivwechsel und eine Änderung deiner Einstellung sein, eine physische Anpassung oder ein neuer Job.
Bleibe mit der Community verbunden
Es ist wichtig, sowohl von Menschen um dich herum zu lernen als auch etwas an diejenigen zurückzugeben, die neu in unserer Community sind. Nimm dir einmal im Monat Zeit für einen Kaffee oder ein gemeinsames Treffen.
Wie du beginnst, mit Burnout umzugehen
Wie anfangen? Es gibt oben viele Ideen und es wäre überwältigend, alles auf einmal zu tun. Wähle daher zunächst einen Punkt aus, auf den du dich im ersten Monat konzentrierst. Stelle sicher, dass er den S.M.A.R.T-Zielrichtlinien entspricht, damit es keine Grauzonen bei deinem Erfolg gibt. Informiere deine Kollegen, damit sie dich zur Rechenschaft ziehen und deine Grenzen respektieren. Starte auf jeden Fall mit einer frischen Einstellung, um der Veränderung eine Chance zu geben.
Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich mich entschieden, mein Burnout aktiv anzugehen. Für mich bedeutete das, Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben zu setzen, Kontakt zu positiven Agenturen zu suchen, grüne Smoothies zu trinken, ein Sportprogramm zu beginnen und natürlich ein übergroßes Einhorn zu kaufen. Ich bin nicht perfekt und arbeite definitiv noch daran, aber ich bleibe dabei, dass meine Gesundheit und mein Glück an erster Stelle stehen müssen. Ich fordere dich heraus, mitzumachen!
Hör dir unsere Podcast-Episode zum Thema Burnout mit Lynn Winters hier an!
